Mühlheim

Hobby-Imker Jürgen Ries besitzt inzwischen elf Bienenvölker: Honig aus dem eigenen Garten

Mit einem Kurs hat 2012 alles angefangen. Inzwischen kümmert sich Hobby-Imker Jürgen Ries gemeinsam mit seiner Schwester im elf Bienenvölker.
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Mit einem Kurs hat 2012 alles angefangen. Inzwischen kümmert sich Hobby-Imker Jürgen Ries gemeinsam mit seiner Schwester im elf Bienenvölker.

Wo bei den Nachbarn eine Werkbank steht, ein Weinregal oder die Weckgläser von der Oma, da befinden sich im Haus von Jürgen Ries in Mühlheim Zehn-Liter-Plastikeimer. Derzeit taucht der Hausherr einen schweren Elektro-Mixer, mit dem sonst Speis für den Mauerbau angesetzt wird, in die dickflüssige Masse. Dr. Jürgen Ries ist aber kein Maurer sondern Arzt – und Imker.

Mühlheim – In diesen Tagen geht die Saison der summenden und brummenden Pollensammler zu Ende, Zeit, den süßen Brotaufstrich feincremig zu rühren. „Die meisten Kunden lieben ihn so“, weiß der Mediziner. Etwas dickflüssiger lässt sich das Naturprodukt besser aufs Brot streichen. Ein Dutzend Eimer stehen neben der Sauna im Keller, rund 350 Kilogramm Honig gewannen Ries und seine Schwester Annette Stein von ihren elf Völkern. „2020 ist ein sehr gutes Jahr“, resümiert der Hobby-Imker.

„Exakt zur Sommersonnenwende am 21. Juni endet die Schwarmzeit“, lehrt der Bienenfreund. „Sie spüren, dass die Tage kürzer werden, und hören unmittelbar auf, Waben zu bauen.“ Der unverrückbare Stundenplan der Nektarsammler sorgt dafür, das stets in der ersten und zweiten Juliwoche der Honig aus den Waben geschleudert wird. Der Mühlheimer Kommunalpolitiker bevorzugt die Handkurbel an einer Art Bottich, in dem vier Waben befestigt werden können.

Jetzt ist also die Zeit, in der Ries die Handbohrmaschine mit dem Rühraufsatz an der langen Stange in die flüssige Ware taucht. „Sonst kandiert der Honig“, sagt er. „Wir ernten keinen reinen Sortenhonig“, fährt der Experte fort, „und die Mischung aus Blüten der Akazie und der Esskastanie schmeckt besser“. Zum Abfüllen müssen die Eimer in einen Kühlschrank, den der Hobbyimker mithilfe einer Wärmedecke in einen „Heißschrank“ verwandelt hat.

„Bis 40 Grad darf der Honig erhitzt werden, um eine gute Qualität zu erhalten. Das geht auch mit einem Einkochtopf auf niedrigster Stufe.“ Im Keller unter dem einstigen Kiosk der Familie hat Ries schon das Wachs aus den Waben der oberen Schichten im Stock geschmolzen. „Die Tiere müssen weniger Energie aufwenden, wenn ihnen die Waben bereits erneuert sind“, argumentiert der Fachmann. Und sicherer sei es, wenn die Insekten in ihrem eigenen Wachs leben können. Darum lässt das Duo in einem Spezialbetrieb in Aschaffenburg Waben aus dem Wachs pressen.

Im Hof rührt Annette Stein in jeden der elf Eimer sechs Kilogramm Zucker in acht, neun Liter Wasser ein. Der Proviant an Kohlehydraten bringt die emsigen Flieger durch den Winter, haben die Dietesheimer herausgefunden. Schließlich schlüpfen fortlaufend Arbeiterinnen. Die eierlegende Königin wird nur einmal von mehreren Drohnen befruchtet. Nachdem sie ihren Job verrichtet haben, werden die männlichen Artgenossen aus dem Stock vertrieben und verhungern, schildert der Arzt das wenig menschliche Verhalten.

Um das Leben in den gestapelten Holzkästen in ihrem Schrebergarten zu erhalten, müssen die Geschwister außerdem mit Ameisensäure die Varroa-Milbe bedampfen, die es auf die Brut der Brummer abgesehen hat. „Die Waben, in denen der Nachwuchs heranwächst, werden ab dem 21. Dezember zu einer Kugel geformt, damit die Temperatur gehalten werden kann“, erläutert Ries. Denn zur Winter-Sonnenwende geht das Brüten los – sofern es nicht zu kalt ist.

Inzwischen haben die Zwei Schutzanzüge mit dem Gitter vorm Gesicht und Handschuhe übergestülpt und stehen vor den elf Stöcken. „Es gibt immer weniger Bienen“, sagt Anette Stein zu ihrer Motivation. „Wir haben 2012 einen Kurs absolviert, ein Jahr lang am begleiteten Probe-Imkern teilgenommen und sind dabei geblieben. Man muss etwas für die Natur tun!“ (Von Michael Prochnow)

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