Naturschutzbund sichtet Waschbären auf Mühlheimer Gemarkung

Waschbären machen sich in Mühlheim breit

+
Neugieriger Gast: Mit einer Wildkamera hat Nabu-Mitglied Wilfiried Mann jüngst in Dietesheim einen Waschbär aufgenommen.

Mühlheim hat wohl einige „Neubürger“ dazugewonnen. An mehreren Stellen wurden nun schon Waschbären gesichtet. Das berichtet Ernst von Hermanni, stellvertretender Vorsitzender des Naturschutzbundes Mühlheim (Nabu).

Mühlheim – Mittels einer Wildkamera hat Nabu-Mitglied Wilfiried Mann jüngst im Dietesheimer Wohngebiet Hanauer- und Fichtestraße einen Waschbär aufgenommen, der versucht, in eine kleine Hütte in einem Garten zu gelangen. Weitere Kleinbären waren in den vergangenen Jahren in Mühlheim immer wieder zu Gast. Ein Jagdpächter etwa hatte dem Nabu mitgeteilt, im Frühjahr 2018 mitten in der Nacht auf einem Hochsitz Besuch von drei nachtaktiven Raubtieren bekommen zu haben. Bei einem weiteren Fall vermutet der Nabu, dass auch dort Waschbären im Spiel waren. Im Herbst 2017 wurden am Waldrand westlich des Streuobstgebietes Gailenberg bei etwa zehn Nistkästen für Singvögel an den Einflugöffnungen blutverschmierte Federn festgestellt. „Wir nehmen an, dass ein Waschbär die Nester geplündert hat und die Altvögel gegriffen und getötet hat“, sagt von Hermanni. Bereits vor vier Jahren habe ein Bürger Besuch von einem Waschbär bekommen, der „sich sogar aus dem aufgestellten Fangkorb befreit hatte“.

Mühlheim: Waschbären als „Neubürger“ 

Der Umgang mit dem Waschbären als „Neubürger“ in Deutschland wird kontrovers diskutiert, heißt es auf der Internetseite des Nabu. In einigen Regionen Deutschlands wie etwa im Großraum Kassel weist der Waschbär hohe Bestandsdichten auf. Hauptsächlich als Pelzlieferant wurde der größte Vertreter der Familie der Kleinbären in den 20er- und 30er-Jahren des 20. Jahrhunderts aus Nordamerika nach Deutschland gebracht. Mit dem Ziel, ihn anzusiedeln, wurde der Waschbär 1934 in Hessen erstmals bewusst ausgesetzt. Stand der Säuger in den Folgejahren seiner Ansiedlung noch unter Naturschutz, nahm Hessen den Kleinbären als erstes Bundesland in das Jagdrecht auf. Aktuell fällt er in fast allen Bundesländern unter das Jagdrecht.

Auch von Hermanni ist sich unschlüssig, wie auf die „Neubürger“ reagiert werden sollte. Noch hat der Nabu keinen konkreten Überblick über Besuche von Waschbären in der Mühlenstadt. Anhand der Zahlen müsste abgeschätzt werden, ob Nistkästen vorsorglich besser geschützt werden müssten, was „natürlich richtig Geld“ kosten würde und auch arbeitsintensiv wäre, betont von Hermanni. Zudem fragt sich der Nabu, ob bei Nachbesserungen immer gleich eine aufwendige Drahtsicherung vor dem Einflugloch montiert werden sollte.

Mühlheim: Waschbären in der Regel Einzelfälle 

Vonseiten der Stadt heißt es auf Anfrage, es seien ab und zu Sichtungen von Waschbären gemeldet worden. Dabei handele es sich aber um Einzelfälle, bei denen man auch den Kontakt zum jeweils zuständigen Jagdpächter hergestellt habe. Bislang sei aber nichts über eine größere Population in Mühlheim bekannt.

Generell gibt es ein paar nützliche Tipps, wie man sich vor einem ungebetenen Waschbär-Gast im Haus oder Garten schützen kann. Diese listet der Nabu auf seiner Internetseite, nabu.de, auf.

Bäume und Sträucher, die an oder über das Dach reichen, sollten großzügig zurückgeschnitten und glatte Blechmanschetten über den Fallrohren der Regenrinne angebracht werden. Ebenso empfiehlt der Nabu, ein starkes Metallgitter auf dem Schornstein anzubringen und mögliche Einstiege konsequent und mit soliden Baumaterialien zu verschließen.

Rund ums Haus sollten Mülltonnen und Abfälle unzugänglich aufbewahrt oder mit starken Spanngummis verschlossen werden. Mülltonnen sollten nach Möglichkeit mindestens einen halben Meter von Zäunen, Mauern und Zweigen entfernt aufgestellt und Gelbe Säcke erst morgens am Tag der Abholung vor die Tür gestellt werden. Selbstverständlich sollten Fleisch, Fisch, Milchprodukte, Brot und Obst nicht auf den Kompost geschmissen werden.

Grundsätzlich gilt laut Nabu: „Durch umsichtiges Verhalten ist ein friedliches Neben- und Miteinander von Mensch und Waschbär möglich.“

VON RONNY PAUL

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare