Die Zeit danach

Mühlheim: Ehemalige Erste Stadträtin Gudrun Monat im Interview

Gudrun Monat spricht über ihre Pläne.
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Gudrun Monat spricht über ihre Pläne.

Gudrun Monat (Bündnis 90 / Die Grünen) war sechs Jahre lang Erste Stadträtin in der Mühlenstadt. Zum Jahreswechsel hat sie das Amt an Dr. Alexander Krey (CDU) übergeben. Und trotzdem ist es für sie nicht unbedingt ruhiger geworden. Unsere Zeitung hat mit ihr gesprochen.

Mühlheim – Trotz der Tatsache, dass sie ihr Amt als Erste Stadträtin abgegeben hat, ist es für sie nicht ruhiger geworden. Sie werde immer wieder gefragt, was sie nun so mache, sagt die 60-Jährige. Im Interview spricht Monat unter anderem über ihre Zeit als Erste Stadträtin und über das, was sie nun vorhat.

Was hat sich für Sie verändert?

Ich genieße, dass ich jetzt mehr Zeit Zeit für Familie, Freunde und Sport habe. Trotzdem ist mein Terminkalender nach wie vor voll. Ich weiß manchmal nicht, was ich zuerst machen soll.

Sind Sie denn schon mal Richtung Rathaus gefahren und auf dem Weg ist Ihnen eingefallen, dass Sie da nicht mehr hinmüssen?

Nein (lacht). Aber wenn ich mit dem Auto nach Mühlheim unterwegs bin, fahre ich manchmal aus Versehen Richtung Rathaus, anstatt über die Spessartbrücke, was kürzer wäre.

Wenn Sie auf Ihre Zeit als Erste Stadträtin zurückblicken: Worauf sind Sie am meisten stolz?

Die Herausforderungen waren auf jeden Fall die Aufnahme und Unterbringung von Flüchtlingen sowie der Notstand bei Kita- und Schulbetreuungsplätzen. Da wurde und wird viel bewegt. Aber das sehe ich weniger als persönlichen Erfolg, sondern als gutes Zusammenwirken von vielen Akteuren und engagierten Menschen. Beim Stichwort Stolz fällt mir am ehesten ein, dass ich mit dem Vorsatz angetreten bin, dieses Amt anders zu leben, als es oft ist.

Wie meinen Sie das?

Ich wollte für Mühlheim da sein, die Interessen der Stadt über Parteiinteressen stellen. Ich wollte nah bei den Menschen und Bindeglied sein zwischen Politik, Verwaltung, Vereinen und Bürgern. Das war oft schwierig, es gab viel Gegenwind. Aber bei meinem Abschied haben mir die Reaktionen der Menschen gezeigt, dass ich es wohl doch zu einem großen Teil geschafft habe. Mehr, als ich selbst gedacht hätte.

Was sind Dinge, die Sie nicht vermissen werden?

Die unzähligen Häppchen und Brötchen zwischen unzähligen Sitzungen (lacht). Man kommt nicht mehr dazu, sich gescheit zu ernähren. Aber ernsthaft: Ich finde es sehr angenehm, dass ich jetzt unabhängig von Zuständigkeit und Berechtigung agieren und reden kann, was ich will und für richtig erachte.

Genießen Sie es, nicht mehr so im Mittelpunkt zu stehen?

Der Rummel gerade im letzten halben Jahr war enorm. Da brauchte ich erst mal eine Pause. Aber ich stehe immer noch sehr im Mittelpunkt. Die Menschen kennen mich. Wenn ich unterwegs bin, werde ich nach wie vor angesprochen. Manche wissen noch gar nicht, dass ich nicht mehr Erste Stadträtin bin, und kommen immer noch mit Anliegen auf mich zu. Es ist aber auch schön, weil es zeigt, dass da etwas gewachsen ist, was trägt.

Sie sind jüngst neben Ingolf Schömann zur Sprecherin der Grünen gewählt worden. Welche Themen wollen Sie bis zur Kommunalwahl im kommenden Jahr angehen?

Es hat mich sehr gefreut, dass die Grünen mich mit offenen Armen wieder in ihren Reihen aufgenommen und offensichtlich das, was ich gemacht habe, auch gut gefunden haben. Wir haben aktuell bei den Grünen einen enormen Zulauf. Das macht den Alltag turbulent und lebendig. Die große Aufgabe ist nun, alles zu bündeln, die Neuen gut zu integrieren und zu einer festen Gruppe zusammenzuwachsen. Thematisch setzen wir uns natürlich weiterhin für den Klimaschutz ein.

Für was konkret in Mühlheim?

Es ist nicht so, dass die Stadt nichts für den Klimaschutz tut. Aber wenn man sich die dramatischen Wetter- und Klimaveränderungen der letzten Zeit anschaut, reicht das bei Weitem nicht. Statt bei ohnehin anstehenden Projekten aufzulisten, wo klimaschutzrelevante Aspekte sind, müsste es umgekehrt sein. Zuerst müssten die für Mühlheim notwendigen und wirksamen Klimaschutzziele und -maßnahmen definiert werden, um dann die weiteren Schritte anzugehen und die Projekte darauf abzustimmen. Dieser Aufgabe hat sich die Stadt bisher nicht gestellt.

Welche Themen stehen noch auf Ihrer Liste?

Radwegeausbau. Wir haben tolle Radwege in Mühlheim. Das Problem ist aber, dass sie oft im Nirwana enden oder Verbindungsstücke fehlen. Und die Markierungen sind oft so missverständlich, dass Autofahrer, ohne es zu wissen, auf Radwegen parken. Da ist, ganz abgesehen vom Radschnellweg quer durch Mühlheim, viel zu tun. Bei der Fähre wollen wir die Hoffnung nicht aufgeben. Wenn man die Fähre wirklich will, sind auch Alternativen denk- und machbar. Der weitere vorausschauende Ausbau von Kinderbetreuungsplätzen – sowohl baulich, als auch bei der Gewinnung des Personals – ist auch nach wie vor ein wichtiges Thema.

Lassen Sie sich für die Kommunalwahl auf die Liste setzen?

Wer auf die Liste kommt – und vor allem auf welchen Platz – das prüfen und diskutieren wir im Moment heftig. Da will ich nicht vorgreifen.

Aber die Motivation verspüren Sie noch?

Ja. Ich bin seit 30 Jahren politisch tätig. Das ist mein Steckenpferd. Dem kann ich mich nun unter anderen Bedingungen widmen.

Sie sind in mehreren Vereinen engagiert. Was steht da in nächster Zeit an?

Wir bauen gerade in Lämmerspiel einen Verein auf, der eine Kneipp-Anlage betreuen soll. Das ist spannend und macht Spaß. Wir sind mit der Stadt auf einem guten Weg, aber ich möchte der Infoveranstaltung am kommenden Dienstag nicht vorgreifen. Ansonsten unterstütze ich die Feuerwehr und beteilige mich bei Projekten des einen oder anderen Vereins – es wird sich zeigen, wie sich das entwickelt. 

Das Gespräch führte Ronny Paul.

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