Jagd auf Schnäppchen und Gespräche

Höfeflohmarkt lockt Dietesheimer und Gäste trotz Regenwetter auf die Straße

Handpuppen und Holzschmuck für den guten Zweck: Auch der Nachwuchs hatte beim Höfeflohmarkt sichtlich Spaß.
+
Handpuppen und Holzschmuck für den guten Zweck: Auch der Nachwuchs hatte beim Höfeflohmarkt sichtlich Spaß.

Fast 50 Familien nahmen an den Hofflohmärkten in Mühlheim teil – dem Regen zum Trotz. In Dietesheim wurde eine kleine Völkerwanderung in Gang gesetzt.

Mühlheim – Brauchbares bewegt Basaltköpp. Und nicht nur die. Artikel, die gut erhalten oder viel zu interessant sind, um weggeworfen werden, haben am Samstag in Dietesheim eine kleine Völkerwanderung in Gang gesetzt. Schnell war klar, dass es den Menschen auf der Straße dabei nicht nur um die Angebote des Höfeflohmarkts ging, an dem fast 50 Familien teilnehmen.

Sie haben alte Aussteuer-Wäsche auf Tapeziertischen gestapelt, Hokkaido-Kürbisse aufgereiht und das Silberbesteck von der Oma rausgestellt. Kinder preisen unter einem Pavillon quietschvergnügt Fingerpuppen und hölzerne Halsketten an, die sie selbst gebastelt haben. Im Unterort geleiten Schlitten in verschiedenen Größen den Weg zur Scheune. Doch, viel wichtiger als die Ware ist, „dass was los ist“, sagt Organisatorin Marion Winter. „Viele haben Redebedarf“, formuliert sie ihre Beobachtungen in ihrer Einfahrt, im wildromantischen Garten und in ihrem idyllischen Lädchen im Backstein-Anbau. Der Regen lässt die Schnäppchen unter Plastikplane verschwinden. „Aber echte Flohmarkt-Freunde sind wetterfest“, stellt sie klar, dass fast keiner früher abbaut. „Wir haben im Vorfeld Plakate gedruckt, Ballons und Pläne mit den Standorten verteilt, da gibt man nicht bei einem bisschen Sprühregen einfach auf“, schildert Winter.

Vier Euro hat jeder Beschicker für die Werbung bezahlt. Klar, bei Sonnenschein wären noch mehr Leute durch die Straßen gezogen, aber auch so sind Besucher bis aus Frankfurter oder Büdingen angereist. Die Einladung zu Kaffee und Kuchen ist dem gastfreundlichen Völkchen jedoch untersagt, Masken sind Pflicht. Uniformierte seien unter den Kunden und überprüfen die Einhaltung der Regeln, berichtet Marion Winter.

Die Hobbyhändler lassen sich die gute Laune nicht nehmen. Bianca Kowalski hat schon Kindersachen und eine Nudelmaschine verkauft, obwohl sie in der Taunusstraße abseits vom Zentrum liegt. Michael Trier hat kleine Bildchen auf Blattgold aus der Sammlung seines Schwiegervaters mit Zertifikat ausgebreitet und eine schwere Bibel mit Platz für einen Stammbaum. Dafür konnte sich zwar bisher niemand erwärmen, aber er komme mit den Leuten ins Gespräch. Und das sieht Trier „sehr positiv und zufrieden“.

Karl Rauch führte früher das Krippen-Fachgeschäft an der Hanauer Ecke Hauptstraße. Jetzt empfängt er zahlreiche Stammgäste in Hof und Scheune auf halbem Weg zur Lenne. Da sind flammende Herzen aufgereiht mit eingebrannten, schlauen Sprüchen, ausgesägte Vögel, Katzen, Uhus und Waldkäuze. Die Oster- heißen hier „lustige Hasen“, die Figuren und Kerzen des Adventskranzes können ausgetauscht und umgesteckt werden.

„Es sind alle sehr anständig und tragen Masken“, lobt der Verkäufer. Bei Ehefrau Elke Rauch und Yasmin Lender gehen Schuhe und Bücher ganz gut, gegenüber der Gustav-Adolf-Kirche sind’s Seifen, die Christine Appel selbst herstellt: ohne Mikroplastik, dafür mit dem Duft von Lavendel, Eukalyptus oder Mango-Maracuja. Neben Haarseife und solche aus Fritten-Fett hat die Altenpflegerin ein Dietesheimer Dirndl kreiert, handgenäht mit Frosch- und Fledermaus-Motiven drauf.

Die Kinder Sophie, Merle und Helene geben ihre Fingerpüppchen zugunsten der SOS-Kinderdörfer ab. Den Erlös aus Bücher, Schmuck und Spielzeug teilen sie sich. Bei Birgit Möller laufen vor allem die Schallplatten gut. Auch für die gelernte Erzieherin scheint es der wichtigste Effekt der Flohmärkte zu sein, dass man in diesen Zeiten miteinander ins Gespräch kommt. (Von Michael Prochnow)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare