Nicht den Bock zum Gärtner machen

Grüne diskutieren mit Bürgern über die Zukunft von Lämmerspiels Ortsmitte

Pläne für Lämmerspiel: Architekt Collin Uffelmann stellt auf Einladung der Grünen zwei Szenarien für die Ortsmitte vor.
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Pläne für Lämmerspiel: Architekt Collin Uffelmann stellt auf Einladung der Grünen zwei Szenarien für die Ortsmitte vor.

Selbst drückende Schwüle und drohende Unwetter können sie nicht mehr stoppen: Rund 50 Lämmerspieler folgten der Einladung der Bündnisgrünen in den Park zwischen Feuerwehrhaus und Rodelberg in der Erwartung, neue Informationen über die Bebauung des Waitz-Geländes zu bekommen. Die hatte die Parteiführung zwar nicht parat, dafür Wege, wie die Stadt Einfluss auf die Gestaltung des Areals nehmen kann.

Mühlheim – „Der Ort verändert sich“, begann Grünen-Ortsverbandssprecherin Gudrun Monat und verwies auf die „erhebliche Verdichtung“ an Kolping- und Robert-Koch-Straße. „Ja, Lämmerspiel soll wachsen“, befand die ehemalige Erste Stadträtin, forderte die Verantwortlichen im Rathaus aber auch auf, „die Auswirkungen auf das soziale Miteinander und die Infrastruktur“ zu berücksichtigen.

Derzeit brodele die Gerüchteküche darüber, was nach dem Verkauf des Landhaus-Hotels das Gesicht der Ortsmitte prägen wird. Der Besitz sei an einen Investor verkauft, hieß es in der vergangenen Woche (wir berichteten). Ihre Partei habe auch das benachbarte Areal der Turngemeinde „im Hinterkopf“ und plädiere für die Aufstellung eines Bebauungsplans für die gesamte Fläche nach den Anliegen der Bevölkerung.

Architekt Uffelmann: „Das Grundstück ist durch seine Ausdehnung sehr interessant für Investoren“

„Was wünschen wir uns, was wäre gut für Lämmerspiel“, lud die Kommunalpolitikerin ein, Ideen zu äußern. Der ortsansässige Architekt Collin Uffelmann hatte zwei Szenarien auf Plänen skizziert, in Rot eine „ungesteuerte Bebauung“ bei „maximaler Gewinnorientierung“, die zusammen mit dem TGL-Gelände auf rund 17 500 Quadratmetern bis zu 170 Wohnungen erlauben würde. Damit verbunden wäre eine Überlastung des lokalen Straßensystems, es müssten mindestens eine neue Kindergartengruppe und eine neue Schulklasse vorgesehen werden, sagte er. „Ich habe Angaben zu dem Gebiet erbeten, aber von keiner Stelle im Rathaus Informationen bekommen“, berichtete der Planer. „Das Grundstück ist durch seine Ausdehnung sehr interessant für Investoren“. Der Fachmann empfahl ein städtebauliches Gesamtkonzept und eine Bürgerbeteiligung wie in anderen Städten sowie die Aufstellung eines konkreten Plans, der die maximale Bebauung, Ausrichtung, Höhe, Fläche und Dachneigung regle. Es bestehe die Sorge, dass es aus Kostengründen dem Investor überlassen werde, diesen Plan selbst zu erstellen. „Damit würde der Bock zum Gärtner gemacht“, warnte Uffelmann, „die Stadt würde eine Riesen-Chance vergeben“.

Hochbauingenieurin Eva Jakob von den grünen Gastgebern sah bei einer „Gewinnmaximierung“ des neuen Eigentümers eine Gettobildung wie etwa in Dietzenbach. Sie schlug vor, ältere Menschen bei der Gestaltung zu berücksichtigen. Bernhard Feig warb für den Antrag seiner Partei für eine Veränderungssperre. Sie soll verhindern, dass durch einen raschen Baubeginn unerwünschte Tatsachen geschaffen werden. „Wenn im November der Bebauungsplan in die Stadtverordnetensitzung eingebracht wird, kann es zu spät sein“, betonte Grünen-Fraktionsmitglied Bernhard Feig. Sollte das Projekt, das am 25. August in der Willy-Brandt-Halle präsentiert werden soll, den Vorstellungen der Entscheidungsträger entsprechen, könne die Sperre zurückgezogen werden.

Nachbarn befürchten indes einen Wertverlust ihrer Immobilie. Peter Helmle, CDU-Abgeordneter und TSV-Vorsitzender, wies darauf hin, dass es sich beim gesamten Gelände um Privatbesitz handele. Der angedachte Umzug der TGL an den Offenbacher Weg sei – nicht zuletzt wegen Corona – völlig offen. (Michael Prochnow)

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