Auch in heiklen Höhen stabil

Dirigent Lukas Siebert nimmt Abschied

Geprobt wurde auch in der Kirche von St. Markus: Morgen gestaltet der Kirchenchor das Hochamt mit drei Stücken aus Händels Oratorium „Der Messias“. 
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Geprobt wurde auch in der Kirche von St. Markus: Am ersten Weihnachtsfeiertag gestaltet der Kirchenchor das Hochamt mit drei Stücken aus Händels Oratorium „Der Messias“. 

Dirigent Lukas Siebert verlässt Mühlheim nach einer Aufführung am ersten Weihnachtsfeiertag in Richtung München. Der Kirchenchor bedauert das. 

Mühlheim - Egal, wie sich eine Biografie entwickelte, wer in der Kindheit Tannenbaum und Krippenspiel erlebte und außerdem das Glöckchen zur Bescherung hörte, den lässt Weihnachten auch als Erwachsener nie ganz unberührt. Zum Fest gehören volle Kirchenbänke und schöne Klänge. Am ersten Weihnachtsfeiertag um 10 Uhr wird der Katholische Kirchenchor St. Markus Mühlheim in der Kirche das Hochamt mit drei Stücken aus dem Oratorium „Der Messias“ von Georg Friedrich Händel musikalisch gestalten.

Vergangene Woche hat der Chor mit seinen 35 Sängerinnen und Sängern mit Blick auf den 25. Dezember das erste Mal in der Kirche geprobt. Dort herrschen nicht nur frischere Temperaturen, sondern auch andere akustische Bedingungen als im Gemeindesaal. „Alles gut, ihr sollt zwar nicht schreien, müsst aber mehr Gas geben“, kommentiert Dirigent Lukas Siebert, „so ist das zu wenig, liebe Freunde“.

Der 24-jährige Schulmusikstudent mit Hauptfach Gesang trällert zwar wie jeder Dirigent dem Chor am Anfang der Probe nur trockene Einsingübungen vor. Aber es macht Spaß, seiner klangschönen Baritonstimme zuzuhören. „Die Punktierungen müssen schärfer kommen“, fordert Siebert, der erst vor anderthalb Jahren den St.-Markus-Chor übernahm.

Aber wie das manchmal leider so ist, der Auftritt am Mittwoch beim Hochamt wird das Ende von Sieberts Mühlheimer Engagement einläuten. Der junge Mann wechselt an die Hochschule nach München. Es wundert nicht, dass Winfried Pult, der Vorsitzende des Chors, betont: „Wir bedauern alle sehr, dass er uns nicht weiter dirigieren kann“. Das hängt zum einen daran, dass es der Leiter glänzend versteht, mit dem Chor umzugehen. Zum anderen brachte Siebert die Sänger qualitativ nach vorne.

Kirchenchöre haben manchmal ihre typischen Schwächen. Die einzelnen Stimmlagen sind klanglich nicht immer austariert und die Einsätze kommen eher kleckernd. Kritiken, die man sich in St. Markus nicht anhören muss. Es überrascht etwa, wie klar und stabil sich der Sopran selbst in heiklen Höhen präsentiert. Und für den Gottesdienst kündigt Siebert an: „Dort singen wir mit dem Orchester einen halben Ton tiefer.“

Rein technisch seien „Denn die Herrlichkeit Gottes, des Herrn“, „O du, die Wonne“ und „Ehre sei Gott“ aus Händels Messias nicht all zu schwer zu intonieren, betont Winfried Pult, „aber die Einsätze kommen oft dicht hintereinander“. Die klappen jedoch, was sicher auch dem Probenwochenende Anfang November in Bad Soden-Salmünster zu verdanken ist, wo man die Schubert-Messe und mit Blick auf Weihnachten auch die Stücke aus dem Messias noch einmal auffrischte, die der Chor in der Vergangenheit schon einmal aufführte.

Am Mittwoch wird sich durch die hoffentlich vielen Besucher nicht nur die Akustik der Kirche verändern, sondern auch der Klang. Ein großes Orchester samt Pauken und Trompeten kann sich die Gemeinde natürlich nicht für ein Hochamt leisten. Von der Frankfurter Musikhochschule werden aber schon um 19.45 Uhr sieben Musiker mit dem Chor proben, darunter zwei Oboen und ein Fagott.

„Der Messias“, den ein Dubliner Orchester am 13. April 1742 erstmals aufführte, behandelt nicht nur wie Bachs Matthäuspassion die letzten Tage Jesu, sondern beginnt mit Jesajas Prophezeiungen. „Den Messias können wir sowohl an Ostern, als auch an Weihnachten singen“, benennt Pult einen Grund, warum die Wahl auf das Oratorium von Georg Friedrich Händel fiel, der in Halle zur Welt kam, aber die meiste Zeit in London lebte.

Wer morgen um 10 Uhr das Hochamt von der St. Markus-Kirche (Marktstraße) besucht, wird hören, dass Händels Messias zu den großen Werken der Musik gehört.   Von Stefan Mangold

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