Spaßtheater der TG Lämmerspiel präsentiert turbulente Komödie

Ärger im Marktplatz-Paradies

+
Zwischen Idylle und Ärger: Bäcker Jeans (Lothar Schumacher) und Metzger Rolands (Rolf-Walter Kös) Freundschaft wird durch den neuen Imbiss jäh auf die Probe gestellt.

Keine Zeit fürs gemeinsame Frühstück mit Jean. Metzger Roland muss den neuen Nachbarn mit frischer Ware beliefern.

Mühlheim – Die Maklerin hat in dem Laden zwischen seiner Fleischerei und Jeans französischer Bäckerei Schnicks Snacks untergebracht – eine Goldgrube, auch für Roland. „Pardon mein Freund“, heißt die Komödie von Dirk Salzbrunn, die das Spaßtheater der Turngemeinde Lämmerspiel (TGL) an die Fritz-Erler-Straße verlegt hat.

Die Gruppe um Regisseurin Dagmar Blöcher hat sich schwer gemausert. Mit dem aktuellen Stück hat sich das Team in allen Bereichen erweitert, vergrößert, verbessert. Am deutlichsten lassen sich die Veränderungen in der Kulisse erkennen: Adrian Adjinschi, Rolf-Walter Klös, Lothar Schumacher, Dieter Schneeweiß und Oliver Hammer haben das Bühnenbild zunächst am Computer geplant. Dann sind die drei nostalgischen Ladengeschäfte mit sichtbarer Auslage aus einem 21-teiligen Stecksystem aus Holz und Metall entstanden, an dem sich Künstler unter den Darstellern mit Farbe und Pinsel bewährt haben.

Das Konzept formt ein geschlossenes Bild und eröffnet mit Türen und Straße mehrere Zu- und Abgangswege. Dennoch achtet die Regie akribisch auf klare Dialoge und theatralisch hervorgehobene Gesten und Mimik, die stets dem Publikum zugewandt sind. Das erleichtert es den Zuschauern, das Geschehen zu verfolgen. Die Beschaulichkeit nimmt rasch an Fahrt auf, als klar wird, dass der leer stehende Laden in der Mitte vermietet wird.

Kommt ein Fischladen rein oder die Pietät eines stotternden Bestatters? Den beiden Nachbarn Jean (Lothar Schumacher) und Roland (Rolf-Walter Kös) ist der Imbiss am liebsten, doch der nutzt allein dem Metzger. Der Geldsegen droht, die Freundschaft der alteingesessenen Einzelhändler zu zerstören. Also greifen Rolands Frau (Carmen Schneeweis) und Jeans Schwester (Christina Plaumann) ein und versuchen, Schnick (Udo Bernhard) zu verführen.

Tatsächlich erwischt dessen Gattin (Marion Picard) ihn bei einer heiklen Pose, Schnicks Snacks sind rasch Vergangenheit. „Zwei Ehen kaputt, eine Freundschaft im Eimer, aber Hauptsache, die Kasse stimmt“, kommentiert Jean, der am meisten unter den Entwicklungen in der Straße leidet. „Bei solchen Dickhäutern muss man sich einmischen“, verteidigt Rolands Frau die Intervention. Dramatische Musik aus Western-Filmen bekräftigt die gedrückte Stimmung.

Sven Neumaier und Klaus Lämmlein sitzen an den Reglern für Licht und Ton. Eine Schweinwerfer-Brücke optimiert diesmal die Beleuchtung, Boxen sind an der Bühnenwand installiert und verfeinern den Klang in der Turnhalle. Selbst in den ausweglosen Momenten sorgen Rolands schwerhörige und stets keifende Schwester (Ingrid Falk) und die geschäftstüchtige Maklerin (Andrea Alexander) für Heiterkeit im voll besetzten Saal.

Einen hohen Unterhaltungswert bietet auch die Verlegung der Szenerie in die Mühlenstadt. Bürgermeister, Stadträtin und Landtagsabgeordneter, die das Spektakel aus der ersten Reihe verfolgen, werden genannt. Auch der Supermarkt um die Ecke, das Obst- und Gemüsegeschäft sowie der Dessousladen kommen vor, der Carneval-Verein und das Duo Ohrenschmaus. Dabei wohnen nur zwei Mitglieder des Spaßtheaters tatsächlich im Stadtteil Lämmerspiel.

Leiterin Blöcher spielt zusammen mit Petra Wassmann eine Geschäftsfrau, wechselt so die Seiten und steht auch auf der Bühne. Sicherheit gibt allen Ulrike Dzony, deren Platz der enge Souffleusenkasten ist.

Mehr sei denen noch nicht verraten, die Karten für die Aufführungen am kommenden Wochenende haben. Einige Plätze sind noch frei. Gespielt wird am Freitag und am Samstag um 19 Uhr sowie am Sonntag um 17 Uhr in der TGL-Turnhalle. Tickets zu zehn Euro gibt’s im Mühlheimer Buchladen (Bahnhofstraße) und bei der Postagentur (Mühlheimer Straße).

VON MICHAEL PROCHNOW

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare