Corona in Mühlheim

Wie Mühlheims Gastronomen die Krise meistern

Weiterhin im Dienst der Kunden: Rudi und Christina Härtl bieten in der Probierstub’ nun einen Hol- und Bringservice . Georg Koppenhöfer von der Alten Wagnerei, zeigt Gläser mit selbst gemachten Spezialitäten, die er verkauft.
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Weiterhin im Dienst der Kunden: Rudi und Christina Härtl bieten in der Probierstub’ nun einen Hol- und Bringservice . Georg Koppenhöfer von der Alten Wagnerei, zeigt Gläser mit selbst gemachten Spezialitäten, die er verkauft.

Die Corona-Krise trifft auch Mühlheims Restaurants und Kneipen. Manche Gastronomen sind zufrieden, andere sorgen sich.

  • Die Corona*-Krise trifft auch Mühlheim (Kreis Offenbach).
  • So gehen die Gastronomen und Kneipen mit den Folgen der Krise um.
  • Viele Mühlheimer Gastronomen setzen auf das Internet - und sind zufrieden.

Mühlheim – „Uns geht’s ganz gut, wir haben viele neue Gäste, die wir noch nie gesehen haben. “ Rudi Härtl hat es mit der Probierstub’ ganz gut getroffen. Eigentlich würde er jetzt das nächste Straßenfest vorbereiten, mit dessen Erlös ein Kreis aus Freunden und Vereinen wiederum ein Fest für Senioren ausrichtet. Stattdessen verwandelt er seine Kneipe in einen Schalter, an dem täglich ein deftiger Mittagstisch abgeholt werden kann. Wie viele Gastronomen in der Mühlenstadt hält er sich während der Corona-Krise mit einem Hol- und Bringservice über Wasser.

Am Anfang hat Härtl sein neues Angebot nur im Schaukasten kundgetan. Auf Anregung seiner Tochter steht die Speisekarte nun auch im Internet. „Wir sind nicht die teuersten und bringen unsere Menüs immer pünktlich“, erklärt der beliebte Wirt seinen Erfolg. „Das spricht sich rum.“ Als gute Idee lobt er ein Faltblatt, auf dem alle Gaststätten in Mühlheim aufgeführt sind, die einen Außer-Haus-Dienst anbieten.

Corona in Mühlheim: Gastronomen bieten Essen zum Abholen - Rentner sind froh

Der Gastronom denkt noch einen Schritt weiter. „Es gibt Leute, die nicht mal was zu essen haben“, darum habe er viele Gutscheine für Mahlzeiten verteilt. Viele Rentner treffen sich schon vor der Abholzeit am Eingang an der Dietesheimer Straße zum Schwätzchen. „Sie bringen ein Tupper-Töpfchen mit und sind total happy, weil sie daheim keinen zum Reden haben.“ Manche seien depressiv, „wir sind positiv eingestellt und froh, dass wir Arbeit haben“.

45 Leute holten am Sonntag Spargel, Frikadellen mit Gemüse und Kartoffeln oder Schinken-Makkaroni-Röllchen. „Eigentlich ist das unser Ruhetag, wir öffnen nur wegen der älteren Kunden. Heute ist das letzte Schlachtfest bis September, es gibt noch mal Rippchen, Bauchfleisch, Blut- und Leberwürstchen, Schinken-Solber, Haspel oder Schäufelchen zu Püree und Sauerkraut.

Mühlheim: Gastronomen glauben, dass Corona-Krise noch andauern wird

Vor der Alten Wagnerei schiebt ein Junge einen Mäher, verwandelt den Boden des Biergartens in einen englischen Rasen. Georg Koppenhöfer rechnet damit, dass die „Krise“ länger andauert. Eine Tür ist Ein-, die andere Ausgang, dazwischen steht die Abholtheke mit einer hohen Plexiglasscheibe. In einem gläsernen Kühlschrank hält der gelernte Metzger Dosen mit selbst gemachtem Presskopp, Blut- und Leberwurst bereit, Gläser mit Kalbsrahm- und Rinderzwiebelgulasch, Roulade und Grüner Soße.

Der Inhaber hält eine Wochenkarte parat, obendrein Spezialitäten mit Spargel: Gekochter Schinken, Schweine- und Kalbsschnitzel sowie Rumpsteak vom Weideochsen. Von sechs Festangestellten seien derzeit nur zwei da, „einer verpackt, einer liefert“. Die Aushilfen im Service müssen zu Hause bleiben. „Es läuft ganz gut“, sagt Koppenhöfer, seine Kosten müsse er mit einem Fünftel der bisherigen Einnahmen decken. Vieles sei Neuland, in jedem Fall aber sei für ihn „beste Qualität eine Verpflichtung“, damit Stammgäste die Treue halten.

Mühlheimer Gastronomen in Corona-Krise: „Es läuft ganz gut“

„Die Leute sind wirklich klasse“, resümiert Ute Baier von der Hexestubb an der Lessingstraße. Sie frage sich aber, „wie lange halten das die Gäste durch?“ Wer in Kurzarbeit ist, koche eher selbst. Ihrem Lokal nutze jetzt Mundpropaganda, „dass wir schon 15 Jahre am Ort sind und schon immer Speisen zum Abholen hatten“. Die Mühlheimer nehmen den Lieferservice gut an, die Hexenstubb habe viele neue Freunde gewonnen, „auch jüngere und ältere, die sich sonst nicht den Luxus gönnen, essen zu gehen“. Am Herd stehen Ehemann Klaus und jetzt auch Sohn Steven. Sie bereiten eine gut bürgerliche Küche mit Schnitzel, Hähnchen und Pizza. „Nur Rumpsteak servieren wir lieber frisch“, das werde nicht ausgeliefert.

„Es könnte besser sein, es gibt viel Konkurrenz“, bemerkt Thinh Nguyen Van. Der Wirt der „kleinen Kneipe“ in Lämmerspiel hält für Abholer der asiatischen Leckereien auch Schutzmasken bereit. Der quirlige Vietnamese begeistert seine Besucher stets mit Aktionen: Freitags gibt’s Fischfilet und Seelachs, samstags und sonntags hausgemachte Schnitzel mit geschmorten Zwiebeln oder Champignon-Soße, außerdem Ente, Nudeln, Hühnerfleisch und an jedem zweiten Samstag im Monat Sitzhähnchen. „Die sind immer ausgebucht“, wirbt er und motiviert, „wir müssen zusammenhalten, damit es nach Corona weiterlaufen kann“.

VON MICHAEL PROCHNOW

Die Corona-Krise ist nur einer von vielen Gründen: Das Landhaus Hotel Waitz im Mühlheimer Stadtteil Lämmerspiel,* weit über die Grenzen des Kreis Offenbach bekannt, macht dicht.

Viele Gastronomen fürchten, wegen der strengen Auflagen nicht wirtschaftlich arbeiten zu können. Einige Gaststätten sollen daher trotz Corona-Lockerungen erstmal geschlossen bleiben. Die Gastronomen in Hessen* haben dabei Bauchschmerzen.

Inzwischen haben die Kneipen in Mühlheim wieder geöffnet. Ein Streifzug.

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