„Können wir reinkommen?“

Sternsinger sind noch bis Sonntag unterwegs

Krone, Kreide, Stern und Spendendose dürfen nicht fehlen: An drei Tagen besuchen die Sternsinger Haushalte in der Mühlenstadt und sammeln Geld für den guten Zweck.
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Krone, Kreide, Stern und Spendendose dürfen nicht fehlen: An drei Tagen besuchen die Sternsinger Haushalte in der Mühlenstadt und sammeln Geld für den guten Zweck. 

„Können wir reinkommen?“ - „Nein“, tönt eine Kinderstimme durch die Sprechanlage. Die Antwort ist einsilbig und eindeutig. Nicht immer und nicht überall sind die Sternsinger willkommen.

Mühlheim – Selbst dort, wo der Segensspruch aus dem vergangenen Jahr über der Tür klebt, wird ihnen diesmal nicht geöffnet. Meist aber werden die jungen Segensbringer in den bunten Gewändern freudig erwartet, oft sogar in die Wohnung gebeten. Kurz zuvor herrscht noch ein buntes Treiben im Saal des Gemeindezentrums St. Markus.

„Hat jemand eine Büchse?“, schallt es durch den hohen Raum, weil einer Gruppe die Schatulle für die Geldspenden fehlt. „Ich brauch’ eine Krone!“, ruft ein Mädchen, die glänzende Kopfbedeckung wird ihr vorsichtig über die Frisur gestülpt. Zwei Dutzend Kinder stehen am Freitagmittag in bunten Gewändern auf dem Parkett, nur mit erhobener Stimme kann sich Gemeindereferentin Birgit Wenzel durchsetzen. Sie erinnert noch einmal an die neue Organisation: Erst sollen alle Familien besucht werden, die sich angemeldet haben. Wenn dann noch Zeit bleibt, können die Teams auch bei anderen Gebäuden klingeln.

In den vergangenen Jahren sind die Mühlheimer Sternsinger in der Altstadt von Haus zu Haus gegangen, um möglichst vielen Bewohnern die Botschaft von der Geburt Jesu Christi zu bringen. „20*C+M+B*20“ schreiben die jugendlichen Begleiter mit Kreide an den Türstock. Schneller geht’s, wenn sie einen Aufkleber anbringen, der die Abkürzung in einer kreideähnlichen Schrift auf schwarzem Grund trägt. Die Streifen werden vom Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ vor allem für helle Portale kostenlos zur Verfügung gestellt, wenn die Formel ansonsten kaum lesbar wäre.

Die Buchstaben stehen für „Christus mansionem benedicat“, „Christus segne das Haus“, besagt der Segenswunsch. Die drei „Könige“ und der Sternträger bringen aber nicht nur etwas, sie nehmen auch Gaben in Empfang. Die Schokolade, Lebkuchen, Plätzchen und Gummibärchen verteilen die Gruppen unter sich. Das Geld in den Dosen wird nach Aachen überwiesen, von wo aus rund 2000 Hilfsprojekte rund um den Globus unterstützt werden.

Seit dem Start 1959 hat das Missionswerk zusammen mit dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) stolze 1,4 Milliarden Euro an mehr als 74 400 Einrichtungen für Kinder in Afrika, Lateinamerika, Asien, Ozeanien und Osteuropa verteilt. Dabei geht es etwa um die Förderung von Bildung, Gesundheit, Ernährung und soziale Integration. Allein bei der 61. Aktion im vergangenen Jahr kamen im deutschsprachigen Raum rund 50,2 Millionen Euro zusammen, aus den Pfarreien St. Markus und St. Maximilian Kolbe waren es fast 7700 Euro. Die meisten Teilnehmer, die jetzt aus dem Hof des Gemeindehauses an der Pfarrgasse strömen, sind regelmäßig bei Angeboten der Kirche dabei, fahren ins Zeltlager, besuchen Gruppenstunden oder dienen als Ministranten am Altar. Aus diesen Kreisen stammen die Teenager, die auch heute und morgen Nachmittag die sechs Gruppen in verschiedenen Vierteln der Mühlenstadt begleiten.

Der achtjährige Quirin sowie Max, Lorenz und Gregor, alle zehn Jahre alt, werden in ein Wohnzimmer gebeten, in dem eine kranke Frau im Bett liegt. Sie freut sich über die Besucher, das Lied und den Segensspruch. Am Sonntagvormittag gestalten die Mädchen und Jungen den Gottesdienst in St. Markus mit.

VON MICHAEL PROCHNOW

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