Brot über vier Generationen

Die Bäckerei Hoffmann macht dicht

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Bald ist der Holzofen aus: Bäckermeister Günter Hoffmann und seine Frau Renate Lindwurm-Hoffmann gehen am 1. Juli in den Ruhestand. Davor laden sie aber noch zu einer Abschiedsfeier ein.

Für manche Mühlheimer wird Ende Juni ein Stück Routine wegbrechen. Die Bäckerei Hoffmann schließt zum 1. Juli.

Mühlheim – Die Mühlheimer werden eine Alternative brauchen, um sich morgens mit Backwaren einzudecken und für einen kurzen Plausch Halt zu machen.

 Zum 1. Juli gehen Bäckermeister Günter Hoffmann und seine Frau in den Ruhestand. Damit endet auch ein Stückchen Mühlheimer Geschichte, ist das Wort Traditionsgeschäft doch eines, das zu dem Laden in der Rumpenheimer Straße 1 besonders gut passt. Hoffmanns Urgroßvater eröffnete 1896 eine Bäckerei um die Ecke, seit Beginn der 60er Jahre haben die Hoffmanns ihren Sitz am heutigen Standort.

Bäckerei Hoffmann in Mühlheim: Druck hielt sich früher in Grenzen

„Ich war gefühlt immer Bäcker“, sagt Günter Hoffmann. Es sei klar gewesen, dass er in den Betrieb hineinwächst, „als Hausgeburt kam ich sogar im selben Haus auf die Welt“. Auch wenn die Feinheiten des Handwerks von Generation zu Generation weitergegeben werden konnten, hat sich die Welt freilich mehrfach weitergedreht in all den Jahren. Sein Großvater, erzählt Hoffmann, ging zum Frühstücken erst einmal Richtung Kneipe, nachdem das Brot im Ofen war. Schließlich war die Produktpalette wesentlich kleiner, der Druck, während dieser 45 Minuten anderes Gebäck herzustellen, hielt sich in Grenzen.

Auch die Vorlieben der Kunden haben sich geändert. In den 50er und 60er Jahren seien große Brote gefragt gewesen, der Dreipfünder war ein Verkaufsschlager. „Damals gab es keine Kantinen oder Dönerbuden, Brot hatte einen ganz anderen Stellenwert“, erinnert sich der Bäckermeister an eine Zeit, in der die Butterstulle auf dem Weg zu Arbeit noch zur Grundausstattung gehörte.

Bäckerei Hoffmann in Mühlheim: "Wir haben uns aber immer gut angepasst"

Als sich das änderte, habe so manche Bäckerei schließen müssen. In seiner Kindheit habe es in Mühlheim noch 13 Bäcker gegeben, die auch tatsächlich selbst gebacken haben. „Wir haben uns aber immer gut angepasst, haben zum Beispiel Pralinen und andere Dinge mit Schokolade ins Sortiment aufgenommen.“ Und weil man ohnehin auf regionale Produkte setzte, war die Familie auf die gesteigerte Nachfrage einer Bio-Produkte zugeneigten Kundschaft vorbereitet. „Den Zukauf von Tiefkühlware habe ich immer abgelehnt.“

Das Saisonale sei ihm immer wichtig gewesen. „Ich finde nicht, dass man im Sommer Kreppel oder an Weihnachten Erdbeeren braucht.“ Noch heute setze man auf traditionelle Rezepte, „zum Beispiel beim Sauerteig, das hat uns gut getan“. Und wenn er höre, der Kuchen schmecke wie bei Oma, sei es das größte Kompliment.

Bäckerei Hoffmann in Mühlheim: Brot über vier Generationen

Hoffmanns Vater übernahm das Geschäft nach dem Zweiten Weltkrieg, übergab es 1986 an den Sohn. Es sei wichtig gewesen, das Handwerk von der Pike auf zu lernen, deshalb habe auch er immer sehr gerne ausgebildet, war Vorsitzender des Prüfungsausschusses in der Innung.

Bei all dem Traditionsbewusstsein was die Rezepte angeht, ist Hoffmann aber auch neue Wege gegangen. Nicht nur mit neue Anlagen und Maschinen, sondern auch beim Personal. In den drei Generationen vor ihm arbeiteten nur Familienmitglieder mit, er stockte auf, auch weil die Vertriebswege größer würden. Die Hoffmanns haben dreimal in der Woche einen Stand auf Wochenmärkten, beliefern Schulen und ein Altersheim.

Bäckerei Hoffmann in Mühlheim: Aufstehen um 1 Uhr nachts

„Da muss die Ware um sechs Uhr morgens raus“. Und für Hoffmann bedeutet das, dass er mitten in der Nacht um 1 Uhr aufstehen muss. Eigentlich habe er gewollt, dass es weitergeht mit dem Laden. Allerdings zog derjenige, den er schon an der Hand hatte, die Notbremse. „Diese Arbeit erfordert aber auch einen sehr hohen persönlichen Einsatz, es gibt wirtschaftliche Chancen, aber muss es mit Leib und Seele machen.“

Angebaut hat Hoffmann auch – einen Holzofen, der direkt neben der Filiale steht. Zwei- oder dreimal in der Woche gibt es dort Holzofenbrot. Wie so vieles andere auch, sei das gut angenommen worden. „Dafür sind wir dankbar, für den Stellenwert den wir hatten, wie wir integriert waren und für die treuen Kunden.“

Bäckerei Hoffmann in Mühlheim: Kundschaft packte selbst mit an

Es gab Momente, da packte diese Kundschaft auch selbst mit an. Als in einer stürmischen Nacht in den 70er Jahren einmal die Fensterscheibe auf die Straße flog, kam die Nachbarschaft mit Sperrholz vorbei, damit die Produktion in der Backstube weitergehen konnte. „Da brauchten wir nicht einmal die Feuerwehr.“

Einfach so zu verschwinden, das sei also keine Option gewesen, betont Hoffmann. Und so lädt die Familie für Samstag, 29. Juni, in den Hof der Bäckerei ein. Ab 16 Uhr gibt es Kaffee und Kuchen, um 17.30 Uhr eine Begrüßung vom Obermeister der Bäckereiinnung und einen Rückblick. Um 18.30 Uhr werden Snacks aus der Backstube aufgetischt, zum Abschluss spielt das Duo Ohrenschmaus.

VON CHRISTIAN WACHTER

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