Mühlheim

Per Zeppelin über den Main: „Die Partei“ nominiert Kandidaten und präsentiert Ideen

Für „Die Partei“ wollen ins Stadtparlament einziehen Christian Scheeff (von links) , Eike und Helge Kuhlmann, Jan Siebert, Vincent Hoff und Allan Careinou da Silva. Das Bouffier-Plakat spielt an auf den ehemaligen Spitzenkandidat der „Partei“ für den Landtag, Mario Bouffier, heute Vorsitzender im Stadtparlament Limburg.
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Für „Die Partei“ wollen ins Stadtparlament einziehen Christian Scheeff (von links) , Eike und Helge Kuhlmann, Jan Siebert, Vincent Hoff und Allan Careinou da Silva. Das Bouffier-Plakat spielt an auf den ehemaligen Spitzenkandidat der „Partei“ für den Landtag, Mario Bouffier, heute Vorsitzender im Stadtparlament Limburg.

„Die Partei“ in Mühlheim verzeichnet Zuwachs und stellt Kandidaten für kommende Wahlen auf - ohne Unterhaltung und Satire zu vergessen.

Mühlheim – Fähre weg? – „Erstmal Schwimmflügel verteilen, damit die Leute irgendwie rüberkommen.“ Man kann Probleme pragmatisch, demokratisch, witzig, flüssig, zähflüssig oder überflüssig beseitigen. „Die Partei“ bevorzugt satirische Lösungen, und die gefallen landesweit offenbar immer mehr Menschen. Rund 150 Mitglieder hat der Kreisverband der wahrlich alternativen Politiker, 15 von ihnen stellten auf dem Parteitag am Samstag im Schanz ihre Kandidatenlisten für bevorstehende Urnengänge auf.

„Wir sind in den vergangenen zwei Jahren stark gewachsen“, verkündet Helge Kuhlmann. Als Gründe nannte der Spitzenkandidat der „Partei“ in der Mühlenstadt die Europawahl, Politikverdrossenheit und „weil wir sehr gut sind“. Innerhalb von 50 Minuten sind sie „einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur Weltherrschaft“ vorangekommen, prahlt Sprecher Daniel Pfeiffer aus Offenbach.

Die Partei: Trinkhallen-Kultur beleben und B43 unter die Erde verbannen

Coronabedingt haben sie ihre Tagesordnung knapp gehalten, ohnehin pflegen sie eine „Turbopolitik: Wir sind von der schnellen Truppe. Wer handlungsfähige und –willige Politiker möchte, der muss uns wählen“, wirbt Kuhlmann. Die ersten Schlagwörter für den Wahlkampf standen im Raum. In Offenbach werden größere Schlaglöcher in Badeseen verwandelt, kleinere als Minigolf-Löcher genutzt.

Dann gelte es, die Trinkhallen-Kultur zu beleben. So sei der Kiosk am heutigen Sana-Klinikum früher Treffpunkt von RAF-Mitgliedern gewesen. Auch gegen den Fluglärm gibt’s längst ein Rezept – die Flieger sollen unterirdisch auf dem Tarek-Al-Wazir-Gedächtnisflughafen landen. In der Mühlenstadt sei der Verkehrsversuch Einspurigkeit gescheitert, die B 43 sei komplett unter die Erde zu verbannen. Und anstelle der Fähre werde unter Beibehaltung des Führungskabels ein Zeppelinverkehr für PKW und LKW eingerichtet, für Fußgänger und Fahrradfahrer Schnellboote eingesetzt, erläuterten die Männer knochentrocken.

Immerhin, in Frankfurt, Hanau und Fulda sitzen bereits Bürger mit „Partei“-Buch in den Parlamenten. Folgerichtig haben die Mitglieder eine Direktkandidatin für den Bundestag gekürt. Stephanie Birkle, Online-Marketing-Managerin aus Langen, versuchte bereits, das Bürgermeisteramt einzunehmen und ist zugleich eine der Kanzlerkandidatinnen der „Partei“. In jedem Wahlkreis tritt jemand für Merkels Nachfolge an, „klar, das gibt ein Hauen und Stechen“, erwartet Kuhlmann. Birkles Stellvertreter ist Steven Tereshchenko-Schuster (Offenbach).

Um einen Sitz in der Mühlheimer Stadtverordnetenversammlung wollen sich unter dem „Partei-Logo“ Christian Scheeff, Helge und Bruder Eike Kuhlmann, Jan Siebert, Vincent Hoff und Allan Careinou da Silva bewerben. Jetzt planen sie ihre Präsenz in den Straßen der Stadt, um die Sorgen und Nöte der Mitbürger aufzunehmen und zu Aktionen verarbeiten zu können. An Info-Ständen müssen sie zudem die notwendigen Unterstützer-Unterschriften für die Kandidaturen sammeln.

Daniel Pfeiffer: „Wir sind eine ganz normale Partei und müssen alle Formalien erledigen“

Notwendig ist jeweils die doppelte Anzahl der Parlamentssitze, für den Kreistag brauchen sie also 174 Vorschlagende, in Offenbach 138, in Mühlheim 90 und für die Direktkandidatin für Berlin genau 200. „Für den Kreistag sind wir noch im innerpolitischen Findungsprinzess“, schmettert Polit-Profi Kuhlmann geschickt die Frage nach den Themen für die Region ab.

Alles nur gute Unterhaltung in schlechten Zeiten? – Von wegen! „Wir sind eine ganz normale Partei und müssen alle Formalien erledigen“, betont Pfeiffer. Wobei der deutsche Gesetzgeber satireresistent und digital noch immer nicht erreichbar sei. Außerdem, „wenn man sich für die Demokratie engagiert, ist das nie umsonst“, reagieren die Kandidaten auf den Einwurf, dass sie möglicherweise nur wenige Wählerstimmen auf sich vereinen werden. „Könnten wir nicht antreten, wäre die Demokratie zu Ende. Wir sind vielleicht käuflich, aber nicht bestechlich“, betont der Sprecher.

Interessierte sind zum Stammtisch von „Die Partei“ eingeladen, jeweils am ersten Donnerstag im Monat im Künstlertreff Akademie für interdisziplinäre Prozesse am Offenbacher Goetheplatz. (Michael Prochnow)

Kontakt: dieparteiof@outlook.de

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