Distanz durch gespannte Seile

Geschwister-Scholl-Schule  bereitet Unterricht in Corona-Zeiten vor

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Am Montag kommen die Viertklässler: An der Geschwister-Scholl-Schule geht der Unterricht wieder los.

An der Geschwister-Scholl-Schule in Mühlheim gibt es bald wieder Unterricht. Wie sich die Schule trotz Corona vorbereitet.

Mühlheim – Klar, eine Schule muss planen: Wie viele Kinder melden die Eltern an, wie viele Schüler kommen in eine Klasse, wie viele Lehrer stehen zur Verfügung.  Karina Reising, der Leiterin der Geschwister-Scholl-Schule (GSS) in Dietesheim, geht es so wie der Mehrheit der Bevölkerung während der Corona-Pandemie: „Was jetzt passiert, das hätte ich mir nicht träumen lassen. “ Reising und das Lehrerkollegium bewegen sich ohnehin schon seit Wochen auf gänzlich neuem pädagogischen Terrain. Das geht am Montag in die nächste Phase.

Eigentlich sollten Viertklässler Ende April wieder zur Schule gehen. Doch das wurde vom Verwaltungsgerichtshof in Kassel gekippt. Nun soll am Montag der nächste Anlauf folgen. Die GSS startet mit den drei Klassen der Jahrgangsstufe vier. Allerdings nicht wie gewohnt, sondern in sechs Gruppen à elf Schüler. „Auf die Dauer wäre die Klassenstärke eine traumhafte Konstellation“, bemerkt Reising.

Wer in den ersten Jahren nach dem Krieg zur Schule ging, dem kann der Begriff noch etwas sagen: Schichtunterricht. Weil besonders in den Großstädten die Schulgebäude in Trümmern lagen, wechselten sich die Schüler in den raren Räumen ab. Die einen kamen morgens, die anderen mittags.

Der Hausmeister der GSS wird am Montag um 7.50 Uhr das Schultor für die erste Gruppe von insgesamt 33 Schülern öffnen. Um acht beginnt der Unterricht. All zu lange sollte niemand auf dem Weg trödeln, denn fünf Minuten später schließt sich das Tor schon wieder. Das Prozedere wiederholt sich mit dem nächsten Unterrichtsbeginn um 9.50 Uhr. Dann kommt ab 10 Uhr niemand mehr rein.

Gewissenhaftes Vorgehen an der Geschwister-Scholl-Schule in Mühlheim

In puncto Sicherheit bereitete sich die GSS in den vergangenen Tagen gewissenhaft vor. Die Kinder kommen mit dem Mindestabstand von eineinhalb Metern auf den Schulhof und positionieren sich auf zugeteilten, gekennzeichneten Plätzen. Um die Abstände zu halten, hilft ein pädagogischer Kniff: Zwei Kinder halten jeweils durch gespannte Seile Distanz. Die Seile geben die Lehrerinnen mit Handschuhen aus. Ob das klappt, was in der Anweisung steht, muss man abwarten, „mit dem Seil darf nicht gespielt werden“, sagt Reising.

Für die Lehrer gestalten sich die Pausen auch erst mal ganz anders als sonst. Pro Gruppe wird eine Aufsicht darüber wachen, dass die Kinder den Abstand zueinander halten. Jedes Kind darf sich ein Spielzeug von zu Hause mitnehmen, etwa ein Springseil oder einen Tischtennisschläger. Was normalerweise zu einem angenehmen Sozialverhalten gehört, ist jetzt natürlich verboten, „es darf nichts verliehen werden“.

Eltern von Viertklässlern können im Mai bei eineinhalb Stunden Unterricht pro Tag ein wenig durchatmen. Ab dem 2. Juni wird es dann wieder fast so „hart“ wie in der Zeit zuvor. Dann kommen die anderen Klassen dazu. Mehr als sechs Stunden Wochenunterricht pro Kind lässt sich dann nicht mehr realisieren.

Was die Phase seit Mitte März betrifft, die zwei Monate Unterrichtsausfall, zieht Schulleiterin Karina Reising eine positive Bilanz. Über Telefon und Videokonferenz standen die Lehrerinnen regelmäßig mit den Schülern in Kontakt, auch mit den Eltern: „Das Miteinander auf Distanz funktionierte trotz all der Widrigkeiten besser, als man hoffen konnte“, sagt Reising.

VON STEFAN MANGOLD

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