34 Monate Haft

Intensiv-Dieb tritt Strafe wohl erst übernächstes Jahr an

+
Rechtsanwalt Ulf Köper und sein Mandant, der noch alte Haftstrafen absitzen muss, ehe er die neue antritt.

Mühlheim - Seit Jahren klaut der 24-Jährige, der gestern vor Offenbachs Schöffengericht auf der Anklagebank Platz nahm, Kraftfahrzeuge aller Art. Zuletzt hatte der Intensivtäter drei Jahre Jugendstrafe abgesessen. Von Stefan Mangold 

Bald, aber nicht sofort, kehrt der Mann für weitere 34 Monate hinter die Gitter zurück. Richter Manfred Beck liest die Daten des Angeklagten vor. Nebenbei fragt der Vorsitzende nach dem Befinden von dessen Vater. Der Offenbacher sagt, es gehe ihm gut, worauf Beck konstatiert: „Ich habe ihn schon lange nicht mehr hier gesehen.“ Auch der Angeklagte lacht.

Pflichtverteidiger Ulf Köper kündigt an, sein Mandant werde aussagen. Keine Überraschung. Es kommt zwar oft vor, dass Angeklagte auch dann alles abstreiten, wenn klare Beweise vorliegen und Aussagen von Zeugen mit bestem Leumund belasten. Aber nicht nur im aktuellen Fall hält der Beschuldigte nichts von Leugnen. Ja, alle ihm hier vorm Schöffengericht zur Last gelegten Vorwürfe träfen zu. Einmal wurde er auf frischer Tat von der Polizei erwischt, andere Male plauderten verhaftete Kumpels.

Beck führt aus, „seit ihrem 14. Lebensjahr erscheinen Sie immer wieder vor Gericht, eigentlich immer wegen der gleichen Delikte.“ Exemplarisch für den zigfach vorbestraften Offenbacher ist die Tat vom 5. Dezember 2016 in Mühlheim. Hier brach er das Lenkerschloss eines Motorrollers auf, fuhr davon und verkaufte das Gefährt. Das Prozedere wiederholte er im Laufe seiner Karriere. Eine Polizistin, beim Präsidium Südosthessen für Intensivtäter zuständig, erklärt, der Angeklagte sei auch schon nur in der Gegend herumgefahren und habe den Roller dann irgendwo abgestellt. „Sie fahren also gerne rum, wie es scheint“, kommentiert Beck.

Zum Diebstahl kommt stets ein weiteres Delikt: Der Angeklagte besaß noch nie irgendeinen Führerschein. Das allerdings hinderte ihn auch am 20. November 2016 nicht daran, mit einem Lastwagen davon zu fahren, der ihm nicht gehörte. Den Schüssel hatte er unter einem Reifen gefunden. Insgesamt werden ihm nun unter anderem fünf gewerbsmäßige Diebstähle vorgeworfen. Einige hatte er gemeinschaftlich mit Komplizen begangen.

Der Angeklagte erzählt, einmal sei er wegen Drogenbesitzes aufgefallen. Er redet sich jedoch nicht damit heraus, abhängig zu sein. Auch Spielsucht verneint er. Später wird die Polizistin jedoch berichten, in abgehörten Telefonaten sei von Besuchen einer Spielothek die Rede gewesen.

Auf einen Schulabschluss kann der Angeklagte nicht verweisen. In der Vergangenheit habe er an diversen Maßnahmen teilgenommen und Hartz IV bezogen. Das Geld sei aber immer schnell weg gewesen, weshalb es ihn zum Diebstahl gezogen habe. Der mündete einmal im Raub mit Körperverletzung, was ihm drei Jahre einbrachte. Die habe er bis zum letzten Tag abgesessen, weil er nach einem Freigang vergessen habe, das Handy aus der Tasche zu nehmen, das sich dann bei einer Zellendurchsuchung fand. Im Moment sitzt er alte Strafen ab. Nach jetzigem Stand kann er erst ab August 2020 die neue Haftstrafe antreten.

Großes Sommerfest beim Mühlheimer Ruderverein: Bilder

Zurzeit absolviert er in der JVA eine Ausbildung zum Fachlageristen. Außerdem nimmt er an einem Opfer-Empathie-Training teil. Beides Argumente für Rechtsanwalt Ulf Köper, eine geringere Strafe als drei Jahre Haft zu fordern. Soviel hatte die Staatsanwältin gefordert. Die Maßnahmen in der JVA zeugten davon, „dass er über seine Taten nachdenkt“, so Köper.

Richter Beck und die beiden Schöffen verhängen 34 Monate Gefängnis, „ab drei Jahren hätte er in einen Vollzug für schwere Straftaten wechseln müssen. Das hätte die Ausbildung gefährdet.“ Beck gibt ihm mit auf dem Weg, als Lagerist habe er später gute Chancen, eine Stelle zu finden: „Ich sehe allerdings momentan nicht, wie Sie es schaffen können, zur Arbeit zu gehen.“ Die Staatsanwältin und der Angeklagte nehmen das Urteil an.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion