Prozess

„Kein kleines Licht“: Mühlheimer wegen Geldwäsche verurteilt

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Ein Mühlheimer wurde wegen Geldwäsche verurteilt. 

Nach zwei Verhandlungstagen endete vor dem Schöffengericht in Offenbach der Prozess gegen einen Mühlheimer wegen Geldwäsche mit einer Haftstrafe von 28 Monaten. 

Mühlheim – Der Angeklagte hatte mittels fremder Ausweise Konten mit dem Zweck eröffnet, unberechtigt Gelder überweisen zu lassen. Der Kameruner, der in U-Haft sitzt, benutzte ausschließlich Pässe, die Afro-EU-Bürger als gestohlen gemeldet hatten. Die Konten richtete der 30-Jährige bei Direktbanken ein.

Der Vorsitzende Richter Manfred Beck wirft ein, bei manchen Instituten sei das besonders leicht. Dort dauere es nur Minuten, im Internet ein Konto zu eröffnen. Andere Direktbanken verlangen eine Identifizierung in einer Poststelle, was kein Hindernis für den Angeklagten darstellte: Obwohl in den Pässen nicht sein Foto klebte, betätigten Filialen aus dem Kreis, der Mann sei derselbe, der gerade vor ihnen stehe.

Der Angeklagte erklärte, 2011 sei er als Student eingereist. Glatt sei sein Studium an der „Frankfurt University of Applied Sciences“ nicht gelaufen. Zwei Prüfungen habe er absolviert – ohne Erfolg. Über einen Landsmann sei er in das Geschäftsmodell gerutscht, erklärt Rechtsanwalt Oliver Rahnama. Für jedes arrangierte Konto wolle er zwischen 50 bis 100 Euro bekommen haben.

Mühlheim: Gehackte Daten 

Bankverbindungen auf falsche Namen zu eröffnen, ergibt noch keinen Sinn. Rund wird die Geschichte, wenn die Täter an Daten kommen, etwa durch gehackte oder zugespielte Firmenmails, auch durch gestohlene Post. Eine Firma hatte etwa für 60 000 Euro ein Gerät nach Asien verkauft, dafür aber keinen Cent bekommen. Die Überweisung nach Eingang der fingierten Rechnung landete auf einem Konto, das der Angeklagte eingerichtet hatte. An den Geldern habe er niemals anteilig partizipiert.

Die ermittelnde Kommissarin bekam bei der Hausdurchsuchung einen anderen Eindruck. Die Anzeige war im Zuge der eingegangenen und eilig abgehobenen 60.000 Euro erfolgt. Die Polizei fand beim Angeklagten elf Pässe, diverse SIM-Karten und elf Handys. Auf seinem Rechner entdeckte man gefälschte Anmeldedokumente der Stadt Frankfurt und falsche Lohnbescheide einer Firma. Die Beamtin erzählte, nach ihren Ermittlungen hätte der international operierende Personenkreis, dem der Angeklagte angehöre, 363 000 Euro abgezogen, „alles, was wir bei ihm fanden, deutete auf einen Fulltime-Job in Sachen Geldwäsche“. Papiere für ein Uni-Studium oder Utensilien für ein solches fielen nicht auf.

Geldwäsche in Mühlheim: „Kein kleines Licht“ 

Oberstaatsanwalt Alexander Homm vermutet, der Mann sei zwar Rad in einem größeren Getriebe, bei weitem aber kein kleines Licht, „für in Summe tausend Euro macht keiner diesen Fulltime-Job“. Wenn sämtliche Accessoires der ausgeübten Kriminalitätsvariante, die sich bei ihm fanden, tatsächlich einem dritten gehörten, „hätten die nicht in Schubladen gelegen, sondern in einer Tasche gesteckt“. Homm fordert drei Jahre Haft.

Verteidiger Oliver Rahnama wendet ein, seinem Mandanten sei nicht nachzuweisen, dass sein Tatbeitrag über die Kontoeröffnung hinausginge. Abgehobenes Geld habe er sofort weiter gegeben. Der Verteidiger plädiert auf eine Bewährungsstrafe im Ermessen des Gerichts.

Für Richter Manfred Beck und den beiden Schöffen deute alles darauf hin, dass der Angeklagte bewusst als Teil organisierter Kriminalität agierte. Wegen der 60.000 Euro Gewinn durch die fingierte Rechnung muss er außerdem genau den Betrag bezahlen.

VON STEFAN MANGOLD

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