Eine Frage der Zeit

Mainfähre Mühlheim: Konkreter Termin für Fährbetrieb noch nicht in Sicht

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Stillstand am Ufer: Die Fähre ruht an der Maintaler Seite des Mains.

Die Fähre zwischen Mühlheim und Maintal macht weiterhin Sorgen. Ein konkreter Termin für den Fährbetrieb ist noch nicht in Sicht.

Mühlheim - Günther Webers Zuständigkeitsbereich reicht von Mainkilometer 0 bis 185,2, von Mainz bis Rothenfels. Fähren kreuzen den Main auf dieser Strecke einige, was den Diskussionsstoff angeht, so dürfte in jüngerer Vergangenheit die zwischen Mühlheim und Maintal wohl Spitzenreiter sein.

In seiner Funktion als Schifffahrtssachbearbeiter beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Aschaffenburg war auch Weber, selbst gelernter Binnenschiffer, vor Ort, als die Fähre kurz nach dem langersehnten Neustart schon wieder fahruntauglich war. Etwas unorganisiert sei ihm noch alles vorgekommen, „in einem Havariefall ist das aber erst einmal völlig normal“, sagt er.

Das WSA Aschaffenburg ist zuständig für die Abwicklung der Havarie. Das Fahrverbot hat es in Zusammenarbeit mit der Wasserschutzpolizei Frankfurt ebenfalls verhängt. Ist alles wieder in Schuss auf der Fähre, braucht es wiederum also auch den Segen von Weber und seinen Kollegen. Selbstredend weiß Weber ebenfalls darüber Bescheid, welche Voraussetzungen zu erfüllen sind, um legitim hinterm Steuer einer Fähre zu stehen. So hatte im Nachgang der Havarie nicht zuletzt auch die Frage für Kontoversen gesorgt, wer wann mit welchen Patenten auf der MS Dörnigheim war. Während der ehemalige Bootsführer Bernd Schwander betonte, er habe die Fähre an besagtem Tag gegen 10 Uhr verlassen und explizit darauf hingewiesen, dass sie stillstehen müsse, kam der Betreiber Mahir Kolbüken zu einer gänzlich anderen Auffassung. Nach dieser habe sich Schwander unbemerkt und ohne Ankündigung entfernt.

"Jede Fähre ist anders"

Wer nun einen Fährführerschein sein eigen nennen möchte, muss, so erläutert es Weber, erst ein Jahr als Fährjunge anheuern. Ein Jahr, das bedeutet in diesem Fall 180 Arbeitstage. Zum Pensum gehört etwa das Abkassieren der Gäste oder das Anhängen der Seile. Auch der Binnenschiffsführer darf abgelöst werden. „Das ist nichts Ungewöhnliches, allerdings immer unter Aufsicht, er bleibt der Verantwortliche.“ Danach können Anwärter die Prüfung bei der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt am Standort Würzburg absolvieren. Wie Weber erläutert, besteht sie aus einem Theorieteil mit Fragen und der Praxis – auf dem Schiff, auf dem der Prüfling anschließend als Fährführer eingesetzt wird. Dass man sich wie beim Autofahren einfach ohne große Umgewöhnung hinter ein anderes Steuer setzt, ist eher schwierig: „Jede Fähre ist anders.“ Egal, um welche es sich aber nun handle, sollte wirklich jemand ohne gültige Erlaubnis eine Fähre gefahren sein, „wäre das völlig verantwortungslos“, meint Weber. Das Schiffsattest zumindest – vergleichbar mit dem TÜV bei Pkw und ausgestellt sowie untersucht von der Zentralstelle Schiffsuntersuchungskommission (ZSUK) – ist noch gültig.

Wann es weitergehen kann, lässt sich im Moment nur schwer abschätzen. Nach wie vor ist bei der Pressestelle der Hessischen Bereitschaftspolizei nämlich nichts zu erfahren, außer, dass die Ermittlungen laufen. Wenig überraschend bringen Anfragen beim Kreis Offenbach bis auf einen Verweis eben darauf reichlich wenig ein.

Dass schnell Klarheit herrscht, hofft indes auch Mahir Kolbüken: „Das ist schon belastend, ich habe keine Einnahmen, bezahle aber die Mitarbeiter weiter“, sagt der Betreiber. Er warte auf das Ende der Ermittlungen, sei im schriftlichen Kontakt mit dem Kreis und habe Stellungnahmen abgegeben.

von Christian Wachter

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