Im Wachstum

Fitness-Trend macht sich auch in Mühlheim bemerkbar

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Fuß gefasst in der Mühlenstadt: Oumaya Akaouch und Alexander Lorenz haben vor einem halben Jahr ein Fitnessstudio eröffnet. 

Mit vielen verschiedenen Angeboten betreiben zwei Männer in Mühlheim ein Fitnessstudio. Sie setzen auf die Kooperation mit den örtlichen Vereinen.

Mühlheim – In dieser Branche wachsen offensichtlich nicht nur die Muskeln: Ein Blick ins Statistik-Portal Statista im Internet etwa zeigt, wie die Zahlen im Fitnesssegment hierzulande zugelegt haben. Lagen die Umsätze 2010 noch bei 3,8 Milliarden Euro, waren es acht Jahre später mit 5,3 Milliarden schon rund 40 Prozent mehr, die Zahl der Nutzer von Fitnessstudios wuchs von 7,3 auf 11,1 Millionen. Dass der Markt umkämpft ist, heißt es allerdings ebenfalls häufig. Und so überrascht es nicht, wenn Alexander Lorenz berichtet, dass es keinesfalls ein Selbstläufer ist, sich zu behaupten. Vor rund einem halben Jahr hat der 29-Jährige aus dem Taunus mit seinem Geschäftspartner Oumaya Akaouch in den ehemaligen Räumen der Iron-Box das Studio „Krass Fit“ an der Siemensstraße eröffnet. Hatten sie zuerst auch andere Standorte im Sinn, habe eine Marktanalyse gezeigt, dass es in der Mühlenstadt noch Bedarf gebe.

Wer erfolgreich sein wolle, sagt Lorenz, müsse sich früher oder später ohnehin selbstständig machen, mit einem eigenen Studio oder einem Franchiseunternehmen. Bei Letzteren allerdings gebe es zahlreiche Vorgaben zu beachten. „Ich wollte eigene Entscheidungen treffen und es war mein Traum, mein eigener Chef zu sein.“ Acht Jahre lang habe er in verschiedenen Studios gearbeitet und nun versucht, aus seinen Erfahrungen ein eigenes Konzept zu erstellen.

„Man braucht einen USP“, sagt er, und meint damit einen Unique Selling Point, ein Alleinstellungsmerkmal, das einen von der Konkurrenz abhebt. So wolle man intensiv in Sachen Ernährung beraten und bei der Betreuung der Mitglieder neben Qualität auch für Quantität sorgen, dafür, dass auch bei einem moderaten Monatsbeitrag immer ein Trainer anwesend sei, der gleich weiterhelfen könne. Eine falsche Bewegungsausführung berge ein Verletzungsrisiko, sagt Lorenz. „Geschultem Personal muss so etwas auffallen.“ Kursangebote, Yoga oder Zumba etwa, hat man ebenfalls im Programm. Seit der Eröffnung habe man schon eine Mitgliederzahl im vierstelligen Bereich gewinnen können. Besonders hoch ist der Andrang um diese Jahreszeit, Stichwort gute Vorsätze. „Als wir am 1. Januar um 15 Uhr die Türen aufgemacht haben, gab es aber schon so eine lange Schlange, dass auch wir überrascht waren.“

Lorenz hat sich nach seinem Dualen Sportstudium auf den Rücken spezialisiert. Und mit Rückenproblemen läuft so mancher in Fitnessstudios auf. „Eine Volkskrankheit“, sagt Lorenz, „bei all den Bürojobs gibt es keine Muskelaktivität und nur Sitzen ist fatal“. Höhenverstellbare Tische, an denen man auch mal stehen kann, seien eine geeignete Option, gar nicht gut hingegen seien eine nach vorne gebeugte Haltung oder ein Monitor, der seitlich vom Nutzer aufgestellt ist. Im Schnitt seien ihre Mitglieder zwischen 35 und 40 Jahre alt, das jüngste ist 16, das älteste 87. Im gesetzteren Alter bedürfe es selbstredend einer Rücksprache mit einem Arzt. „Beim Namen Krass Fit denkt man natürlich, das sei hier ein klassisches Pumper-Studio, das ist aber nicht so“, sagt Lorenz.

Natürlich liegt bei einer so breiten Zielgruppe der Gedanke nahe, Sportvereine könnten Bedenken haben, dass Studios eine Gefahr für den eigenen Mitgliederbestand sind. Zumindest an sie sei das noch nicht herangetragen worden, gleichwohl ihm schnell aufgefallen sei, dass in Mühlheim sehr viel Wert auf das Vereinsleben gelegt werde. Man sei statt Konkurrenz eher auf Kooperationen aus, etwa auf so eine, wie man sie schon mit dem KV Mühlheim eingegangen sei. Dessen Vorsitzender, Michael Michalke, erläutert, das Studio sei einer der Sponsoren für eine neue mobile Soccer-Anlage. „Es kommt auf die Dosis an“, sagt der Mühlheimer zu einer potenziellen Konkurrenzsituation durch Fitnessstudios. So sei es auch möglich, fruchtbar nebeneinander zu existieren, etwa wenn ein Spieler sich nach einer Verletzung wieder fitmachen will und der Verein keine eigenen Krafträume zu Verfügung hat.

Von Christian Wachter

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