Frühlingskonzert in der Willy-Brandt-Halle

Musikalische Zeitreise: Blasorchester der Sport-Union feiert 70-Jähriges

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Klein und Groß gemeinsam: Das Schüler- und das Jugendorchester spielte beim Finale des Frühlingskonzerts mit dem SUM-Blasorchester zusammen.

Das Blasorchester der Sport-Union feiert 70-Jähriges mit einem Frühlingskonzert in der Willy-Brandt-Halle.

Mühlheim – Mögen die Nachbarn kreative Chorprojekte fördern, sportliche Erfolge oder rauschende Feste feiern – die Konzerte der Mühlheimer Musiker sind einzigartig. Nach 70 Jahren und nur drei Dirigenten unternahm das Blasorchester der Sport-Union (SUM) mit seinem Frühlingskonzert eine Zeitreise in der ersten Klasse: Das Niveau des professionell ausgestatteten Greifenstein-Ensembles ist erstaunlich, das Zusammenspiel entspricht höchsten Ansprüchen.

Festlich – ganz in schwarz – präsentierte die Gemeinschaft gut ausgebildeter Instrumentalisten eine enorme Bandbreite klingender Meisterwerke. „Jeder Leiter hatte seine Besonderheit“, erinnerte Moderator Thilo Schäfer an die Anfänge. Vor 100 Jahren hatte die Stadt mit der höchsten Kneipendichte vier Sportvereine, und jeder von ihnen unterhielt einen eigenen Spielmannszug mit Trommeln und Flöten.

1949 erweiterte Valentin Glater die Truppe der SUM mit Trompeten, Fanfaren und Hörnern zu einem Musikzug. „Das war bundesweit revolutionär und gab wesentliche Impulse in den Deutschen Turnerbund“, schilderte Schäfer. Diesen Umbruch dokumentierte das Orchester auf der Bühne mit einem Marsch-Potpourri „Aus alter Zeit“, arrangiert von Hans Hartwig.

1967 übernahm Theo Ehatt die Abteilung und hat sie zu einem Blasorchester entwickelt. Mit der Erweiterung um Klarinette und Saxofon hat er seine Vorliebe für den Big-Band-Sound vermittelt. Daran erinnerten die Aktiven mit Filmmusik von Ennio Morricone: Die Melodien von „Zwei glorreiche Halunken“ und „Spiel mir das Lied vom Tod“ lassen die Bilder im Kopfkino erscheinen, das Geklapper der Hufe wenn die Cowboys vorüberpreschen, der Staub kribbelt in der Nase. Die abrupte Pause, die zarte, harmonische Bläserphase, die zum Happy End führt – wie im original Soundtrack.

1996 kam Sven Greifenstein. „Er hat aufgebaut, was an Musikern und Qualität da war“, erläutert Schäfer. Und er hat aufgerüstet: Oboe, Fagott, echte Waldhörner formten ein sinfonisches Blasorchester. „Die Perkussion ist nicht nur Schlagzeug, die Jungs sind am Rotieren, das ist echt Action“, lenkt der Conférencier den Blick auf die oberste Etage. „Die müssen jetzt auch Noten können!“

Die Literatur wurde anspruchsvoller, diesen Schritt repräsentierten „Les Miserables“ von Victor Hugo, sanftes Glockenspiel, Xylofon, Fagott, dazwischen immer wieder donnernde Pauken. Dazu stampfen die Bläser dezent mit den Füßen auf. Ständig wechselnde Intensitäten und doch eine geniale Harmonie. Nun ist die SUM „On The Way To 100 Years“, auch für die Zeitreise „Voyage, Flight Into A Hopeful Future“, den „Flug in eine hoffnungsvolle Zukunft“ wählten sie einen japanischen Komponisten.

Viel Freude bereiteten auch das Schüler- und das Jugendorchester unter Lukas Wempe und Holger Sondergeld, die mannigfaltige, fordernde Werke einstudiert hatten.

VON MICHAEL PROCHNOW

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