„Die Katze im Sack“?

Mühlheim: Ersetzt der Hopper den Stadtbus? Diskussion im Stadtparlament

Bald womöglich auch in Obertshausen: Im Ostkreis sind die Hopper bereits im Einsatz und erfreuen sich großer Beliebtheit. Archiv: Michael Hoffmann
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Bald womöglich auch in Mühlheim: Im Ostkreis sind die Hopper bereits im Einsatz und erfreuen sich großer Beliebtheit.

Es geht um eine richtungsweisende Entscheidung für den Nahverkehr in Mühlheim: Wollen die Stadtverordneten den Hopper oder nicht? Und was passiert dann mit dem Stadtbus? Abschaffen oder parallel betreiben?

Mühlheim – Auf der Agenda der letzten Sitzung des Stadtparlaments vor der Sommerpause am Donnerstag, 24. Juni, steht ein Antrag, mit dessen Zustimmung die Stadtverordneten sich grundsätzlich für die Einführung des On-demand-Angebotes der Kreisverkehrsgesellschaft Offenbach (KVG) in der Mühlenstadt aussprechen würden. Daher hat KVG-Geschäftsführer Andreas Maatz den Mitgliedern des Ausschusses für Bauwesen und Sicherheit noch einmal die Vorzüge des Hoppers, der dem Vernehmen nach im Testbetrieb im Ostkreis gut angenommen wird, versucht, schmackhaft zu machen und eine sukzessive Einführung des „Hüpfers“, etwa im Übergang mit Parallelbetrieb von Hopper und Stadtbus, in einem Jahr in Aussicht gestellt.

Das Hopper-System, das laut KVG möglichst kreisweit eingeführt werden soll, ist App-basiert. Der Fahrgast registriert sich mit Namen und Mail-Adresse. Bei einem Fahrtwunsch wird der gewünschte Abhol- und Zielort angegeben, die App lotst dann zur nächstgelegenen Haltestelle, die kein festgelegter Stopp der üblichen Buslinien sein muss. Ein hinterlegtes „Ridepooling-System“ ermittelt dann die optimale Route und verknüpft die Fahrtwünsche verschiedener Nutzer auf der Wegstrecke miteinander. Der „Hüpfer“ würde das Anruf-Sammel-Taxi ersetzen.

Nahverkehr in Mühlheim: Hopper sei eine Chance

Das Interessante für die Stadtverordneten: Könnte ein Hopper den Stadtbus, der im Jahr rund 800 000 Euro Unterhalt kostet, ersetzen? Die Gelegenheit wäre da: Der Vertrag für den Stadtbus Of-31, den die Stadtwerke GmbH betreibt, ist vor Kurzem um ein Jahr, bis Ende 2023 verlängert worden, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Wolfgang Kressel. Es bestünde zudem noch die Option, den Kontrakt um ein weiteres Jahr zu verlängern. Soll der Stadtbus dann auch übers Jahr 2024 weiterfahren, müsste allerdings ein neues Unternehmen ausgeschrieben werden, informiert Kressel. Würde der Stadtbus abgeschafft, könnten etwa für Schulkinder Verstärkerbusse eingesetzt werden.

Bürgermeister Daniel Tybussek nennt den Hopper eine Chance und meint: „Grundsätzlich können wir uns den Hopper vorstellen, aber in der Feinabstimmung gibt es noch eine Menge Arbeit.“ Dr. Jürgen Ries, Fraktionschef der Bürger für Mühlheim, betont: „Eines dürfte klar sein, wenn wir den Hopper einführen, können wir ihn nicht mehr so einfach abschaffen.“ So ein bisschen würde man die Katze im Sack kaufen, findet Ries. Volker Westphal (Grüne) sagt, er habe die Sorge, „wenn wir zustimmen, ist der Stadtbus weg und die Lücken beim Hopper noch da.“ Er habe das Gefühl, die Stadt begebe sich da in ein „Riesen-Abenteuer“. Erster Stadtrat Dr. Alexander Krey betont: „Der Beschluss sagt nur: Lasst uns den nächsten Schritt gehen.“

Letztendlich gibt der Ausschuss keine Beschlussempfehlung für die Stadtverordnetenversammlung. (Ronny Paul)

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