Ermittlungen dauern an

Mainfähren-Debakel: Pächter weist Vorwürfe zurück

+
Comeback missglückt: Nach wenigen Stunden auf Wasser steht die MS Dörnigheim wieder still.

Die Jungernfahrt der Mainfähre in Mühlheim entwickelte sich schnell zum Debakel. Jetzt wird über die Ursache gerätselt.

Mühlheim – Eigentlich, so sagt Waltraud Kaiser, eine der Sprecherinnen der Bürgerinitiative Fähre, sei sie immer noch sprachlos. Es sei unbegreiflich, was da am Montag passiert ist. Sie hätte sich alles andere vorstellen können, nur nicht das.

Vielleicht, spekuliert sie, hätte sie dem neuen Fährenpächter ihren Talisman, den sie am Montagmorgen in der Tasche hatte und Mahir Kolbüken zum Start übergeben wollte, schon am Samstag geben sollen.

Freude wich Fassungslosigkeit

Es hat aber nicht sollen sein. Nur wenige Stunden nach dem Comeback der Fähre nach fast zweijähriger Zwangspause wich die Freude der Fassungslosigkeit. Gegen 11 Uhr am Montag trieb die MS Dörnigheim manövrierunfähig mit zwei Pkw und deren Fahrern an Bord auf dem Main (wir berichteten). Ein Teil des sogenannten Gierseiles war gerissen, wie die Polizei mitteilte. Feuerwehr und Wasserschutzpolizei haben mittels Instruktionen vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt in Aschaffenburg die Fähre wieder an das Maintaler Ufer gebracht. Die Rettungsaktion dauerte rund zwei Stunden.

Doch wie es genau zu der Havarie der Fähre kam, ist weiterhin unklar. Die polizeilichen Ermittlungen dauern an. Es müsse nun geklärt werden, was schief gelaufen ist, sagte ein Sprecher des Hessischen Bereitschaftspolizeipräsidiums, zu der die Wasserschutzpolizei gehört, gestern auf Nachfrage. Das sei ein ganzer Komplex, in dessen Zusammenhang auch die vom ehemaligen Boots-Führer Bernd Schwander gegen den Fähren-Pächter Mahir Kolbüken erhobenen Vorwürfe, der Bootsführer habe kein Patent, also keine Fahrerlaubnis gehabt, geprüft werden. Die Ermittlungen werden wohl noch ein paar Tage andauern, schätzt der Polizeisprecher.

Fähren-Betreiber weist Vorwürfe zurück

Fähren-Betreiber Kolbüken weist die Vorwürfe von Schander zurück und spricht von „reinsten Lügen“. Eigentlich habe er den Bootsführer als seine rechte Hand angesehen, sagt er auf Nachfrage und lässt seine Enttäuschung durchklingen. „Die Vorwürfe treffen so nicht zu und sind lückenhaft“, betont Kolbüken. Mehr wolle er dazu aktuell nicht sagen, kündigt aber eine Stellungnahme über seinen Anwalt an.

Der Kreis Offenbach möchte sich, solange die Ermittlungen noch laufen, nicht zu dem Fall äußern, sagt Sprecherin Sandra Klauß. Momentan sei der Fährbetrieb wieder stillgelegt. Erst wenn die Fähre von der Polizei freigegeben werde, könne sich ein Gutachter der möglichen Schäden annehmen. Klauß: Erst dann könne der Kreis Angaben machen, wie lange die Fähre noch ausfalle.

Fotos zur kurzen Wiederaufnahme des Fährbetriebs

Den Vorwürfen, die Bootsführer Schwander gegenüber dem Hessischen Rundfunk geäußert hatte, möchte Waltraud Kaiser keinen Glauben schenken. „Vielleicht war es ja doch ganz anders“, hofft sie. Sie habe Kolbüken gleich am Montag eine Mail geschickt und Trost zugesprochen. Der habe sich auch gleich bei ihr dafür bedankt, berichtet die Mühlheimerin.

VON RONNY PAUL

Lesen Sie auch:

Desaster bei Mainfähren-Eröffnung - das sagt die Polizei

Nach 635 Tagen ohne Mainfähre ging diese am Montag auf Jungfernfahrt. Gerade mal vier Stunden später lag das Schiff manövrierunfähig im Main. Das Wasser- und Schifffahrtsamt ermittelt.

Maintaler Fähre steht nach nur vier Stunden wieder still

Kurz nachdem die Fähre wieder in Betrieb genommen wurde, brach das Seil, mit dem sie über den Main fährt. Ein Mitarbeiter sprang sofort ins Wasser.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare