Mit einer Stammzellenspende

Bahn-Azubi wird zum Lebensretter

Wenn alles glatt läuft bald Lokführer in der S-Bahn: Björn Kürklü steht kurz vor seiner Abschlussprüfung. Vergangenes Jahr hat er mit einer Stammzellenspende ein Leben gerettet..
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Wenn alles glatt läuft bald Lokführer in der S-Bahn: Björn Kürklü steht kurz vor seiner Abschlussprüfung. Vergangenes Jahr hat er mit einer Stammzellenspende ein Leben gerettet..

Ein 25 Jahre alter Bahn-Azubi aus Mühlheim hat Stammzellen gespendet und so das Leben eines Mannes gerettet.

Mühlheim – Für manche ist Lokführer werden ein Kindheitstraum. Für den Mühlheimer Björn Kürklü ist dieses Ziel zum Greifen nah. Der Azubi bei der Deutschen Bahn steht kurz vor seinem Ausbildungsende. Doch während seiner Ausbildung zum Lokführer bekommt Björn Kürklü einen Anruf, der sein Leben und vor allem das seines genetischen Zwillings für immer prägen wird. Durch eine Stammzellenspende hat der 25-jährige Mühlheimer dessen Leben gerettet.

Als im vergangenen Jahr bei Björn Kürklü eine Tübinger Nummer auf dem Display seines Telefons erscheint, ahnt er noch nicht, was auf ihn zukommt. Am anderen Ende meldet sich eine Mitarbeiterin der DKMS (ehemals Deutsche Knochenmarkspenderdatei). „Da war ich zuerst vollkommen überrascht, ich hatte fast schon vergessen, dass ich dort registriert bin.“ Kürklü hat sich bei der DKMS bereits kurz nach seinem 18. Geburtstag registriert, da die Feuerwehr in Hanau aufgrund eines an Blutkrebs erkrankten Kollegen dazu aufgerufen hatte. Kürklü selbst ist bei der Freiwilligen Feuerwehr Mühlheim aktiv.

Mühlheim: Stammzellenspende rettet Mann das Leben

Die DKMS-Mitarbeiterin am Telefon der gemeinnützigen Organisation erklärt ihm, dass jemand auf seine Spende angewiesen sei, da beide genetisch zueinander passen. „Da war ich erstmals sprachlos, aber die Frau hatte solche Reaktionen natürlich schon öfters erlebt, ich stimmte zu“, berichtet der Azubi der Deutschen Bahn. „Ich sagte ihr, dass ich erst noch mit meinem Vorgesetzten sprechen müsste, weil zu dem Zeitpunkt die Prüfungen zum Thema Bremsen anstanden und die besonders wichtig sind.“

Die Bestätigung vom Chef folgt noch am gleichen Tag und Kürklü gibt der DKMS grünes Licht. Seine Prüfung legt er noch vor dem Spendetermin erfolgreich ab. Nach umfangreichen Tests, ob Björn Kürklü auch körperlich die Spende durchstehen kann, folgt die Vorbereitung. „Da musste ich mir vier Tage lang ein Medikament spritzen, das die Stammzellenproduktion anregt und ins Blut leitet.“ Diese Prozedur geht mit grippeähnlichen Symptomen einher. „Zu Zeiten der Corona-Pandemie ist das natürlich ein komisches Gefühl, aber ich wusste ja, dass das von dem Medikament kommt.“

Bahn-Azubi spendet Stammzellen – den Empfänger kennt er nicht

Am Tag der Spende werden die Stammzellen dann via Dialyse aus dem Blut gewonnen. „Ich war richtig fertig und hab nur noch geschlafen, aber meine Chefs haben mir zum Glück ein bisschen Urlaub geschenkt dafür.“ Wer die Person genau ist, deren Leben er gerettet hat, wird der Azubi nie erfahren. „Aber das finde ich auch gar nicht schlimm, ich will ja nicht, dass die Person das Gefühl hat, ewig in meiner Schuld zu stehen.“ Es soll sich aber um einen Mann aus Frankreich handeln. Im Nachbarland ist die Gesetzeslage bei Organ- oder Stammzellenspenden strenger als in Deutschland, Spender und Empfänger bleiben anonym.

„Ich habe das gerne gemacht, und die Belastung, sich ein paar Spritzen zu setzen, ist doch kein Vergleich mit dem Leben, dass man dadurch rettet“, meint der 25-Jährige. Nun ist Kürklü zunächst zwei Jahre für den Patienten in Frankreich reserviert, falls dieser erneut eine Spende braucht. Doch nicht nur die Stammzellenspende war für den 25-Jährigen erfolgreich, auch seine Ausbildung will Kürklü dieses Jahr noch zu Ende bringen.

Mühlheim: Bahn-Azubi will bald als Lokführer durchstarten

Dabei will er zunächst gar nicht Lokführer werden. Nach dem Hauptschulabschluss an der Friedrich-Ebert-Schule ist sein erster Berufswunsch der des Erziehers. An der Käthe-Kollwitz-Schule in Offenbach holt er seinen Realschulabschluss nach. Doch im Erzieherberuf wird der Mühlenstädter nie so richtig glücklich, ihm fehlt die Praxis in der Ausbildung. Ein Freund von der Feuerwehr macht ihm dann den Beruf bei der Bahn schmackhaft. „Am Anfang wusste ich noch nicht so recht, aber mittlerweile bin ich glücklich, hier zu sein“, sagt er. Viele mit ihm befreundete Azubis in anderen Branchen leiden unter Zukunftsängsten, da sie nicht wissen, ob sie aufgrund der Corona-Pandemie überhaupt übernommen werden, berichtet Kürklü. „Wenn ich die Prüfungen packe, dann steht meiner Einstellung eigentlich wenig im Weg.“

Und spenden würde Kürklü auch jederzeit wieder: „Klar, das Leben zu retten war das beste Gefühl, das ich seit Jahren hatte.“ (Lukas Reus)

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