Dialoge in der Bahn gelernt

Lämmerspieler Spaßtheater probt emsig für neues Stück

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„Pardon mein Freund“: Das Lämmerspieler Spaßtheater der Turngemeinde bringt ein neues Stück auf die Bühne und hat dafür schon früh mit dem Proben angefangen. Noch sind es rund vier Wochen bis zur Premiere.

Die leichte Muse ist schwer im Kommen. Das beweist der Ansturm auf die Vorverkaufsstellen, die Karten für das Lämmerspieler Spaßtheaters bereithalten.

Mühlheim – „Pardon mein Freund“, heißt es diesmal, und obwohl die Gruppe der Turngemeinde (TGL) gleich fünf Termine anbietet, sind einige schon fast ausgebucht. Es hat rein gar nichts damit zu tun, dass auf der Bühne gerade eine Bäckerei und eine Metzgerei stehen. Schauspieler sind eben alle gleich – ihr Doping ist literweise Kaffee, stilles Wasser und Kekse. Oder Kuchen, wenn jemand aus dem Team noch Zeit findet, einen zu backen. Und in diesen Tagen brauchen die Talente des Spaßtheaters besonders viel Süßes – in vier Wochen ist Premiere. Also säumen den Bühnenrand neben Papieren mit Regieanweisungen und Notizen von Leiterin Dagmar Blöcher auch Kaffeekanne, Plastikflaschen und aufgerissene Gebäckpackungen.

Der Text sitzt, meistens zumindest. Ulrike Dzony hilft oft schon leise mit gezielten, Stichworten weiter, bevor ein Mitspieler stecken bleibt. Das macht eine erfahrene Souffleuse aus. Die Figuren fehlender Mimen werden von Kameraden übernommen, die lesen freilich vom Textheft ab. Und anstelle der prächtigen Kulisse müssen für die Proben noch drei hochgestellte Tischtennisplatten, Kästen aus dem Inventar der Turner und die schlichten Stühle aus dem Zuschauerraum herhalten.

Seit Ende Juni arbeitet das Dutzend Darsteller auf der Bühne der TGL-Turnhalle an der Fritz-Erler-Straße. Im September haben sie ein Proben-Wochenende in Weilrod im Taunus eingelegt, kürzlich eine Sonderprobe über mehrere Abende am Spielort. Doch auch so viel Engagement genügt alleine nicht, ein jedes Ensemble-Mitglied muss seine Rolle beherrschen. Die Dialoge lernen sie in der S-Bahn auf dem Weg zur Arbeit, beim Dienst hinter der Theke, abends im Bett oder „wenn ich allein bin im Garten“, schallt es von der hohen Bühne.

Mittlerweile machen sich auch die beiden Licht- und Ton-Techniker mit dem Stück vertraut, Sven Neumaier und Klaus Lämmlein sitzen am Hallen-Eingang an den Reglern. Das Bühnenbild, zwei Ladengeschäfte von außen, haben die Bühnenbauer diesmal am Computer entworfen. Dementsprechend haben sie das 21-teilige Stecksystem aus Holz und Metall modifiziert und bemalt. Zu dieser Mannschaft zählen Adrian Adjinschi, Rolf-Walter Klös, Lothar Schumacher, Dieter Schneeweiß und Oliver Hammer. Die Komödie von Dirk Salzbrunn dreht sich um Jean und Roland, die eine französische Bäckerei und eine alteingesessene Metzgerei betreiben – natürlich in Lämmerspiel. Eine Maklerin hat den leerstehenden Shop zwischen ihnen an einen Fischverkäufer vermietet. Die beiden Freunde schmieden nun Pläne, um den ungeliebten Kollegen zu vergraulen. Dann zieht eine Fast-Food-Kette ein, die der Bäcker und der Metzger beliefern wollen. Doch dabei entsteht eine Konkurrenz-Situation, die sie beinahe ihre Freundschaft kostet. Also versuchen Schwester und Ehefrau, das Schnellrestaurant loszuwerden …

„Wir haben so viel Mühlheim wie möglich eingebaut“, verspricht Regisseurin Blöcher. So werden Bürgermeister, Stadträtin und Landtagsabgeordneter genannt, auch der Supermarkt, Obst- und Dessousladen spielen eine Rolle, der Carneval-Verein und das Duo Ohrenschmaus. „Das amüsiert das Publikum“, weiß die Leiterin, „die Leute wollen zwei Stunden den Alltag und ihre Probleme vergessen“. Und dafür stehe das Spaßtheater.

Von Michael Prochnow

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