Schlamm

Angler in Sorge: Zustand des Hansteinweihers beklagt 

Derzeit für die Angler gesperrt: Der Schlamm im Hansteinweiher sorgt beim ASV für Kummer.
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Derzeit für die Angler gesperrt: Der Schlamm im Hansteinweiher sorgt beim ASV für Kummer.

Angler in Mühlheim in Sorge: Zustand des Hansteinweihers beklagt.

Mühlheim – Mühlheims Angler hatten schon manche Krise zu überstehen. Zog es die Mitglieder des Angelsportvereins (ASV) nach der Gründung 1934 noch an den Main, sind sie heute am von der Stadt gepachteten und durch Kiesabbau entstandenen Hansteinweiher aktiv.

So manches Mal galt es in der Zwischenzeit wegen der klimatischen Bedingungen schon, tief in die Tasche zu greifen. 120 Zentner Fische etwa, so ist es in der Chronik zu lesen, verendeten im Winter 1962/63 in den verschiedenen Gewässern des Vereins. 1965 war es der heiße Sommer, der im Krusemarkweiher den Wasserstand so weit sinken ließ, dass der Fischbestand zu verenden drohte.

Heute, berichtet der Vorsitzende Harald Schrodt, ist es der Schlamm im Hansteinweiher, der die Existenz des Vereins gefährden könne. Wie derzeit, müsse man das Gewässer häufig für die Angler sperren, ein Umstand, der die Mitgliederzahlen nicht gerade nach oben schnellen lässt. Um einen Meter sei der Wasserspiegel bereits zurückgegangen. Als eine Ursache macht Schrodt den Bau der S-Bahn Mitte der 90er-Jahre aus. Damals sei die Wasserzufuhr vom Main unterbrochen worden. Die heißen Sommer und der sogenannte Nährstoffeintrag des umliegenden Grüns taten ihr Übriges. Um den See mit Sauerstoff zu versorgen, hat sich der Verein indes schon vor Jahren einen Oberflächenlüfter angeschafft.

„Stirbt das Gewässer, dann stirbt auch unser Verein“, bedauert Schrodt. Der Weiher müsse saniert, die Schlammschicht entfernt werden. Dass der Schlamm biologisch abbaubar sei, habe man schon durch ein Institut überprüfen lassen. Im Vergleich zu Bayern beispielsweise, gelte er in Hessen als Sondermüll, müsse im Deponiepark Flörsheim-Wicker entsorgt werden. Das könne Kosten im mittleren sechsstelligen Bereich verursachen. Die verbleibenden Gewässer des Vereins ließen sich nicht mit einem Fahrzeug erreichen, der Rabenlohweiher sei ohnehin schon ausgetrocknet.

Inzwischen treffe sich eine Gruppe einmal wöchentlich, um darüber zu sprechen, wie es weitergehen kann. „Gar nicht so einfach, wenn alle berufstätig sind“, sagt Schrodt. Die Unterstützung der Stadt sei da, allerdings habe man zwischen Unterer Naturschutz- und Unterer Fischereibehörde noch keine vollständige Klarheit über die Zuständigkeiten erlangen können. „Was wir nicht dürfen, kann man uns sagen, wir müssen aber wissen, was wir tun können.“ Mit Bürgermeister Daniel Tybussek habe man Gespräche geführt, auch vor Ort. „Er will uns helfen.“

Auf Nachfrage bestätigt das Tybussek und sieht doch Möglichkeiten, die sich weniger kostspielig anhören: „Mit unserer Vereinsförderung können wir natürlich den ASV bei der Umsetzung von konkreten Maßnahmen finanziell unterstützen, allerdings muss dazu zunächst klar sein, wie der Schlamm aus dem See entnommen und wo er ausgebracht werden kann. Grundlage dafür ist eine Untersuchung des Schlammes auf Schadstoffe, wecher, wie man hört, unbedenklich sein soll.“

Demnach biete es sich an, landwirtschaftliche Flächen in der Nähe zu suchen, auf der der Schlamm ausgebracht werden könne. Um das Wasser aus dem Schlamm vor der Ausbringung ablaufen und trocknen zu lassen, sei eine Zwischenlagerung in Weihernähe sinnvoll. Ließe man den Schlamm nicht vorher trocknen, erläutert er, transportierte man unnötig große Mengen Wasser. Keine Option sei es, den Schlamm zum vertrockneten Rabenlohweiher zu bringen, dort sehe das Bodenschutzrecht ein klares Verbot vor. „Unsere Stadt unterstützt den ASV sehr gerne, ist allerdings nicht die handlungsbefugte Behörde, die entsprechende Nutzungen genehmigen beziehungsweise untersagen kann“, sagt der Rathauschef.

Um eine „ziemlich komplexe Geschichte“, in die viele Einrichtungen eingebunden sind, handelt es sich laut Ursula Luh, Sprecherin beim Kreis Offenbach. In jedem Fall sei eine „Beprobung“ des Schlammes wichtig. Der Verein solle sich mit der bodenschutzrechtlichen Behörde an einen Tisch setzen, um über die Probleme zu sprechen. „Ausweglos ist die Situation nicht, es gibt verschiedene Möglichkeiten“, fügt Luh an.

VON CHRISTIAN WACHTER

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