Kommunikation über Mimik

Mühlheimerin Monika Schloz alias Recoleta über ihre Arbeit als Clownin

Clowns strecken die Arme freudig nach oben
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Viel mehr als Arme wedeln: Die kleine Clowns-Gruppe um Monika Schloz bereitet sich auf mögliche Auftritte für spätestens Anfang 2021 vor.

Lange musste auch Mühlheims Clownin Monika Recoleta Schloz pausieren. Mit Auftritten vor Altenheimen geht das künstlerische Leben der Frau in Zeiten von Corona so langsam wieder los.

Mühlheim – Manchmal kann einem im Gespräch so ein seltsames Gefühl beschleichen. Man kommt dann nicht sofort darauf, was einen am anderen befremdet, schließlich redet das Gegenüber keinen Unsinn, sagt nichts Merkwürdiges. Aber manche Menschen sprechen ohne jede Mimik. An ihrem Gesichtsausdruck lässt sich nicht ablesen, was sie denken und fühlen. Die Stimme klingt dann häufig sehr monoton.

Der Clown hingegen sagt meist kein Wort. Er teilt über seine nuancierte Mimik mit, was ihn gerade bewegt. Auch deshalb wird Monika Schloz, die als Clownin den Künstlernamen Recoleta trägt, oft von Altenheimen gebucht, um speziell vor an Demenz Erkrankten aufzutreten. Auch wenn die Betroffenen verbale Informationen nicht mehr verstehen, das, was sich in den Gesichtszügen abspielt, können sie immer noch lesen.

Für Clownin Recoleta galt in den vergangenen Monaten das Gleiche, wie für ziemlich alle darstellenden Künstler: Es herrschte Schicht im Schacht. Auch Schloz verging die Lust, ans Telefon zu gehen oder ins Mailfach zu schauen. „Innerhalb von 24 Stunden brachen mir alle Aufträge weg“, erzählt die in Offenbach wohnende Frau, die beruflich vor allem in Mühlheim unterwegs ist.

Die examinierte Germanistin arbeitete vor ihrer Zeit als Clownin als Dozentin an der Universität. Für den Insel-Verlag gab die gebürtige Bonnerin Bücher heraus. Als Kind tanzte die 51-Jährige im Ballett. Auf der Kölner Domplatte trat Recoleta später als Clownin auf, ehe sie nach Paris zog und für ein Jahr bei dem arrivierten Pantomimen Jacques Lecoq in die Lehre ging.

Monika Schloz leitet die Clowninnen-Gruppe.

Mittlerweile tritt Schloz wieder in Altenheimen auf, vielmehr davor, wie etwa im Garten des DRK-Seniorenzentrums in Offenbach an der Helene-Mayer-Straße oder vor dem Domizil an der Offenbacher Ludwigstraße. Mitte Juli stieg Schloz auf einem weiteren Feld ihrer Arbeit wieder ein. Übers Wochenende probte sie mit sieben Teilnehmerinnen aus Mühlheim, Offenbach, Frankfurt, Darmstadt und Gießen mit ihrer Clowninnen-Gruppe intensiv im Garten des Naturfreundehauses.

Nur Frauen gehören der Gruppe an, die kleine Nummern erarbeitet, um sie irgendwann in einer Revue aufzuführen, je nachdem, wie sich die Welt in Sachen Corona dann dreht. „Wir hoffen, es klappt noch in diesem Jahr oder Anfang 2021“, sagt die 51-Jährige.

Schloz stellte für die Gruppe nie irgendwo ein Schild mit „Zutritt für Männer verboten“ auf. Es nehmen nur keine teil. Männliche Neugierige hätten sich dann doch nicht überwinden können.

Ein interessantes Phänomen, schließlich müssen Männerballetts zur Fastnacht in der Regel nicht über Nachwuchssorgen klagen. Allerdings braucht sich inmitten der Gaudi niemand im Tütü zu fürchten, etwas vom Innersten preiszugeben. „Beim Clown-Training ist das etwas anders“, erklärt Schloz und vermutet, „Männer fürchten, eigene Kompetenzen abzugeben“.

Das Wesen des Clowns stehe dem Klischeebild des Mannes entgegen, der von sich erwarte, alles zu wissen und alles zu können. Der Clown bewege sich außerhalb von irgendeiner Erfahrung oder Geschichte, „er beginnt stets auf einem weißen Blatt“. In keinem Moment ahne der Clown, was ihn im nächsten Augenblick beeindrucke: „Der Clown kann weit mehr, als mit den Armen zu wackeln und traurig zu gucken.“ (Von Stefan Mangold)

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