In wenigen Stunden auf die Bühne

Projekt der Concordia-Chöre Dietesheim lockt 50 Interessierte ins Vereinsheim

+
Frauen in der Überzahl: Auf vierzig Sopran- und Altstimmen kamen gerade mal zehn Tenöre und Bässe, auch wenn diesmal alle Männer unisono in der Baritonlage intonierten.

Morgens gründet sich ein Chor im Vereinsheim der Concordia-Chöre in Dietesheim. Abends gibt dieser sein erstes Konzert. Der Dirigent Thomas Kiersch studierte bei einem Workshop mit 50 Stimmen musikalisch unterschiedlichster Provenienz vier Lieder ein. Später folgte in der Friedenskirche der Auftritt. 

Mühlheim – Thomas Kiersch ist auch bei der dritten und vierten Wiederholung der durchlaufenden Achtel nicht zufrieden. Die Töne steuern auf die Synkope im nächsten Takt zu. Gemeint ist die Stelle, wo es in dem Popsong „Keine wie Du“ schließlich „Ende der Welt“ heißt. Der Dirigent bemängelt die fehlende Präzision. Und sowieso, unter den Umständen kann gerade niemand erwarten, dass auch in puncto Artikulation jede Silbe wie aus einem Guss sitzt. Kiersch bleibt akribisch am Ball, lockert vom Klavier aus stets mit kleinen Scherzen die Gemüter auf. Der Chor bleibt weiterhin konzentriert, auch wenn die Probe bereits in die dritte Stunde geht.

Im Hintergrund arbeiten Gisela und Stephan Arnold, Mitglieder im Vorstand der Concordia. Das Ehepaar trat 2012 dem Verein bei. Gisela Arnold erzählt von ihren Besuchen des „Offenbacher Sonntagskonzerts“ im Dreieichpark, das Dirk Eisermann dirigiert. Wie es der Zufall will, sind die Arnolds Nachbarn von Josef Zepezauer, dem Vorsitzenden der Concordia Chöre Dietesheim 1873, der ihnen quasi über den Zaun hinweg erzählte, der Eisermann dirigiere auch die Concordia. Im Anschluss sangen die beiden erst mal in einem Projektchor mit, der auf ein Konzert mit Filmmusik und Musical-Melodien hin übte. Das Ehepaar merkte, „das ist was für uns“, und trat offiziell bei.

Das ist es letztendlich, was sich der Verein auch von diesem Tag erhofft, dass ein paar hängenbleiben, die Lust haben, dauerhaft in dem Concordia-Chor „Young Voices Dietesheim“ zu singen. Mit dessen Gründung versucht die Concordia vor allem jüngere Sänger für sich zu gewinnen. Das Vordirigieren im vergangenen Jahr konnte Thomas Kiersch für sich entscheiden. Bisher singen 18 Männer und Frauen mit, im Gros zwischen 30 und 40 Jahren alt. Den Workshop schlug Kiersch dem Verein vor, der damit offene Türen einrannte. Etliche Teilnehmer singen in Chören mit, die der 39-jährige ansonsten noch leitet.

Vereine haben es heute generell weit schwerer als früher, Nachwuchs zu rekrutieren. Für Gesangsvereine gilt das erst recht. Es ergibt Sinn, die Leute durch ein Projekt wie dieses erst einmal reinschauen zu lassen. Die wollen ohnehin nicht die Katze im Sack kaufen, in dem sie erst beitreten und dann zu den Proben kommen.

Was beim Workshop auffällt: Die Frauen sind in der großen Mehrheit. Auf vierzig Sopran- und Altstimmen kommen gerade mal zehn Tenöre und Bässe, auch wenn alle Männer unisono in der Baritonlage intonieren. Bei der Werbung für seinen gymnasialen Chor lässt Kiersch gegenüber Jungs niemals unerwähnt, „dass weit mehr Mädchen als Kerle dort singen“. Doch selbst die Aussicht treibt das männliche Geschlecht nicht scharenweise in die Übungsstunden.

Auch der Robbie-Williams-Song „Love My Life“ steht auf dem Probenplan. Als letztes studiert Kiersch ein Lied mit dem Titel „Santo“ ein, was beim Konzert am Abend am Ende erklingen soll.

Neben dem Projektchor traten in der Friedenskirche noch die „Young Voices“, die „Concordia Classica“, der „PopChor Dauernheim“ und „vocal-K“ auf. Den Song „Santo“ sangen zum Finale sämtliche Formationen gemeinsam.

VON STEFAN MANGOLD

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare