Verkehrsversuch

Mühlheim: Einspurige B43 sorgt für Diskussionen

Viel diskutierte nördliche Ortsdurchfahrt: Die B 43 schlängelt sich nach wie vor einspurig durch Mühlheims Stadtmitte. 
Foto: häsler
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Viel diskutierte nördliche Ortsdurchfahrt: Die B 43 schlängelt sich nach wie vor einspurig durch Mühlheims Stadtmitte.

Provisorisch ist die nördliche Ortsdurchfahrt in Mühlheim einspurig. Hat das die Verkehrssituation verbessert? Darüber ist sich die Politik uneins.

Mühlheim – Es gibt unterschiedliche Ansichten, ob die nach wie vor provisorische Einspurigkeit auf der B 43 zwischen der Fähren- und der Albertstraße zu einer Verbesserung der Verkehrssituation geführt hat. Das ist bei der letzten Stadtverordnetenversammlung vor der Sommerpause deutlich geworden. Immerhin war der seit zwei Jahren betroffene Abschnitt der aus Dietesheimer und Offenbacher Straße zusammengesetzten B 43 Jahrzehnte lang eine zweispurige Einbahnstraße. Was die Volksvertreter eint, ist die Ansicht, „dass es zu einem Ergebnis kommen muss“, fasst Bürgermeister Daniel Tybussek (SPD) zusammen. Er könne zugleich den vereinzelten Unmut bei Bürgern nachvollziehen, weil die Ampeln eben nicht mehr so wie im Versuch geschaltet seien und sich dadurch einzelne Staus bilden. Insgesamt vier Mal hat die Stadt die Bürger bei Veranstaltungen mit ins Boot genommen und über Versuchsverlauf und -planungen informiert. So wurden im vergangenen Jahr die Ergebnisse des Versuchs vorgestellt (wir berichteten).

Ein Antrag der Fraktion der Bürger für Mühlheim (BfM), den Verkehrsversuch zu beenden und die „Legosteine“ abzubauen, hat das viel diskutierte Thema erneut auf die Agenda gebracht. Der Verkehrsversuch sei seit Juni vergangenen Jahres beendet. „Deswegen ist verwunderlich, dass er noch so dasteht“, sagt Ewald Renner von den BfM. Die Legosteine müssten endlich mal weggebaut werden, fordert er und verweist auf einen Absatz im nun verabschiedeten Bedarfs- und Entwicklungsplan der Freiwilligen Feuerwehr, der mit „besondere Probleme der Verkehrsführung“ überschrieben ist.

Darin wird unter anderem aufgeführt, dass zu Hauptverkehrszeiten ein Erreichen des Feuerwehrhauses an der Anton-Dey-Straße nach einer Alarmierung für die Brandschützer nur schwer möglich sei. Auch seien bei „Schadensereignissen größeren Umfangs“ Zu- und Abfahrtswege für den Rettungsdienst nicht mehr zu gewährleisten, „wenn Fahrzeuge der Freiwilligen Feuerwehr den einzig zur Verfügung stehenden Fahrstreifen blockieren und Ausweichflächen nicht in ausreichendem Maße beplant sind“. Als der Abschnitt noch zweispurig gewesen sei, habe eine Spur der Feuerwehr, die andere dem Rettungsdienst zum An- und Abfahren gedient. „Die Planung von Ausweichflächen würde die Arbeit der Rettungskräfte erheblich vereinfachen“, heißt es abschließend zur B 43 in dem Papier. „Da ist die Stadt in der Verantwortung, das kann so nicht bleiben“, fordert BfM-Fraktionschef Dr. Jürgen Ries und hält ebenso den „sogenannten Multifunktionsstreifen“ für gefährlich. „Fahrrad- und Autofahrer gehören wenn möglich getrennt.“ Die Planung hake hinten und vorne und sei zum Dauerprovisorium geworden.

SPD-Fraktionschefin Rosemarie Palm entgegnet dem BfM-Antrag, dass der Verkehrsversuch schon längst abgeschlossen sei und der Rückbau nur von Hessen Mobil erfolgen könne. Da sei aber noch keine Entscheidung vom Bundesverkehrsministerium getroffen worden. Zudem habe die Darmstädter Ingenieurgesellschaft Habermehl und Follmann die Einspurigkeit als zukunftsweisend und gelungen gelobt. Der Meinung, der Test sei erfolgreich verlaufen, ist auch Grünen-Fraktionssprecher Volker Westphal, obwohl man zur Kenntnis nehmen müsse, „dass es zu lange dauert“. Kontroverse Diskussionen über die Sinnhaftigkeit und Unmut über das Provisorium werde es weiter geben, prognostiziert er, aber es habe sich gezeigt, „es funktioniert“. Westphal wünscht sich eine Diskussion, was nun mit dem städtebaulichen Raum passieren solle.

Der Raum könne „natürlich für städtebauliche Qualitäten“ genutzt werden, sagt Bürgermeister Tybussek, der von einer Chance und von einer „klaren Verbesserung zur Zweispurigkeit“ spricht, aber auch betont: „Es kann nicht so bleiben, wie es ist, es wird weitere Schritte geben müssen.“ Nun brauche es eine Grundsatzentscheidung vom Verkehrsministerium. Die Stadt habe vor Kurzem noch einmal bei der zuständigen Behörde Hessen Mobil nachgefragt, woran es liege und wer noch nicht entschieden habe. Die Sache sei in Klärung, sagt Tybussek auf Nachfrage und verweist darauf, dass die Entscheidung, ob eine Bundesstraße aus kommunalem Interesse umgebaut werden kann, bundesweite Signalwirkung habe. Fällt der Entschluss für eine Einspurigkeit und die Straße wird umgebaut, gilt es, die Finanzierung zu klären: Welche Kosten übernehmen Bund, Land und Kommune und welche Fördermittel können akquiriert werden? „Wir haben da noch ein Stück weit Weg vor uns“, sagt Tybussek.

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