Zahlen und Außenwirkung

Stadtverordnete diskutieren über Wirtschaftsstandort

Alltag zurück im Mühlheimer Rathaus: Stadtverordnete diskutieren über Wirtschaftsstandort
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Alltag zurück im Mühlheimer Rathaus: Stadtverordnete diskutieren über Wirtschaftsstandort

Einen Tag nach der Verabschiedung von Gudrun Monat (Bündnis 90 / Die Grünen) und der Vereidigung von Dr. Alexander Krey (CDU) zum neuen Ersten Stadtrat war der Alltag zurück im Sitzungssaal des Rathauses.

Mühlheim - Die Tribüne, die Tags zuvor noch aus allen Nähten geplatzt war: leer. Die „gute Laune“, die Grünen-Fraktionschef Volker Westphal am Vortag ausgemacht hatte, wich der politischen Debatte.

Und da ging es unter anderem um „die Sicherung des Wirtschaftsstandortes Mühlheim“ – ein Antrag der Grünen-Fraktion, die sich auf die Erhebung der IHK-Standortumfrage 2018 bezieht. Die Grünen sehen, so erläuterte es Margit Früchtl-Staab, durch das „weit unterdurchschnittliche“ Abschneiden die wirtschaftliche Attraktivität der Mühlenstadt gefährdet. „Die Zufriedenheit mit dem Standort der Betriebe in 13 der 14 Gemeinden der IHK-Region lag durchweg im positiven Bereich“, schlussfolgerte Früchtl-Staab aus den Zahlen: „Deutliches Schlusslicht war jedoch die Stadt Mühlheim. Bei der Frage nach der erneuten Standortwahl wurde ihr mit nur 37 Prozent Zustimmung als einziger Kommune ein negatives Ergebnis ausgestellt.“ Zum Vergleich: Spitzenreiter ist Neu-Isenburg mit 88 Prozent, Obertshausen und Rödermark liegen am unteren Ende bei 57 Prozent. Intention der Grünen hinter dem Antrag: „Welche Maßnahmen ergriffen werden können, damit sich dieses Ergebnis bei der nächsten IHK-Erhebung nicht wiederholt.“

In die Kerbe schlug auch Dr. Jürgen Ries, der Fraktionschef der Bürger für Mühlheim (BfM). Die Zahlen seien nicht aus der Luft gegriffen, man müsse sie ganz ohne Schuldzuweisung analysieren. „Natürlich spricht sich das rum“, warnte Ries. Diese Außenwirkung könne man so nicht stehenlassen. „Wenn sich ein Unternehmer in der Region ansiedeln will, bekommt er das Heft in die Hand – und das war’s dann.“ Ihm sei keine große aktuelle Unternehmensansiedlung bekannt, warf Westphal ein.

Mühlheim: Viele Unternehmen haben sich angesiedelt

Bürgermeister Daniel Tybussek (SPD) wollte das nicht so stehen lassen, lobte die Arbeit der Wirtschaftsförderung und zählte auf Anfrage mit BMW Winter, der Schreinerei Noll, Tillmann Verpackungen GmbH, Elektro RAV GmbH einige Unternehmenserweiterungen und -ansiedlungen auf. Klar stehe Mühlheim bei der Studie „blöd da“, gab der Rathauschef zu: „Wir erhoffen uns, dass in den nächsten Jahren nicht mehr so ein Ergebnis zustande kommt.“ Aber die Faktenlage sei eine ganz andere, betonte Tybussek. Er verwies zunächst auf die „verdammt geringe“ Zahl der Unternehmen, die sich an der Umfrage beteiligt haben: Von 1861 der IHK zugehörigen Firmen in der Mühlenstadt beantworteten lediglich 38 die Fragen. Tybussek lenkte den Blick auf die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten, die sich in der Spanne von 2008 bis 2018 von 4 227 auf 5 829 gesteigert habe – also um 37,9 Prozent, unterstrich der Rathauschef, der ebenso darauf verwies, dass die Gewerbesteuereinnahmen aktuell die Sieben-Millionen-Euro-Marke überschritten haben. Zudem sei der Ausbau des Breitbandinternets durch die Deutsche Glasfaser GmbH im Gewerbegebiet auf der Zielgraden und voraussichtlich Anfang kommenden Jahres nutzbar.

Vorsitzender Marius Schwabe sagte, die CDU-Fraktion sei nicht bereit, die Arbeit der IHK zu machen. Somit lehnte die Große Koalition den Antrag der Grünen, dem die BfM zustimmten, ab. Westphal versprach dennoch: „Wir werden weiter an dem Thema dranbleiben.“

VON RONNY PAUL

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