Rauschgiftbesitz

Nach Drogenfund in Wohnung: Wendung für Angeklagten aus Mühlheim

Mit einem blauen Auge ist ein Angeklagter davongekommen, der sich vor dem Schöffengericht in Offenbach wegen Rauschgiftbesitzes verantworten musste.

  • Drogenfund in Mühlheim: Angeklagter steht vor Gericht
  • Der Fall um Drogenfund aus Mühlheim nimmt eine überraschende Wendung
  • Angeklagter aus Mühlheim kommt mit blauem Auge davon

Mühlheim – Mit einem blauen Auge ist ein Angeklagter davongekommen, der sich vor dem Schöffengericht in Offenbach wegen Rauschgiftbesitzes verantworten musste. Auch wenn es sich beim Zufallsdrogenfund in seiner Wohnung um eine nicht geringe Menge handelte, bleibt der Mühlheimer mit einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen weiterhin nicht vorbestraft.

Drogenfund: Mühlheimer kommt mit blauem Auge davon

Eigentlich stand nicht der 40-Jährige, sondern sein Lebensgefährte im Fokus polizeilichen Interesses. Es ging um Eigentumsdelikte. Bei einer Durchsuchung der Mühlheimer Wohnung ließ sich der Verdacht zwar nicht erhärten, aber die Beamten entdeckten die Ernte aus einer kleinen Marihuana-Amateur-Plantage. Letztlich läpperten sich alle Pflanzenblätter auf einen Gesamtertrag von 11,2 Gramm an reinem THC, die chemische Verbindung, die den Rausch erzeugt. Das entspricht einer „nicht geringfügigen Menge“, die ab 7,5 Gramm beginnt. Während die Polizei durchsuchte, kam der Angeklagte nach Hause und erklärte, sein Freund habe mit den Drogen nichts zu tun, die gehörten ausschließlich ihm. Die Ermittler fanden kein Indiz, das auf Handel deutete.

Regierung organisiert Anbau und Handel von Cannabis für Patienten

Verteidiger Gordian Hablizel erklärt für den Angeklagten, „er gestand bei der Polizei schon ohne Anwalt, heute wird er nicht das Gegenteil behaupten“. Hablizel erklärt, „mein Mandant hörte danach auf, zu kiffen“. Das stimmt. Der Mühlheimer kann seine Abstinenz mit Testergebnissen belegen.

Drogenfund: Angeklagter aus Mühlheim nicht vorbestraft

Richter Manfred Beck wendet sich an den 40-Jährigen, „Sie haben die nicht geringe Menge nun mal überschritten, dann landet man vor dem Schöffengericht. Das ist schon mal blöd.“ Dem widerspricht der Angeklagte nicht, der eine feste Arbeitsstelle in einem Ausbildungsberuf vorweisen kann. Für den braucht er den Führerschein nicht, den er in den kommenden vier Monaten abgeben muss. Als die Polizei die Drogen fand, hatte sie einen Test angeordnet, der positiv ausfiel.

Staatsanwalt Alexander Wiegand sieht trotz der relativ hohen Menge einen „minder schweren Fall von Drogenbesitz“. Der Angeklagte sei außerdem nicht vorbestraft. Deshalb könne er unter der Mindeststrafe von einem Jahr Gefängnis bleiben und auf eine Haftstrafe von sechs Monaten plädieren, „selbstverständlich zur Bewährung ausgesetzt“.

Dem stimmt Rechtsanwalt Hablizel prinzipiell zu. Der Jurist erzählt, was vor kurzem bei einem Prozess in Darmstadt ein Richter gesagt habe. Der brachte ins Spiel, die geltende Grenze von 7,5 Gramm an reinem THC müsste nach oben korrigiert werden. Der Wert stamme noch aus einer Zeit, als die gängige THC-Konzentration weit niedriger lag als heute, da niemand mehr abschätzen könne, ob ein Drogenbesitz drüber oder drunter läge. Hablizel plädiert auf eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 70 Euro. Nach der Forderung des Staatsanwalts wäre der Mühlheimer vorbestraft, „man muss ihm keine Steine in den Weg legen, wenn er irgendwann die Arbeitsstelle wechseln wollte“.

Drogenfund: Schockgefühl nach Einsatz der Polizei

Beim Warten auf das Urteil erzählt der Angeklagte von dem Schockgefühl, als er nach Hause kam und die Polizei in der Wohnung stand, „ich dachte an Einbrecher, dass meinem Freund was passiert ist“. Das Erlebnis sei ihm dermaßen in die Knochen gefahren, „dass es mir leicht fiel, aufzuhören“.

Richter Beck und die Schöffen folgen Hablizel, verhängen 90 Tagessätze à 70 Euro. Beck erklärt, Cannabis gelte zwar als weiche Droge, „weicht das Gehirn auf Dauer aber auf“. Zum Angeklagten sagt er: „Vielleicht hatten Sie durch den Zufallsfund der Polizei Glück für ihr Leben.“ (Von Stefan Mangold)

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