Einsatzfrequenz gestiegen

DLRG steht durch Coronavirus vor vielen Herausforderungen

Mit dem Boot auf dem Main: Die Rettungskräfte des DLRG sind auch in Corona-Zeiten im Einsatz.
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Mit dem Boot auf dem Main: Die Rettungskräfte des DLRG sind auch in Corona-Zeiten im Einsatz. (Archiv)

Der Sommer steht vor der Tür, doch die Schwimmbäder sind wegen der Corona-Pandemie vorerst weiter geschlossen. Auf Spaß und Abkühlung im kühlen Nass wollen viele dennoch nicht verzichten.

Mühlheim – Deswegen weichen immer mehr auf freie Gewässer, wie etwa den Main oder umliegende Seen aus. Das bereitet den Rettern der Mühlheimer DLRG und Feuerwehr Sorgen. Denn viele Menschen wissen nicht, wie sie sich in diesen Gewässern korrekt verhalten. „Gerade am Main kann es immer wieder gefährlich werden“, weiß Johanna Ricker von der DLRG, „wenn Schiffe vorbeifahren, kann der Sog des Schiffes oder die starke Main-Strömung eine Person schnell in tieferes Wasser ziehen“. Ricker rät dazu, nur an ausgewiesenen Badestellen ins Wasser zu gehen und nicht alleine zu schwimmen. Des Weiteren stellt die Staustufe mit einer Schleusenkammer und dem Wasserkraftwerk ein zusätzliches Gefahrenpotenzial dar, worauf DLRG und Feuerwehr in einer gemeinsamen Erklärung hinweisen.

Auch die Dietesheimer Steinbrüche werden immer wieder zum Baden aufgesucht. Dort ist das Abkühlen aber nicht nur wegen des Naturschutzes untersagt. Die steilen Klippen und die unbefestigten Ufer bilden, wie die großen Tiefen der Seen selbst, ebenfalls eine schwer einzuschätzende Gefahr. „In der Vergangenheit kam es hier immer wieder zu Unfällen mit teils schweren Verletzungen“, erinnert Daniel Haupt, Brandmeister der Feuerwehr Mühlheim.

Auch für die Mannschaft der Wasserrettung birgt ein Einsatz während einer Pandemie zusätzliche Risiken, wie Ricker von der DLRG berichtet. Die Aktiven rücken bei einem Notfall nur mit Mund- und Nasenschutz aus und versuchen – wenn möglich – den Mindestabstand einzuhalten. Bei einem Notfall fällt wegen der Infektionsgefahr eine Mund-zu-Mund-Beatmung aus, „wir haben aber immer ein Beatmungsgerät dabei, dennoch zählt in akuten Notfällen jede Sekunde“, betont Ricker. Die Gefahr einer Ansteckung mit dem Coronavirus für die Retter ist sonst zu groß.

Doch nicht nur die erwartete höhere Einsatzfrequenz bereitet den Rettern Sorgen. Durch Corona müssen fast alle Vereinsaktivitäten bis Mitte August abgesagt werden. Davon betroffenen ist nicht nur das geplante Kinderzeltlager, sondern auch die Ausbildung von weiteren Rettern. „Es ist eine schwierige Lage für uns; natürlich können wir den theoretischen Teil online absolvieren, aber in der Ausbildung fehlt die praktische Arbeit“, bedauert Ricker.

Zu Problemen führte diese Situation auch mit einem jungen Mann, der bei der DLRG in der Mühlenstadt seinen Bundesfreiwilligendienst leistet. „Natürlich war auch er in Kurzarbeit, aber dennoch konnten wir ihm nicht genügend Arbeit geben“, berichtet Ricker. Zwar wäre eine Kündigung eine Option gewesen, aber diese habe der Verein nicht ziehen wollen. Deshalb ist er jetzt in Mecklenburg-Vorpommern an der Ostseeküste im Einsatz, da es dort mehr Arbeit bei der DLRG gibt.

Eine Hoffnung auf ein normaleres Vereinsleben für die Mitglieder weckte Landesvater Volker Bouffier am Dienstag. Nach Ansicht des 68-jährigen Ministerpräsidenten soll Schwimmsport im Verein bald wieder möglich sein. „Das wäre natürlich eine große Erleichterung für uns, aber aktuell gehen wir davon aus, dass es erst Ende August wieder weiter geht“, sagt Ricker

Die Pause nutzen die Verantwortlichen des 450 Mitglieder starken Vereins für viele organisatorische Aufgaben. Unter anderem arbeiten sie an einem Hygienekonzept, damit bei einer Öffnung der Bäder der Schwimmunterricht nicht zur Infektionsgefahr wird.

VON LUKAS REUS

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