Gefängnisstrafe für Mühlheimer

Mit immer der gleichen Masche betrügt ein 29-Jähriger überwiegend ältere Kunden

Mit einer Teppichreinigungsfirma in Mühlheim betrügt ein 29-Jähriger seine Kunden. Dafür muss er nun ins Gefängnis.
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Mit einer Teppichreinigungsfirma in Mühlheim betrügt ein 29-Jähriger seine Kunden. Dafür muss er nun ins Gefängnis.

Mit einer Teppichreinigungsfirma in Mühlheim betrügt ein 29-Jähriger seine Kunden. Dafür muss er nun ins Gefängnis.

  • Ein Mann aus Mühlheim steht vor Gericht - wegen Betrugs.
  • Mit einer Masche prellt der Mann in Mühlheim seine Kunden.
  • Nun muss der Mühlheimer ins Gefängnis.

Mühlheim – Er war ohne Schulabschluss und Ausbildung in eine unmoderne Branche eingestiegen, mit der Buchhaltung völlig überfordert. Deshalb entschied sich Anthony M., seine Teppichreinigung an der Offenbacher Straße auf eine kriminelle Basis zu stellen. Nun wurde der 29-Jährige vor dem Landgericht Darmstadt wegen gewerbsmäßigen Betrugs zu drei Jahren und elf Monaten Gefängnis verurteilt. Innerhalb von drei Jahren erleichterte der Vater von zwei Kindern 14 Kunden um 78 300 Euro.

Teppiche sind ein Geschäft aus dem letzten Jahrhundert – keiner legt heute mehr sein Geld in Teppichen an, der Markt ist tot“, erklärt der Frankfurter vor der 16. Strafkammer. Das und sein betriebswirtschaftliches Unvermögen hätten ihn in eine finanzielle Schieflage gebracht, die er nur mit Straftaten bewältigen konnte: „Es tut mir alles sehr leid und beschämt mich zutiefst.“ Sein umfangreiches Geständnis ist nicht nur Offenheit, sondern Voraussetzung für die Verständigung, die zwischen Gericht und Verfahrensbeteiligten stattgefunden hat. Mit diesem Deal werden der Verlauf des Prozesses und sein Ergebnis im Vorfeld begrenzt.

Mühlheimer bekommt Gefängnisstrafe: Kunden viel Geld abgenommen

Auf Verbrauchermessen und über in Briefkästen eingeworfene Flyer erreicht M. zwischen April 2016 und Oktober 2019 seine vorwiegend ältere Kundschaft. Neben professioneller Teppichreinigung und Reparatur verspricht der junge Mann auch eine Wertschätzung und den Verkauf der Stücke. Doch nichts davon entspricht der Wahrheit. Mit einer immer gleichen Masche schafft es M., ohne entsprechende Gegenleistung den Kunden schon bei Abholung der Ware viel Geld abzunehmen. „Während des Gesprächs erweckte ich den Anschein, dass die Teppiche sehr teuer seien und erklärte: ,Das sind wertvolle Teppiche, die kann man in der Schweiz gewinnbringend versteigern lassen.’ Das hatte ich aber nie vor, und wertvoll waren sie auch nicht.“ Das gesteht der Angeklagte. Selbst die Reinigung erwies sich als oberflächlich oder erfolgte gar nicht, Reparaturen wurden, wenn überhaupt, unsachgemäß ausgeführt. Doch M. hatte den Kunden ja schon bei Abholung viel Geld abgenommen, brauchte sich also seiner Meinung nach keine Arbeit mehr zu machen.

Kunden mit immer gleicher Masche um Geld gebracht - Gefängnisstrafe für Mühlheimer

Zwischen rund 1000 und 3000 Euro kassierte der Mühlheimer pro Teppich als Versteigerungsprovision und für die Aufarbeitung – was in den meisten Fällen mehr als dem Wert der Textilunterlage entsprach. Günstige Subunternehmer übernahmen manchmal eine Reinigung, die einem Wert von maximal 30 Euro pro Quadratmeter entsprach. Dies hatte ein durch das Gericht bestellter Gutachter bestätigt, der so einige der rund 50 Teppiche genau unter die Lupe nahm. Die meisten davon hatte M. den geprellten Kunden zurückgegeben, manche stapelten sich noch in einem der Lager in Neu-Isenburg und Offenbach. M. weiß auch, wo das fremde Geld geblieben ist: „Ich war öfter im Kasino, hab Klamotten gekauft und bin jeden Tag essen gegangen.“

Gefängnisstrafe für vorbestraften Mann aus Mühlheim: Wiederholungspotential

Zwei Wahl- und ein Pflichtverteidiger stehen dem Frankfurter zur Seite. Anwalt Jens Breidert betont, dass bereits eine hohe Summe – 35 000 Euro – zur Schadenswiedergutmachung an die Gerichtskasse Frankfurt gezahlt wurde. Sein Hamburger Kollege Rolf Huschbeck geht im Plädoyer noch einen Schritt weiter: „Ich habe in den 25 Jahren meiner Berufstätigkeit noch keinen Fall erlebt, in dem eine so hohe Summe zurückgezahlt wurde.“ Alle drei Advokaten fordern Haftverschonung für den 29-Jährigen aus Mühlheim, der – trotz seiner zahlreichen und einschlägigen Vorstrafen – das erste Mal in Untersuchungshaft sitzt. Seit Mitte Dezember. Und gerade deshalb willigt der vorsitzende Richter Sven Onneken nicht ein: Er sieht – verständlicherweise – erhebliches Wiederholungspotenzial. Auch Staatsanwältin Dragana Damljanovic weiß neben der ehrlichen Reue die negativen Merkmale einzuordnen: „Sie haben über die Dauer von dreieinhalb Jahren die Gutgläubigkeit älterer Menschen ausgenutzt und einen hohen Gesamtschaden angerichtet. Und das zum Teil unter laufender Bewährung.“ (Silke Gelhausen)

Auf Bewährung konnte ein Mühlheimer so oder so nicht hoffen. Schließlich hat er seine letzte Bewährung vermasselt und sitzt schon in Haft. Richter verurteilt Mühlheimer: „...sonst kiffen Sie wieder“.

Seit Jahren klaut der 24-Jährige, der gestern vor Offenbachs Schöffengericht auf der Anklagebank Platz nahm, Kraftfahrzeuge aller Art. Der Intensiv-Dieb tritt Strafe wohl erst übernächstes Jahr an.

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