Die Disziplin muss stimmen

Beim Schul-Förderturnier geht’s um mehr als nur den Sieg

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Die beiden späteren Gewinnerteams im direkten Duell: Die Helen-Keller-Schule (rote Trikots) traf zum Auftakt auf die Ludwig-Dern-Schule aus Offenbach – Endergebnis 1:1.

Kaum hat der Ball die Linie überschritten, ist der Jubel groß. Die Jugendlichen der Don-Bosco-Schule aus Seligenstadt liegen sich in den Armen. Freudestrahlend klatschen sie sich ab. Ihr Betreuer David Wagner legt einen Sprint über den halben Platz hin.

Mühlheim – „Ich freue mich so für euch, das habt ihr klasse gemacht“, ruft er seinen Schülern zu. Die haben eben den Anschlusstreffer beim Qualifikationsturnier für die Teilnahme am „Hessischen Fußballturnier mit den Förderschwerpunkten Lernen sowie emotionale und soziale Entwicklung“ im Sportzentrum Mühlheim erzielt. Und auch wenn es der einzige Treffer des späteren Letztplatzierten bleiben soll, zeigt genau dieser Moment, was dieser Tag für die Jugendlichen darstellt. „Es ist immer der absolute Höhepunkt für die Schüler“, verrät Bastian Grundmann, der die Fußball-AG an der Dietzenbacher Helen-Keller-Schule betreut.

Gleich vier Teams messen sich auf dem Sportplatz an der Anton-Dey-Straße in direkten Duellen. Neben den Gästen aus Dietzenbach und Seligenstadt sind das auch die Offenbacher Ludwig-Dern- sowie die Georg-Büchner-Schule aus Dreieich. „Das sind die Favoriten“, erläutert Grundmann. Im vergangenen Jahr setzte sich das Team nicht nur beim Vorentscheid durch, sondern auch bei der Hessenmeisterschaft und sicherte sich am Ende sogar die Süddeutsche Meisterschaft. „Wir haben einen Umbruch im Kader – schließlich dürfen nur Schüler des Jahrgangs 2002 und jünger mitspielen“, betont deren Betreuer Karsten Schöndorf.

Gemeinsames Gruppenbild: Nicht nur auf, sondern auch abseits des Platzes ging es zwischen den Mannschaften fair zu.

Zufrieden zeigt sich auch Turnierleiter Eduard Schneider, der Schulsportkoordinator am Schulamt Offenbach ist. „Wir freuen uns, dass die vier Einrichtungen jedes Jahr so begeistert teilnehmen“, sagt er. „Und man muss auch mal eins sagen – es bleibt stets fair und friedlich. Das ist bemerkenswert.“ Die Veranstaltung gehört zum Bundeswettbewerb „Jugend trainiert für Olympia“, der in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen feiert. „Es ist die goldene Hochzeit zwischen Schul- und Leistungssport.“

Dass es um mehr geht, als ausschließlich um die sportliche Betätigung, machen die beiden Betreuer der Ludwig-Dern-Schule, Christian Schmidt und Bastian Ehret, deutlich. „Frustrationserlebnisse spielen eine entscheidende Rolle“, sagt Ehret. „Es geht um mehr als nur um Sieg oder Niederlage. Da sind wir natürlich auch pädagogisch gefordert.“ An der Schule in Offenbach sei dies auch in der Vorbereitung auf das Turnier der Fall gewesen. „Wenn das Sozialverhalten und die Disziplin nicht stimmen, dann dürfen sie nicht teilnehmen“, sagt Ehret. „Das ist zwar schade fürs restliche Team, weil wir heute dadurch ein bis zwei gute Jungs daheimlassen mussten, aber so sind die Regeln.“

Und die Spiele über den halben Platz sind hart umkämpft. Kein Team mag sich in den Begegnungen, die zweimal 15 Minuten dauern, die Blöße geben. Doch selbst wenn es nicht optimal läuft, wie bei der Don-Bosco-Schule, die ihre Partien mit 0:4, 1:6 und 0:6 verliert, ist die Trauer nicht allzu groß. „Wir haben keinen einzigen Vereinsfußballer dabei, aber sie hängen sich rein“, betont Betreuer David Wagner. „Ich bin trotzdem stolz auf meine Mannschaft.“

Den Sieg sichert sich letztlich die Helen-Keller-Schule aus Dietzenbach mit sieben Punkten und einem Torverhältnis von 10:3. Platz zwei geht an die Ludwig-Dern-Schule – mit nur einem Gegentreffer mehr. Und so machte der einzige Tagestreffer der Don-Bosco-Schule letztlich den Unterschied. „Ganz schön knappe Kiste“, sagt Bastian Grundmann. Die beiden Gewinner spielen im kommenden Monat die nächste Qualifikationsrunde in Ronneburg.

VON PATRICK EICKHOFF

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