Neuer Pächter

Warum ein Heusenstammer die Fähre übernimmt - ohne Erfahrung

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Fähre in Mühlheim mit neuem Pächter

Fast 20 Monate stand die Fähre zwischen Mühlheim und Maintal-Dörnigheim still. Jetzt hat sie einen neuen Pächter und der Betrieb geht bald wieder los.

Mühlheim – Es war Zufall, dass der 56-Jährige auf die Idee kam, sich der Fähre anzunehmen. Mit irgendeiner Art von Schifffahrt hatte Kolbüken bisher noch nie etwas zu tun. Der Versicherungsmakler stand einmal selbst, wie so viele seit dem 10. Oktober 2017, am Main und kam nicht weiter: „Ich habe die Fähre immer wieder mal benutzt“, erinnert er sich an den März 2018, als er ahnungslos zum Main fuhr. Dort musste Kolbüken seinen Kunden in Maintal von seiner Verspätung in Kenntnis setzen.

Heusenstammer hat die Mühlheimer Fähre übernommen

Kolbüken erzählt, wie er sich fragte: „Warum fährt die nur nicht?“ Der Heusenstammer rief den alten Betreiber an, der ihm jedoch keine Auskunft geben konnte, „damals hing alles noch in der Schwebe“. Schließlich gelang es, sich durch das Dickicht der Zuständigkeiten zu telefonieren.

Bereit, abzulegen: Wenn nichts mehr dazwischen kommt, wird Mahir Kolbüken ab dem 1. Juni die Fähre wieder fahren lassen.


„Als Versicherungsmakler habe ich nicht täglich fünf bis sechs Termine“, erklärt Kolbüken, der einst in Frankfurt Sportwissenschaften studierte, warum er den Job als Pächter zeitlich stemmen könne. Viele Mühlheimer und Dörnigheimer werden sich ohnehin fragen, wie der Mann das packen soll. Schließlich haben die meisten noch den früheren Fährmann Jürgen Spiegel vor Augen, der fast täglich zigmal übersetzte, sich über Jahre keinen Tag Urlaub gab.

Das Prinzip des reinen Familienbetriebs werde er nicht übernehmen, betont Kolbüken, auch wenn ein Sohn beim Kassieren und Rangieren regelmäßig helfen werde. Kolbüken selbst wird erst mal nicht alleine am Steuer stehen, „um die Lizenz zu bekommen, muss man 180 Tage auf einer Fähre mitfahren, dann erst kann ich die Prüfung ablegen“.

Fährleute sind bundesweit selten geworden

Bundesweit habe er nach Fährleuten gesucht, „die wachsen nicht gerade auf den Bäumen“. Dennoch sei es ihm gelungen, mit bisher drei Männern einen Arbeitsvertrag zu schließen. Einer von ihnen habe sich selbst bei ihm gemeldet, „den plane ich als meine rechte Hand ein“. Bei dem Mitarbeiter handele es sich um einen, der die Fähre bestens kenne. Bevor die Familie Spiegel 2001 übernahm, arbeitete er für den alten Betreiber. Die zwei weiteren Angestellten meldeten sich auf eine Stellenanzeige, die noch im Internet geschaltet ist. Kolbüken sucht einen vierten Fährmann.

Im Moment lässt der Kreis Offenbach die Fähre technisch in Schuss bringen, auf dass es am 1. Juni losgehen kann. Der Vertrag des neuen Pächters mit dem Kreis läuft erst mal über drei Jahre. In der Zeit ist Kolbüken für die Betriebskosten zuständig, darunter fallen vor allem Löhne und Strom, der Kreis übernimmt die Instandsetzungskosten. Die Lizenz will Kolbüken unbedingt selbst erwerben, „um bei Krankheit und Urlaub einspringen zu können“. Wie in der Vergangenheit soll es nicht werden: „Die Fähre soll sieben Tage in der Woche von 6 bis 21 Uhr fahren.“

Seit der Einführung des Euros 2002 hatte sich der Preis für die Überfahrt nicht erhöht. Eine Verlässlichkeit, wie Mahir Kolbüken sie plant, lässt sich damit nicht finanzieren. Der Transport für Pkw werde bei um die zwei Euro liegen, für Fußgänger und Beifahrer die Hälfte. Bei den Zehnerkarten kalkuliert der neue Pächter 20 Prozent Rabatt pro Fahrt.

Kolbüken plant eine Neuerung, die vielen Nutzern gefallen könnte: „Morgens und mittags will meine Frau belegte Brötchen und Kaffee verkaufen.“ Allerdings sei es ein mühsamer Weg, die behördliche Genehmigung zu bekommen, „ein Hochhaus zu bauen ist leichter“.

Von Stefan Mangold

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