Kreisausschuss empfiehlt endgültiges Aus

Fähre „MS Dörnigheim“ vor endgültigem Aus - das sind die Gründe

Warten auf einen Entscheidung: Der aktuelle Liegeplatz im Frankfurter Osthafen könnte womöglich der letzte der „MS Dörnigheim“ sein. Foto: JAN-NIKLAS EICKHOFF
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Warten auf einen Entscheidung: Der aktuelle Liegeplatz im Frankfurter Osthafen könnte womöglich der letzte der „MS Dörnigheim“ sein. 

Die Mainfähre zwischen Mühlheim und Maintal erhitzte regelmäßig die Gemüter. Nun steht sie vor dem endgültigen Aus.

  • Mainfähre bei Mühlheim steht still 
  • Kreis Offenbach ist für endgültiges Aus der „MS Dörnigheim“ 
  • Werden Fährschiff und Nebenanlagen verkauft?

Mühlheim - Stillstand, Wiederaufnahme des Betriebs und wieder Stillstand – seit rund drei Jahren erhitzt das Ringen um die Mainfähre zwischen Mühlheim und Maintal regelmäßig die Gemüter. Nun steht die Fährverbindung, um die Bürger und Politik so lange gerungen haben, wohl endgültig vor dem Aus.

Mainfähre: Kreisausschuss empfiehlt endgültiges Aus

So hat der Kreisausschuss in seiner gestrigen Sitzung dem Kreistag empfohlen, den Betrieb der MS Dörnigheim dauerhaft einzustellen und das Fährschiff sowie die dazugehörigen Nebenanlagen zu verkaufen oder zu verschrotten, teilt die Pressestelle des Kreises mit. Die endgültige Entscheidung müssen die Mitglieder des Kreistages nun in ihrer Sitzung am 24. Juni treffen. Damit würde das rund 120-jährige Kapitel der Fährverbindung endgültig enden.

Gemeinsam mit dem Main-Kinzig-Kreis sowie den Städten Maintal und Mühlheim habe der Kreis Offenbach nach Lösungen gesucht, unter anderem auch den Betrieb in Eigenregie geprüft, heißt es aus dem Kreishaus. Insgesamt neun Interessenten hatten sich im Laufe der Zeit – auch noch nach Beendigung des offiziellen Ausschreibungsverfahrens – beworben. Alle Alternativen seien jedoch an der Frage des notwendigen Personals gescheitert.

„Es hat sich herausgestellt, dass die Fährverbindung nicht ohne Weiteres aufgenommen werden kann und der Betrieb dieses Fährmodells technisch anspruchsvoll ist“, so die Begründung. Dabei sei immer wieder deutlich geworden, dass es für die Suche nach Fährleuten mit dem nötigen Patent keinen Markt gebe. Auch die Ausbildung von Fährleuten sei ohne geeignete Ausbilder nicht machbar. „Unser Versuch mit einem motivierten, aber branchenfremden Betreiber die Fährverbindung wieder aufzunehmen, ist im vergangenen Sommer direkt gescheitert“, so der knappe Kommentar aus Dietzenbach zu den Ereignissen vom 8. Juli vergangenen Jahres, als die Fähre am Tag der Wiederaufnahme der Verbindung mit dem Betreiber Mahir Kolbücken schon nach kurzer Zeit havarierte (wir berichteten). Der Kreis Offenbach hatte daraufhin den Vertrag mit Kolbücken Ende August gekündigt und den Betrieb erneut ausgeschrieben. Ein passender Betreiber wurde jedoch bisher nicht gefunden.

Mainfähre: Viele Gründe für das endgültige Aus

Ein weiterer Aspekt für die Entscheidung des Kreisausschusses, den Betrieb endgültig einzustellen sei zudem ein möglicher Businessplan. Den nach Kreissaussage relativ knapp kalkulierten Kosten von rund 417 000 Euro stünden „optimistisch geschätzte Einnahmen in Höhe von etwa 234 000 Euro gegenüber“. Das ergebe ein vermutetes Defizit von rund 183 000 Euro pro Jahr. Unabhängig von Kosten spreche jedoch auch die Beschränkung wirtschaftlicher Betätigung von Kommunen durch die Hessische Gemeindeordnung (HGO) gegen einen Eigenbetrieb, betont der Kreis. Demnach dürfe sich eine Gemeinde nur wirtschaftlich betätigen, wenn der Zweck nicht ebenso gut und wirtschaftlich durch einen privaten Dritten erfüllt werden könne. Da in nur gut vier Kilometer Entfernung die Mainfähre Rumpenheim als privates Unternehmen ohne öffentliche Zuschüsse fahre, sei ein Betrieb der Mainfähre von Mühlheim nach Maintal mit erheblichen öffentlichen Zuschüssen nicht zu rechtfertigen.

Überrascht und zutiefst enttäuscht über die Entscheidung zeigte sich gestern Nachmittag die Bürgerinitiative, die von der Mitteilung des Kreises nichts gewusst hatte. Nur einen Tag zuvor habe man einen Terminvorschlag an Bürgermeister Daniel Tybussek geschickt. Dieser hatte der BI erst vor ein paar Wochen ein Gespräch angeboten. „Das ist ja wirklich bodenlos, ich kann doch kein Gespräch anbieten und dann läuft das so“, zeigt sich BI-Mitglied Waltraud Kaiser entsetzt. Der Kreis habe es sich zu einfach gemacht, es habe von Anfang an der Wille gefehlt, ist sie überzeugt. Auch das Argument, die HGO verbiete einen Eigenbetrieb, sei für sie nicht nachvollziehbar. Dass dies möglich sei, zeige das Beispiel der Seligenstädter Fähre, die die Stadt trotz eines jährlichen Zuschusses von etwa 300 000 Euro selbst betreibe. Auch für einen möglichen Verkauf oder die Verwertung der „MS Dörnigheim“ findet Waltraud Kaiser gestern klare Worte: „So leicht geht man mit 100 000 Euro Steuergeld um.“ Diese hatte der Kreis vor der missglückten Wiederinbetriebnahme in die Überholung der Fähre und die Erneuerung der Seilanlage investiert. „So viel zahlt doch niemand mehr für die ‘Alte Dame’“ ist sich Kaiser sicher. Aus dem Rathaus war gestern dazu bis zum Redaktionsschluss keine Stellungnahme zu bekommen.

VON THOMAS HOLZAMER

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