Mühlheim

Bei der Herz- und Rehasportgemeinschaft steht die Prävention im Fokus - Training für den Alltag

Das feste Drücken und Dehnen mit Hilfe der Reifen stärkt die Muskulatur der Teilnehmer.
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Das feste Drücken und Dehnen mit Hilfe der Reifen stärkt die Muskulatur der Teilnehmer.

Was bei Fremden den Eindruck einer spiritistischen Sitzung hinterlässt, ist Teil der Übung einer Gruppe der Herz- und Rehasportgemeinschaft Mühlheim.

Mühlheim – Ein bisschen gespenstisch wirkt die Szenerie schon. Ein Dutzend Männer in den besten Jahren und ein paar Frauen stehen regungslos in einem großen Kreis, gefangen in bunte Hula-Hoop-Reifen. Sie halten das Holz fest umklammert und lassen die Geräte erst nach einer gefühlten Ewigkeit auf den Linoleumboden fallen. Vor vier Wochen starteten die Kurse in der Sporthalle Dietesheim nach der coronabedingten Schließung. Ganz zaghaft kehrten die Mitglieder zurück, berichtet Verena Eitel, die im Verein als stellvertretende Vorsitzende und Trainerin wirkt. Klar, wer eine Operation am Herzen überstanden hat oder an einer chronischen Atemwegserkrankung leidet, zählt nicht nur in der Pandemie zur Risikogruppe. „Manche gehen nicht mehr aus dem Haus“, weiß sie.

„Alles Menschenmögliche“ für den Schutz der Teilnehmer

In der städtischen Einrichtung an der Dieselstraße haben sie ein Einbahnstraßen-System eingeführt, links rein, rechts raus. Dazu steht gleich am Eingang ein Spender zur Handdesinfektion bereit. Die Teilnehmer tragen bis zu ihren Plätzen in der Halle, die hölzerne Hocker markieren, einen Mund-Nasen-Schutz. Dazu überprüft der Übungsleiter mit einer Messpistole die Temperatur der Eintretenden. „Wir machen da alles Menschenmögliche“, versichert Vorsitzender Michael Jäger.

Michael Hellstern achtet zudem akribisch darauf, dass sich die Aktiven nicht nahe kommen, wählt ausschließlich Übungen aus, die sie alleine ausführen können. Jene mit den Reifen etwa. „Das feste Drücken und Dehnen stärkt Muskeln, das ist für die Patienten wichtig“, erläutert er. Auch durch Gehen und leichtes Laufen werden Ausdauer und Kraft verbessert. In 20 Minuten versucht der Therapeut, die Herzfrequenz der Betroffenen zu erhöhen, die Leistung von 50 oder 70 Watt schrittweise zu steigern.

„Das sind präventive Maßnahmen, die jeder praktizieren kann.“ Hellstern nennt es „Training für den Alltag“. Wen die Mediziner nach Klinikaufenthalt und Reha zu dem besonderen Sportangebot schicken, der wird zunächst auf seine Leistungsfähigkeit überprüft und danach in eine der neun Gruppen eingeteilt. Die Besonderheit am Programm des Herz- und Rehasports ist, dass stets ein Arzt anwesend sein muss. Vier Mediziner arbeiten mit dem Verein zusammen.

Derzeit zählt die Gemeinschaft 257 Mitglieder jeden Alters

Das Spektrum der Angemeldeten reicht vom jungen Mann, dem das Herz im Alter von 34 Jahren einen Streich gespielt hat, bis zum 90-jährigen Senior. Jäger kennt jedes der momentan 257 Mitglieder mit Namen, weiß, dass am Sonntag gleich sieben Geburtstag feiern. „Wir legen großen Wert auf Harmonie und zwischenmenschliche Kontakte“, beschreibt er das Erfolgsrezept der Sportgemeinschaft.

Eigentlich würden sie in diesen Wochen einen Ausflug starten, sich beim Grill- und Sommerfest vergnügen. Die Geselligkeit sei durch die Pandemie aktuell nicht möglich, war für viele aber ein Argument, selbst von Frankfurt, Offenbach und Hanau oder gar aus Schöllkrippen zum Training nach Dietesheim zu fahren. Die Teams sind auch international bunt gemischt. Die Beliebtheit hat jedoch auch ihre Kehrseite: Es gibt nur wenige freie Plätze. (Von Michael Prochnow)

Infos im Internet

herz-und-rehasport-muehlheim.de

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