Anpacken beim Gaffer-Tag

Freiwillige Feuerwehr Lämmerspiel lädt zum Mitmachen ein

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Einen Tag lang Feuerwehrmann sein: Dieses Angebot der Freiwilligen Feuerwehr Lämmerspiel hat viele Besucher angelockt.

„Es ist martialisch, wahnsinnig kraftvoll. “ Das ist nicht der Start einer Werbekampagne für einen neuen Sportwagen.

Mühlheim –  Sigurd Neumaier versucht, seine Erfahrung mit dem Spreizer zu beschreiben: Der Unternehmer und 35 andere Besucher haben die Einladung der Lämmerspieler Feuerwehr zum „Gaffertag“ angenommen. Dabei geht es nicht darum, sich den Blick auf eine Einsatzstelle zu erhaschen oder ungünstig im Weg zu stehen, sondern um die Chance, den Brandschützern über die Schulter zu schauen und selbst anzupacken.

Wer in die Obertshäuser Straße einbiegt, dem eröffnet sich der Eindruck eines Großeinsatzes. Und das vorm Feuerwehrhaus: Zwei Dutzend Feuerwehrleute bevölkern den Vorplatz. Alle sind offenbar damit beschäftigt, das Inventar der Einrichtung unter freiem Himmel auszubreiten. Auf einer weißen Plane haben Aktive das Zubehör für Spreizer und Schere angeordnet. Das klingt harmlos, doch allein der Spreizer wiegt gut 20 Kilogramm. Der SP 49 arbeitet mit Druckluft und 4,9 Tonnen Kraft, erläutert Feuerwehrmann Stefan Wolf. Das genügt, um den dunkelblauen Golf vor den Fahrzeugboxen in ein Cabrio zu verwandeln.

„Es ist beachtlich, wie stabil so eine B-Säule ist“, wundert sich Gast Niedermaier, „eine Herausforderung für die Retter“.

Mit der schweren Jacke und dem noch schwereren Gerät verschafft sich der Mann ein Gefühl für die Arbeit der Wehr. Sein Sohn und Mitarbeiter seiner Firma sind dabei – der Chef weiß also, was es bedeutet, mitten in der Nacht durch den Alarm aus dem Schlaf gerissen zu werden.

Dass sie dann ein komplettes Auto wie eine Konservendose aufschneiden, komme eher selten vor. Dennoch, mehrere Kameraden haben sich über zwei Wochenenden auf dem THVU-Lehrgang für den Job mit 700 bar Druck qualifiziert, „Technische Hilfeleistung Verkehrsunfall“. Andere Wehrleute beherrschen die Drehleiter, mit deren Korb nonstop Schwindelfreie in 20 Meter Höhe gehievt werden.

Den Kindern am Boden reichen die Feuerwehrmäntel bis an die Füße, die Helme machen das Löschen fast zum Blindflug. Auf Knopfdruck springen Flammen aus einem Wasserbecken, die Jüngsten ersticken es mit einem sanften Sprühstrahl. Der sechsjährige Nils ist hin und weg, ist kaum noch von den Aufbauten zu trennen. Da hilft nur wohl nur eines: Seine Mutter meldet ihn zur Kinderfeuerwehr an.

Angemeldet haben sich nach dem Appell in der Hauptversammlung der Wehr auch fünf neue Kräfte für die Einsatzabteilung. Den Mitmachtag bewertet Wehrführer Sven Meder als sehr erfolgreich: „Bei einem großen Fest können wir nicht so intensiv auf Interessierte und ihre Fragen eingehen.“ Auch Sigurd Niedermaier resümiert: „Es ist ein großartiger Job.“ Dass er die Retter in seiner Belegschaft für Einsätze freistellt, erachtet er als „selbstverständlich und gesellschaftliche Aufgabe“.

VON MICHAEL PROCHNOW

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