Dank Anna und Marek Rosko

Mit neuem Café kommt wieder Leben ins Bahnhofsgebäude

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Bereit für das Wagnis Mühlwerk: Anna und Marek Rosko sind die neuen Betreiber des Cafés im Bahnhofsgebäude.

Dass man am Mühlheimer Bahnhof gerade dann auf eine S-Bahn angewiesen ist, wenn wieder einmal die Meldung einer Störung über die Anzeigetafel läuft, ist ein Leid, das man als Pendler ziemlich gut kennen dürfte.

Mühlheim – Ebenfalls zur Gewohnheit geworden ist über viele Jahre der Leerstand im Bahnhofsgebäude. Zumindest mit Letzterem ist nun Schluss. Denn Anna und Marek Rosko haben dort vor Kurzem das „Mühlwerk“ eröffnet. Marek Rosko, der wie seine Frau aus der Slowakei stammt, ist gelernter Koch und schon viel herumgekommen. In Mühlheim allerdings soll es etwas Dauerhaftes werden, betont er.

Noch spricht der 32-Jährige lieber Englisch als Deutsch, wenig verwunderlich, hat er doch auch fünf Jahre im Vereinigten Königreich als Koch gearbeitet. Und auch auf einem Golfplatz oder der Kantine einer Bank füllte er schon die Mägen der Besucher. Als Küchenchef sorgte er außerdem im Frankfurter Lokal Panino dafür, dass mittags und abends je 300 Essen pünktlich serviert wurden. Einen festen Boden unter den Füßen braucht er für seine Leidenschaft nicht: Auf Flusskreuzfahrten zwischen Amsterdam und dem Schwarzen Meer kochte er ebenfalls – sieben Tage die Woche. Anstrengend sei das, aber natürlich auch gut für den Geldbeutel und den Lebenslauf.

Das Angebot im Mühlwerk wollen die beiden noch ausweiten. Momentan gibt es etwa Backwaren, auch vom französischen Hersteller Bridor, Kuchen und natürlich Kaffee. Der Muntermacher kommt von der Rösterei des ehemaligen Fußballprofis Maurizio Gaudino. Und selbst wenn die belegten Brötchen in der Auslage so gar nicht nach Standard aussehen, sagt Marek Rosko: „Ein bisschen Caprese, das ist doch nichts Besonderes.“ „Aber klar, wenn du das machst schon“, widerspricht seine Frau. Auch der „Stramme Max“ hat den Weg schon auf die Karte gefunden, gerne würden die beiden bald einen sonntäglichen Brunch anbieten.

Anna Rosko hat in der Slowakei Geschichte und Ethik studiert, kam nach Deutschland, um die Sprache zu lernen. Kennengelernt haben sie sich nicht in der Heimat, sondern in Frankfurt. Und spätestens bei einem Besuch des Museumsuferfests haben sie gewusst, dass sie in der Region bleiben wollen. Irgendwann kam die etwas unerwartete Chance. Anna und Marek Rosko sind regelmäßige Kirchgänger bei St. Pius in Frankfurt. Ein Gemeindemitglied erzählte, dass ein Bekannter gerne die Räume im Mühlheimer Bahnhof verpachten würde. Also fuhren sie hin und schauten sich die Sache einmal an.

Letztlich entschieden sie sich für das Wagnis, auch wenn es freilich noch längst nicht so einladend aussah wie heute. Herausforderungen galt es zahlreiche zu meistern, alleine wegen des Denkmalschutzes, aber auch, weil lange der Strom nicht richtig fließen wollte. „Kein Licht und keine Heizung im Winter, das hat sich nicht gut angefühlt“, erinnert sich Marek Rosko. Am Ende hat dann, etwas später als geplant, aber doch alles geklappt. Von der Theke bis zu den Tischen ist viel Marke Eigenbau. „I‘m handy“, sagt Marek Rosko, er sei eben geschickt. Der Lokalkolorit, schwarz-weiße Mühlen-Fotografien etwa, soll noch folgen. Sie haben sich schnell wohlgefühlt, sagt Anna Rosko. „Man sieht sich, man trifft sich, das ist schön.“

Wirklich einfach habe man es mit dem Bahnhofsgebäude nicht gehabt. Zumindest seit die S-Bahn vor knapp 25 Jahren zum ersten Mal einfuhr. So berichtet es Till Böttcher, Leiter am Fachbereich für Stadtentwicklung, Hochbau und Liegenschaften. Wie viele andere Bahnhöfe auch, habe die Bahn das Gebäude an eine Industriegesellschaft verkauft. Weil danach unterschiedliche Gesellschaften zuständig waren, davon eine in Luxemburg, habe man nie einen klaren Ansprechpartner gehabt. „Umso schöner, dass es jetzt eine gastronomische Nutzung im Zentralteil, der ehemaligen Bahnhofshalle, gibt.“

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Die planungsrechtliche Beurteilung sehe man sehr positiv, auch die neue Dacheindeckung im Mittelteil. „Wir haben gemerkt, dass das Gebäude auch dem Architekten am Herzen liegt.“ Die Entwicklung des Kulturdenkmals sei ganz im Interesse der Stadt. „Der Bahnhof ist das Eingangstor zur Stadt, und die Frequenz ist da.“ Nach dem langen Leerstand, seit die Gaststätte „Endstation“ wegzog, sei es schön, dass nun auch das Außenareal belebt werden soll.

Zufrieden mit den neuen Pächtern ist auch der Besitzer Nedzad Aljic. Mit seinem Kauf vor einigen Jahren habe er auch schon viel Ärger gehabt, gerade wegen den Auflagen und der Vermietung der Wohnräume. „Nun bringen wir den Bahnhof endlich zurück zu altem Glanz.“ Auch verschiedene Ketten seien interessiert gewesen. „Ich wollte aber ein schönes Café, ein Bistro. Und die beiden haben mir gleich gefallen.“ Er will noch einen Schmiedezaun anbauen. „Es soll alles schön alt aussehen.“ Die vier Wohneinheiten sollen künftig an Studenten vermietet werden.

Von Christian Wachter

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