Kaum eine Gemeinschaft pflegt ihre Wurzeln so gründlich

Die ein Doppeljubiläum zelebrierende Egerländer Gmoi

+
Vorsitzende Gertraud Hirsch (links) und Bundesführer Volker Jobst (Mitte) ehrten die Mitbegründerin der Egerländer Gmoi, Zita Gangl, Singleiter Werner Wirth (links) und Sigrid König, die auch im Landesverband aktiv ist.

Mühlheim - Für sie ist die Mühlenstadt ein sehr wichtiges Stück neue Heimat. Schließlich feiert die Egerländer Gmoi z’Offenbach bereits seit 1994 ihre Brauchtumstreffen in der Willy-Brandt-Halle. Sie war jetzt auch der Ort für die Feier des 65-jährigen Bestehens und des 60. Geburtstags der Jugendgruppe.

Die Begegnung ziert ein Hauch von Oktoberfest. Die Männer tragen schwarze Knickerbocker und eine grau-braune, kurze Jacke, manche setzten einen breitkrempigen Hut auf. Die Damen wählen ein langes, schwarzes Kleid mit einer bunten oder gemusterten Schürze, gestickte Säume und Rüschen ergänzen das Gewand. Selbst die Jüngsten schlüpfen schon in die Tracht.

Die Weitergabe von Tänzen, Gesängen und Gedichten in Mundart ist den Hessen mit Wurzeln im Sudetenland sehr wichtig. In Gruppenstunden und bei Festen pflegen die Alten mit den Jungen gemeinsam die Traditionen. Den Saal erfüllen Karten und Wappen, Fahnen der Egerland-Städte werden würdevoll hereingetragen. Kaum eine Gemeinschaft pflegt ihre Bräuche mit solch froher Konsequenz wie diese Gemeinde.

„Als Egerländer Landsleute diese Gmoi im Jahre 1953 gründeten, war ihnen bald klar, dass nur durch einen Jugendverband der Fortbestand auf Dauer zu sichern ist.“ Die Erkenntnis der „Vüarstäihare“, der Vorsitzenden Gertraud Hirsch, teilen viele Ehrengäste. „Das Konzept ging auf, wir können stolz sein, dass der heutige Vorstand überwiegend aus Mitgliedern besteht, die aus der Jugend kommen“, sagt sie.

Der Hessische Sozialminister Stefan Grüttner betont, dass die damaligen Neubürger viel zum Aufbau Hessens beigetragen haben: „Wer seine Wurzeln nicht kennt, weiß nicht, wohin er will.“ Angesichts seiner fast 50 Kinder und Jugendlichen brauche es dem Verein nicht bange werden vor der Zukunft.

Bundesführer Volker Jobst aus Stuttgart nennt die Zusammenarbeit mit der Egerland-Jugend vor Ort „sehr vertrauensvoll und authentisch“. Ihre Kultur vermittle sie bei Veranstaltungen wie dem Mainuferfest. „Egerländer Lebensart – das ist gutes Essen, gepflegtes Trinken und feiern“, erläuterte Jobst erheiternd. Zur erfolgreichen Öffentlichkeitsarbeit zähle auch das „Gmoibladn“, von dem schon rund 500 Ausgaben erschienen sind.

An die Adresse des Ministers gerichtet bittet der Bundesführer, das Prozedere für Zuschüsse einfacher zu gestalten. Für das dringend notwendige Geld aus der Landeskasse müsse bisher sehr viel Verwaltungsaufwand betrieben werden. Zu den Gratulanten zählen auch der Bundes- und der Landesjugendführer, Alexander Stegmeier und Bernhard Glaßl, sowie Ingrid Michael, Vorsitzende der Deutschen Jugend in Europa, deren Mitglied die Gmoi ist. Markus Harzer, Vorsitzender der Sudetendeutschen Landsmannschaft Hessen, wünscht sich, dass sich die Egerland-Jugend auch in seinen Verband einbringt.

Großes Sommerfest beim Mühlheimer Ruderverein: Bilder

Mühlheims Stadtrat Werner Dworschak entschuldigt den Bürgermeister und lobt, dass die Jubilarin mit Begeisterung das Brauchtum hochhalte. Das übernehmen in der Brandt-Halle Sing- und Tanzkreise der Jugend und der neu formierten Kindergruppe. Schon die Jüngsten beherrschen Schustertanz, Spitzboumpolka und Gumbinner, zeigen mit Gesten Papa oder Mama „Ich schmeiß dir in die Ripp’“ und singen „Bin i niat a schäina Roußbuttnbou“. Die Jugendlichen tanzten auch eine Walzquadrille und die Egerländer Polka, Tanzkreise aus Nordhessen und Hofheim überbringen in gleicher Form Glückwünsche. Den Höhepunkt aber bildet der Schwertertanz zu Eger, dargeboten von den Offenbacher Gmoi. Ein Muss.

Mit der Bundesehrennadel zeichnet Jobst die Kindergruppen-Leiterin Angela Ärmler aus, Gertrud Kaiser, die Mundart-Beiträge vermittelt, und Simon Hirsch, der die Egerländer im Stadtjugendring vertritt, in Tanz- und Singkreis aktiv ist.

Weitere Ehrungen erfährt das einzige noch lebende Gründungsmitglied, Zita Gangl. Auch sie leitete die Kindergruppe, nähte Trachten, strickte und beherbergt seit Jahrzehnten den Vorstand. 55 Jahre dabei sind Ursula Ärmel, Leiterin der ersten Kindergruppe, Sigrid König, Vertreterin des Landesverbands, und Singleiter und Umgüldner – Kassenwart – Werner Wirth. (m)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare