Erinnerung an eine Erinnerung

Dietesheims historisches Trafohäuschen ist abgerissen

+
Vom historischen Trafohäuschen im Naherholungsgebiet ist nur noch ein Steinhaufen übrig.

Mühlheim - Eben noch ein Stück Industriegeschichte, jetzt nur ein Haufen Steine und die Erinnerung an eine Erinnerung: Mühlheimer Historiker beklagen den Abriss des Trafohäuschens im Naherholungsgebiet. Es galt als letztes komplettes Zeugnis der Basaltindustrie vor Ort. Sie stellen die Frage nach dem Warum - der Kirche.  Von Marcus Reinsch 

Es sah aus wie eine kleine Kirche, das Trafohäuschen nahe des Oberwaldsees im Naherholungsgebiet. Die Architekten des beginnenden 20. Jahrhundert verschleierten den Zweck selbst profanster Gebäude gerne. Und das in diesem Fall so konsequent, dass sich niemand hätte wundern müssen, sonntagmittags ein paar der sieben Zwerge herausmarschieren zu sehen. Vorne hoch wie die Miniatur eines Glockenturms, hinten flacher wie ein Kirchenschiff. Eine märchenhafte Kulisse, mitten im großen grünen Nichts.

Gänzlich entzaubert ist das Ensemble für den Arbeitskreis Industriekultur des Geschichtsvereins, seit es hinüber ist. Das Bistum Mainz, letzter Eigentümer des Grunds, hat seinen Abriss verfügt. Nur noch ein Steinhaufen ist übrig von dem aus den 1930ern stammenden Gebäude, dessen „Basaltbauweise typisch war für die Industriebauten im Steinbruch“, wie es Bruno Schmück formuliert. Das Trafohäuschen sei auf dem Areal „das letzte komplette Zeugnis der Basaltindustrie“ und schon deshalb schützenswert gewesen.

So sah das Gemäuer im Naherholungsgebiet mal aus.

Mit den Mauern ist die Laune des Arbeitskreises gefallen. Vor allem, weil der Blick in die Nachbarschaft zeigt, wie Zeugnisse der Vergangenheit auch ohne Abrissbagger behandelt werden können. Wer’s genau wissen will, geht am besten nach Steinheim. Im Kreuzweg steht ein fast baugleiches historisches Trafohäuschen. Mit „als mittelalterliches Mauerwerk interpretierter Fassade“, dem Turmbau aus Blasenbasaltbruchstein, dem flacheren Trakt hintendran. Als Vorbild für die Form diente den Bauherren einst wohl „das Klischeebild einer mittelalterlichen Kapelle“. Sagt kein Geschichtsverein, sondern das Landesamt für Denkmalpflege. Denn in Hanau wurde das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt. So hätten es die Industriekulturellen auch gerne für Mühlheim gehabt. Denn das Häuschen, sagt Schmück, sei stabil gewesen.

Dessen Dasein gestaltete sich indes wenig romantisch. Seltsame Zeitgenossen tobten sich an den Metalltüren und im Inneren aus. Und weiter oben hatte der Zahn der Zeit genagt; das mit Biberschwänzen gedeckte Dach warf Schindeln ab. Das Bistum hatte schon vor geraumer Zeit Bauzäune drumherum gestellt, um Neugierige abzuhalten.Kein Grund allerdings, betont Schmück, die Keule zu schwingen. „Das Dach hätte unser Arbeitskreis unentgeltlich repariert, eine Sache von wenigen Stunden. Danach hätte das Bauwerk wieder sicher für die nächsten Jahrzehnte gestanden.“

Leserbilder: Die schönsten Plätze in Mühlheim

Der Verwaltungsrat der Pfarrgemeinde St. Markus, der sich mit dem Kirchenbesitz beschäftigte, habe sich im Vorfeld eng mit dem Bistum abgestimmt, weil das für bauliche Maßnahmen zuständig sei, hieß es gestern aus dem Rat. Und das Bistum habe nach gründlicher Abwägung aller Aspekte entschieden, den Turm abreißen zu lassen. Eventuell werde der Verwaltungsrat der Pfarrgemeinde auch die ihm gegebene Gelegenheit nutzen, sich noch im Detail zur Sache zu äußern.

Kommentare