Bunte Welt am Wegesrand

Naturschutzbund organisiert Führung im Naherholungsgebiet 

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Die Flora im Blick: Der Naturschutzbund hat zu einer geführten Wanderung durch das Naherholungsgebiet eingeladen.

Mit kompetenter Begleitung zweier Experten haben Mitglieder des Naturschutzbunds (Nabu) bei einem Spaziergang das Naherholungsgebiet erkundet. Der Fokus der Exkursion lag auf der Pflanzenwelt rund um die Steinbrüche.

Mühlheim – Naheliegend, dass es Wissenswertes darüber gab, wie sich das Grün an die Trockenheit anpasst. Auch um Spätblüher oder den Bewuchs an einer Sanddüne ging es. Wenig überraschend: In rund 20 Minuten, wie es manch ein Ausflügler gewohnt sein mag, kommt man so nicht vom Grillplatz zum Gailenberg. Rund drei Stunden zeigten der Biologe Eric Martiné und die Lebensmittelchemikerin Waltraud Huni, was einem alles verborgen bleiben kann – die gemeine Wegwarte zum Beispiel. Martiné erläuterte, dass sie häufig an Wegrändern zu finden ist. Oben bei den Blüten wachsen gar keine Blätter. So schützt sich die Wegwarte vor Verdunstung und passt sich der Hitze an. Aber sie hat noch mehr in der natürlichen Trickkiste: Die Blüten sind nur bis elf Uhr geöffnet.

Experten wissen Bescheid

Diese Pflanze zumindest konnte also schon abhaken, wer eine große Liste mit verschiedenen Arten mitgebracht hatte. Über die Lebensweise vieler Pflanzen wissen die Experten natürlich genau Bescheid, darüber etwa, dass auch Gewächse in einer Zwickmühle stecken können. Soll die Fotosynthese stattfinden, die Pflanze dadurch ein Überschuss an Energie produzieren oder die Poren geschlossen und eine Überhitzung riskiert werden? Lösungen gibt es in der Natur viele, zum Beispiel das Konzept der einjährigen Blüher. Diese treiben meist im Frühjahr aus, verteilen im Laufe des Jahres ihren Samen und sterben dann ab.

Ein paar Meter weiter gab es den Hohlzahn zu begutachten. Die Lippenblütler haben charakteristische Ausstülpungen an der Blüte und enthalten ätherische Öle. Martiné informierte, dass zu dieser Art auch Oregano, Thymian, Basilikum und weitere Kräuter gehören. Der Waldrand dahinter beherbergt Sträucher mit großen Blättern, die bei warmen Temperaturen nur an schattigen Plätzen auftreten können, da es dort feuchter ist. Waltraud Humi betonte, dass der Standort die Form von Blättern und Blüten maßgeblich beeinflussen kann.

Pflanze bringt Biologen zum Verzweifeln

Auf dem Waldweg kam die Gruppe auch an einem Korbblütler vorbei. Diese Art ist oft sehr schwer zu bestimmen, da sie gerne mit anderen hybridisiert. „Teilweise bringt diese Pflanze Biologen zum Verzweifeln“, berichtete Martiné. Auf dem Gailenberg angekommen, erfuhren die Teilnehmer, warum es sich um ein nicht ganz gewöhnliches Areal handelt. Die Binnendüne, wie der Berg auch bezeichnet werden kann, beherbergt eine Vielzahl an teilweise sehr seltenen und gefährdeten Insekten- und Pflanzenarten. So hat sich zum Beispiel ein Sanddorn-Gewächs dort angesiedelt, das eigentlich eher an der Nord- und Ostsee beheimatet ist. Die Experten gaben zu bedenken, dass auf kurz oder lang jene Arten verschwinden werden, die es nicht rechtzeitig geschafft haben, sich an den heißeren Lebensstandard anpassen.

Auch ein eher unliebsames Gewächs entdeckten die Teilnehmer. Die Ambrosien neigen eher zu aggressivem Bewuchs, gelten als stark allergieauslösend und können sich mangels natürlicher Feinde ungestört verbreiten.

von Jan-Niklas Eickhoff

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