Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz

Gedenken an der Friedenseiche

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Jährlich und beharrlich: Der Deutsche Gewerkschaftsbund erinnert an die Befreiung des KZ Auschwitz.

Mühlheim – Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) erinnert jährlich an die Bedeutung des 27. Januars, den Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz. Von Michael Prochnow

Der Ortsverein lud zum Gedenken vor der Friedenseiche an der Willy-Brandt-Halle ein, wo Stadtverordneten-Vorsteher Harald Winter den Holocaust ins Gedächtnis rief. Rund 40 Gewerkschafter und Gäste versammelten sich mit Dieter Schneeweiß vom DGB-Vorstand am Gedenkstein unter der Friedenseiche.

Mehr als eine Million Tote, die meisten von ihnen Juden: Mit dieser unfassbaren Zahl wurde Auschwitz weltweit zum Symbol des Holocaust. Die Soldaten der Roten Armee fanden 7000 kranke und völlig entkräftete Häftlinge vor, darunter auch Kinder. Insgesamt wurden während der Nazi-Herrschaft etwa sechs Millionen Juden in ganz Europa systematisch umgebracht.

„Der Jude war für die Nazis kein Wesen aus Fleisch und Blut“, formulierte Winter, „er galt als das Böse schlechthin und diente als Projektionsfläche für Ängste und Feindbilder“. Die Bevölkerung wagte nur vereinzelt, dagegen aufzubegehren. „So wurde der Weg für einen Rassenwahn geebnet, auf dem sich die Nazis zu Herren über Leben und Tod machten. Nie zuvor hat ein Staat ganze Menschengruppen so systematisch stigmatisiert, drangsaliert und in so großer Zahl präzise durchorganisiert in einer hocheffizient betriebenen Maschinerie getötet“.

Holocaust-Gedenktag: Mahnung gegen Rassenwahn und Hass

Der Kommunalpolitiker zeichnete das Leid der Betroffenen nach. In Mühlheim wurden in der Reichspogromnacht 1933 exakt 92 jüdische Bürger zusammengetrieben und ins Wachthäuschen gesperrt. „Viele Nachbarn haben tatenlos zugesehen und wollten später nichts mitbekommen haben.“ Winter fragte sich, ob wirklich keiner helfen wollte oder konnte. Neben hochrangigen Nazis seien es „oftmals normale Bürger“ gewesen, die mitmachten: Weil sie der ideologischen Verblendung verfallen waren, Profit aus dem Unglück anderer schlugen oder vor Angst gelähmt nicht eingreifen konnten. „Ein ganzes Volk sollte vernichtet werden und kaum einer nahm Notiz davon“, vermutete der Sprecher. Filme wie Schindlers Liste und Dokumentationen seien nur schwer zu ertragen, „und doch spiegeln sie nur einen Bruchteil der Geschichte“. Umso wichtiger sei es, das Gedenken wach zu halten.

Angesichts erstarkter Rechtspopulisten, in einer Zeit, in der die Politik des Hasses und der Falschaussage auf dem Vormarsch seien, stelle sich die Frage, „was wir aus unserer Geschichte gelernt haben“. Für Winter liegt es an jedem selbst, „Verantwortung zu übernehmen und aufzuzeigen, welchen Weg unsere Gesellschaft in der Zukunft gehen will“. Er sei der sicheren Überzeugung, dass „aufgeklärte, politisch frei denkende Menschen in unserem Land nicht zulassen werden“, dass sich die Geschichte wiederhole.

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