Einzelhändler bereiten sich auf die Wiedereröffnung vor

Einzelhändler in Mühlheim bereiten sich auf die Wiedereröffnung vor

Vorbereitungen für Montag: Andreas Spriestersbach und seine Verkäuferin Iris Hofmann installieren einen Spuckschutz an der Kasse von Sport Schweikard.
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Vorbereitungen für Montag: Andreas Spriestersbach und seine Verkäuferin Iris Hofmann installieren einen Spuckschutz an der Kasse von Sport Schweikard.

Rund einen Monat mussten die Geschäfte geschlossen bleiben, bald dürfen sie wieder öffnen. Einige Einzelhändler bleiben aber skeptisch.

Mühlheim – Seit 18. März und bis einschließlich dem heutigen 18. April müssen sie ihre Läden geschlossen halten – ab Montag dürfen sie wieder öffnen: Boutiquen, Fotostudios, Fahrrad- und Sportfachgeschäfte bereiten einen Neustart vor. Die meisten Einzelhändler und Dienstleister sehen jedoch sehr skeptisch in eine ungewisse Zukunft.

Creative Mode & Design an der Marktstraße arbeitet dann wieder zu normalen Öffnungszeiten, bietet auch individuelle Termine nach Vereinbarung an. Gerlinde Belz und Petra Petri werden höchstens zwei Kunden in den Laden lassen und Masken tragen. Sie wollten weitere besorgen, aber bei der Schneiderin seien die Gummibänder ausverkauft, berichten sie. „Bei aller Distanz – fühlen sie sich umarmt“, tröstete ein Lieferant. „Unvermittelt und ohne Wahl wurden wir in einen gemeinsamen Dornröschenschlaf versetzt“, dichtete ein anderer.

Mühlheim: Kunden kommen wieder

Belz und Petri haben selbst vor der Kamera mit neuer Mode posiert, sich in Hosen, Shirts, Blazer und Longjacken fürs Internet ablichten lassen. Sie haben mit vielen ihrer Stammkunden telefoniert und Mails geschickt, Blusen und Jacken ausgeliefert und wieder abgeholt, doch der Gewinn war nur ein „Tropfen auf den heißen Stein“. Die georderte Ware sei komplett angekommen, künftig werden sich jedoch die Lieferzeiten verlängern. In Italien werden derzeit keine Stoffe verarbeitet, auch die Produktion in Asien sei ungewiss. Ob Händler und Hersteller überleben?

Zwei für Ende März geplante Modeschauen musste „Creative“ absagen, „auf den Vorlaufkosten bleiben wir natürlich sitzen“, berichtet Gerlinde Belz. Kurzfristig lassen sich diese Termine nicht nachholen und im Sommer ist’s schwierig, die Models zu finden. „Vielleicht im Herbst“, lautet der Hoffnungsschimmer. Und die Reaktion von Kunden? – „Wir freuen uns, am Montag kommen wir vorbei.“

Mühlheim: Einzelhändler müssen durchhalten

Auch Doris Walter darf ihr Reisebüro Holiday wieder öffnen, aber wozu? Erst im September mussten sie die Thomas-Cook-Pleite abwickeln. Jetzt sind die Geschäftsführerin und ihre Angestellten erneut mit Stornierungen beschäftigt. Nur selten buche ein Reisender um, die Kreuzfahrt-Anbieter werben bereits mit Tickets für 2022. Die Chefin der Agentur an der Bahnhofstraße hat Kurzarbeit beantragt. „Die Touristik-Branche ist massiv getroffen, bis in den Herbst rechnen wir mit null Einnahmen.“

Bei Fragen stehen sie ihren Kunden als zuverlässige Ansprechpartner zur Seite, „es gibt ein Leben nach Corona“, sagt sich die Chefin. Und: „Beratung und Buchung für 2021 sind möglich“, dazu können Besuchstermine vereinbart werden. Während die Reiseveranstalter telefonisch nicht erreichbar seien, trete das Reisebüro als Mittler auf, informiere per Telefon und Mail. Ihr Haus habe „gut gewirtschaftet, wir halten durch“, klingt die Parole von Doris Walter.

Mühlheim: Hoffen auf die Zeit nach der Krise

Viele Anfragen gingen bei Herbert Schüller vom Fahrrad-Center in Lämmerspiel ein, speziell für E-Bikes. Eine solche Anschaffung sei jedoch sehr beratungsintensiv, in den vergangenen Wochen konnte der Fachmann nur Kataloge rausgeben. „Für eine richtige Information muss man sich nahe kommen, zeigen, wie was funktioniert“, erläutert er. Also wird sein Team ab Montag mit Abstand und Handdesinfektion öffnen. Die Reparatur lief ohne Pause weiter. Für die Annahme hat Schüller im Hof viel Platz und baute einen Tisch mit Sonnenschirm auf. „Gott sei dank ist schönes Wetter.“

„17. April – und die Fixkosten sind noch nicht drin“, seufzt Andreas Spriestersbach. Sport Schweikard hatte bislang zwar kein Verkaufs-, nur ein Ladenöffnungsverbot. Aber die paar Laufschuhe, Riemen und Gewichte für Homefitness, 200- oder 80-Gramm-Bälle für Weitwurf oder der Handball als Ostergeschenk machen den Kohl nicht fett. Der Inhaber argumentiert: „Bewegung ist sehr wichtig, gerade wenn du in einer kleinen Wohnungen ohne Balkon lebst.“

Doch am Mainufer begreifen offenbar „manche Radfahrer die Regel vom Mindestabstand nicht“, berichtet er und montiert eine Plexiglastheke. „Am 4. Mai öffnen die Tennis- und Golfplätze“, ist er sich sicher. Die Aktiven im weißen Sport werden dann mit vier statt drei Bällen spielen, jeder wird nur seinen eigenen Ball anfassen müssen. Während der Schließung hat er mit seinem Team Skier und Skischuhe ausgeräumt, Tennis- und Wanderschuhe aufgereiht. „Die Leute werden in Deutschland Urlaub machen und wandern.“ Darum vermutet er, dass ab Montag Läufer neue Schuhe kaufen, bei denen „nach 1200 Kilometern die Ampel auf Rot steht“.

Von Michael Prochnow

Masken in der Schule: Unter Auflage strenger Regeln startet der Unterricht an der Friedrich-Ebert-Schule in Mühlheim bei Offenbach. 

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