Jahresrekord liegt bei 220 Litern

Interessensgemeinschaft Lämmerspieler Weinbauern feiert Jubiläum

+
Party zum 25-Jährigen: Die Feier zum Jubiläum der Interessensgemeinschaft Lämmerspieler Weinbauern fand diesmal nicht auf dem Gailenberg, sondern auf dem Gelände der Ortsvereine statt.

Vor 25 Jahren haben sie die ersten Pflanzen gesetzt. Es war das Ergebnis einer Bierlaune auf der Lämmerspieler Kerb. Fünf ehrsame Bürger saßen beieinander und besannen sich, dass einst nur Wein auf dem Gailenberg wuchs.

Mühlheim – Im Jubiläumsjahr feierte die Interessengemeinschaft Lämmerspieler Weinbauern ihr Weinfestchen zum ersten Mal nicht auf der Anhöhe südlich der Steinbrüche, sondern lud auf das Gelände der Lämmerspieler Ortsvereine ein.

Autohändler Reinhold Best, Erich Weikert vom Obst- und Gartenbauverein, Kommunalpolitikerin Ingeborg Fischer, der Ortsvereinsvorsitzende Justin Schmidt und Karl-Heinz Stier, der das Vorhaben als Stadtverordnetenvorsteher forcierte, bildeten das Gründungsquintett. „Wir wollten keineswegs eine Geschäftsidee umsetzen“, betont Sprecher Stier. „Es ging uns allein um das Kulturgut Weinanbau.“

Der Boden auf dem Berg weist Humuserde bis in einen Meter Tiefe auf, dann folgt Basalt. „Das macht der Rebe mit ihren kurzen Wurzeln aber nichts aus“, erfahren die Hobby-Winzer. Sie ließen die Bodenqualität von der Forschungsanstalt Geisenheim wissenschaftlich analysieren, sie empfahl den Anbau von Weißburgunder. Schwierigkeiten bereitete die Untere Naturschutzbehörde, die wegen der Einfriedung das Projekt nur über drei Jahre dulden wollte. Doch alle Forstleute bestätigten, ohne Zaun funktioniere es nicht, das Wild fresse sonst die jungen Pflanzen kaputt.

Der Jahrgang 2018 erbrachte 150 Flaschen, 120 Liter, informiert Stier „Die Qualität ist sehr gut, sie hat Spätlese-Charakter“, verkündet der Sprecher. Dafür sei die Menge geringer. Auch in diesem Jahr entwickeln sich die Schalen dicker, wahrscheinlich können die Lämmerspieler trotz der Fröste im Mai wieder früher ernten. Stier erwartet erneut eine Spätlese, also mehr als 90 Oechsle Zuckergehalt.

Ein Winzerbetrieb in Rheinhessen keltert den „Best‘en Stier vom Gailenberg“, lässt ihn reifen und füllt ihn später ab. „Unser Rekord lag bei 220 Litern, das war vor neun Jahren, da haben wir ihn sogar beim Fest ausgeschenkt“, erzählt Stier. Das Minimum registrierten sie mit 50 Litern zwei Jahre zuvor. „Nur drei Jahrgänge sind uns fast komplett erfroren“, resümiert er. „Heute sind die Fröste nicht mehr so stark wie früher, aber wir können die Natur nicht überlisten.“

Die größten Feinde der Traube seien Frost und Mehltau, Milben und andere Schädlinge. „Ohne Spritzen geht‘s nicht“, stellt der Initiator klar. Die 20 eifrigen Mitglieder der Interessensgemeinschaft kontrollieren das Wachstum, gießen die 99 Weinstöcke und entfernen zuletzt die großen Blätter, damit die Sonne die Früchte erreichen kann.

Der Aufbau fürs Fest gelang in eineinhalb Stunden, auf dem Gailenberg dauere es doppelt so lang, lautet der Grund für den Umzug. Auf dem Berg brauchen sie zudem einen Generator und zwei Zelte. Bei Führungen im September wollen die Freizeit-Winzer jedoch vor Ort zeigen, wie sich die Weinstöcke entwickelt haben. Bei guten Tropfen und Winzerknorze von Inge Fischer dokumentieren die Gastgeber die Entwicklung ihres Weinbergs mit Fotos und Artikeln.

VON MICHAEL PROCHNOW

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare