Der Dietesheimer Egon Schmitt erinnert sich an seine Jugend in der Mühlenstadt

Mühlheim: Ein Basaltkopp in der Bundesliga

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Egon Schmitt spielte in seiner Jugend bei der Spvgg. Dietesheim, später lief er 79 mal für die Deutsche Amateur-Nationalmannschaft auf. 

Bolzplatz, B-Jugend, Bieberer Berg: Ein Basaltkopp in der Bundesliga, mehr noch, Egon Schmitt hat es bis in die Fußball-Nationalmannschaft geschafft. In der Elf der Amateure ist der Dietesheimer mit 79 Einsätzen bis heute und mit großem Abstand Rekord-Nationalspieler. 

Mühlheim - Trotz seiner vielen Erfolge ist der 71-Jährige am Boden geblieben, erinnert sich noch gerne an seine Jugend in der Mühlenstadt.

Und den Mühlheimern wiederum ist er auch noch gut im Gedächtnis geblieben. Es ist noch nicht lange her, da stellten wir im Notizbuch der Woche die Frage: Wer war Mühlheims bester Fußballer? Mit Abstand die meisten Anrufe und Mails stimmten eindeutig für den Dietesheimer.

Schmitt erinnert sich gerne an seine Grundschulzeit. Die Jahrgänge 1 bis 4 wurden schon damals in der „neuen Schule“ im Unterort unterrichtet. Der junge Egon Schmitt saß in einer Klasse mit 51 anderen Kindern, Erdkunde, Geschichte und Mathematik lagen ihm. Die Pädagogen wie sein Klassenlehrer Feuerbach aus Offenbach waren schon älter, „Junglehrer wurden nicht nach Dietesheim geschickt“, sagt Schmitt am Telefon.

Die Fünft- bis Achtklässler besuchten die heutige Villa Basalto. Lehrer Geiberger wohnte in Dietesheim, organisierte Pilzausstellungen, wofür die Teenager Rinde und Moos sammeln und einen Raum dekorieren mussten. Der Klassenleiter hieß Sahorsch: „Oohh, der war sehr streng“, entfährt es der Sportskanone, „aber korrekt! Wer bei dem sein Soll erfüllt hat, hat’s ganz gut gehabt“. Der Lehrer habe „unwahrscheinlich viel Wissen vermittelt, und wer wollte, hat davon profitiert“, meint Schmitt.

Er selbst war „ein ganz guter Schüler, ehrgeizig, und das hat sich auch auf den Sport übertragen und zurück“. Der kleine Egon begann wie so viele seiner Kameraden mit dem Turnen. Mit sechs Jahren schleppte ihn sein Vater in die jetzige Kulturhalle. „Das war nicht verkehrt“, sagt Schmitt heute, „es war eine kontinuierliche Entwicklung in die Vereinswelt“.

15 der 25 Jungs in der Klasse trafen sich auf einem Bolzplatz am Lämmerspieler Weg, einer Brache am Reitplatz. Daneben lag ein „normaler Sportplatz“, auch das Waldfest stieg am „Feldweg nach Lämmerspiel“. Nach der Schule kickten sie dort, bis die Zehnjährigen 1958 zur Sportvereinigung kamen. Es war kurz vor dem Übergang von der E- zur D-Jugend, als Egons Bruder Herbert Nachwuchsspieler suchte. Herbert lief schon in der ersten Mannschaft der Gelb-Schwarzen auf und begann als Trainer.

„Bis dahin gab’s nicht viel für uns“, erzählt der Star aus der Josefstraße 1 trocken. Als die Fichtestraße noch ein Sandpfad war, strampelten die Jungs sonntags morgens zu zwölft mit Fahrrädern durch den Wald nach Hausen, Steinheim und Heusenstamm zu den Auswärtsspielen. „Manche hatten kein eigenes Rad, aber wir kannten alle Strecken auswendig“, sagt Schmitt stolz. Mit 14 wurde er zum ersten Mal in eine Kreis- und kurz darauf in die Bezirks-Auswahl berufen. Er besuchte einen Lehrgang in der Sportschule in Grünberg, qualifizierte sich für die Hessenauswahl der B- und der A-Jugend, „die ganz normale Ochsentour“.

„Damals ist keiner am Wingertsweg vorbeigefahren und hat Schüler abgeworben“, vergleicht er mit aktuellen Praktiken. „Aber bei mir hat der OFC schon angefragt.“ Mit 17 Jahren wechselte er zu den Kickers, mit 18 legte er bei Radio Schmitt in Offenbach die Gesellenprüfung zum Radio- und Fernsehtechniker ab. Schmitt blieb in der Firma und trainierte nachmittags in der Regionalliga-Elf. Als Offenbach in die Bundesliga aufgestiegen war, ließ er sich von der Firma zunächst freistellen, nach dem Gewinn des DFB-Pokals 1970 kündigte er seinen Arbeitsplatz.

Der Fußballbund wollte damals eine Mannschaft mit jungen Spielern aufbauen, die den Status Amateur behalten, und setzte auch auf Egon Schmitt. „Ich habe die Teilnahme nie bereut“, sagt er und berichtet von „tollen Auslandsreisen als DFB-Botschafter“, in Länder, in denen die Profis nicht antraten. „Das war schon sehr verlockend, mit 20 in Thailand, Malaysia, Singapur und Japan zu spielen“. Als Kapitän führte er die Elf mit Ottmar Hitzfeld, Uli Hoeneß und Manfred Kaltz 1972 auch zu den Olympischen Spielen nach München, trug parallel weiter das Kickers-Trikot.

Beim Sommerfest des OFC-Fanclubs Eppertshausen lernte er seine Frau kennen, die er 1975 in Ober-Roden heiratete. Während er ab 1973 in Saarbrücken kickte, studierte sie noch zwei Jahre in Frankfurt Englisch und Theologie auf Lehramt. „Ein Wechsel vom roten Hessen ins schwarze Saarland wäre zu kompliziert gewesen“, kommentiert der Ehemann.

Nach seiner aktiven Zeit machte sich Schmitt mit einem Sportartikel-Einzelhandel selbstständig, führte Geschäfte in Sankt Ingbert und Merzig. Doch ganz ohne Fußball geht’s nicht, seit zwölf Jahren sitzt der Ruheständler im Aufsichtsrat des 1. FC Saarbrücken. Das Paar hat zwei Töchter und drei Enkelkinder – zwei davon sind in Badminton und Fußball erfolgreich.

Von Michael Prochnow

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