Neue Domizile

Investor will auf dem Bender-Gelände 116 Wohnungen bauen – Kritik von Anwohnern

+
Pläne fürs Bender-Gelände: Die Bien-Ries GmbH will unweit der S-Bahn-Schienen am Wingertsweg 116 Wohnungen bauen. 

Wohnungsmangel herrscht im Rhein-Main-Gebiet nicht erst seit gestern. Auch in der Mühlenstadt ist das Defizit an Quartieren gegenwärtig. So verwundert es, dass das Areal der ehemaligen Gärtnerei Bender immer noch brach liegt.

Mühlheim – Wollte doch bereits 2005 die Hanauer Bien-Ries AG dort drei- bis viergeschossige Wohnhäuser bauen. Von dem Vorhaben nahm das Unternehmen allerdings zwei Jahre später wegen mangelnder Nachfrage nach Geschosswohnungen wieder Abstand – was heutzutage angesichts der Wohnungsknappheit wie eine Meldung aus einer ganz anderen Zeit klingt. Das wirtschaftliche Risiko sei zu hoch, hieß es damals. Danach hatten die Stadtverordneten 2007 beschlossen, das Bebauungsplanverfahren einzustellen.

Nun, mehr als zehn Jahre später, hat die Politik den zweiten Schritt gemacht, um auf dem Bender-Gelände den Bau von Wohnungen voranzutreiben. Bereits im Jahr 2017 bekräftigte die Grundstückseigentümerin der ehemaligen Gärtnerei gegenüber der Stadtplanung, dass sie weiterhin bestrebt sei, auf dem westlichen Grundstücksteil Wohnungsbau zu entwickeln. Ihr Wunsch sei zudem, den östlichen Grundstücksteil mit dem Wohnhaus davon auszuklammern.

Grundstückseigentümerin und Stadt haben für einen neuen Anlauf wieder die Bien-Ries AG als Investor gewinnen können. Nachdem die Stadtverordneten im ersten Schritt im November 2017 die Aufstellung des Bebauungsplans Nummer 83 für das Gelände „Am Wingertsweg“ im sogenannten beschleunigten Verfahren nach Paragraf 13b des Baugesetzbuches beschlossen hatten, wurde in der jüngsten Sitzung der Entwurf von Bien-Ries mit den Stimmen der Großen Koalition abgesegnet. Dessen öffentliche Bekanntmachung ist erfolgt, nun haben Träger öffentlicher Belange und Bürger die Möglichkeit, Bedenken und Einwände zu äußern. Bürgermeister Daniel Tybussek versichert: „Wir nehmen alles ernst.“ Dann werden von der Verwaltung die Bedenken abgewogen, bevor die Politiker über den Satzungsentwurf entscheiden.

Indes hat die Bien-Ries AG bereits mit der Vermarktung begonnen. Der Herbst ist als Baubeginn anvisiert, die ersten Bewohner sollen, wenn es nach dem Hanauer Unternehmen geht, schon Ende 2020 einziehen können. Geplant sind auf dem rund 7700 Quadratmeter großen Grundstück 116 Wohnungen mit einer Gesamtfläche von 8100 Quadratmetern. Für Bien Ries ist das als „Sixplaces“ betitelte Projekt das erste in der Mühlenstadt. Verteilt auf sechs Gebäude sollen Wohnungen mit einer Kapazität zwischen 1,5 und vier Zimmern und Flächen zwischen 30 und 120 Quadratmetern entstehen. Alle Wohnungen bekommen entweder eine Terrasse, einen Balkon oder eine Dachterrasse sowie einen Stellplatz in der Tiefgarage. Für sechs Elektroautos soll es zudem Lademöglichkeiten geben, für Fahrräder sind Außen und in der Tiefgarage insgesamt 230 Stellplätze vorgesehen. Wolfgang Ries aus dem Vorstand der Bien-Ries AG wirbt mit einem attraktiven Gestaltungskonzept für die Fassaden und Außenanlagen. Er ist sich sicher: „Die neuen Bewohner werden sich hier vom ersten Moment an zuhause fühlen.“

Einige Anwohner indes sind nicht so überschwänglich, befürchten sie doch eine Verdichtung des Wohngebietes. Auch die großflächige Versiegelung des Bodens durch die Tiefgarage schürt Bedenken. Ebenso gibt es Befürchtungen, durch die neuen Bauten könnten das eigene Domizil oder der Garten in den Schatten geraten. Auch vonseiten der Opposition kam in der jüngsten Sitzung Kritik. Sowohl Grüne als auch Bürger für Mühlheim (BfM) legten Änderungsanträge vor. Die Grünen forderten eine Überarbeitung des Bebauungsplans, insbesondere bei Lärmschutz und gefördertem Wohnungsbau. Während die Grünen 30 Prozent der Geschossfläche für geförderte Wohnungen festsetzen wollten, forderten die BfM 15 Prozent.

Deren Fraktionsvorsitzender Dr. Jürgen Ries verlangte mehr Vorgaben für den Investor und bezeichnete den Bebauungsplan als „schlecht“ und „überarbeitungswürdig“. Der Grünen-Fraktionssprecher Volker Westphal formulierte Bedenken hinsichtlich der möglichen Lärmbelastung, die von der Sportanlage „Am Wingertsweg“ auf die Bewohner zukommen könnte. Bürgermeister Tybussek machte darauf aufmerksam, dass die stadteigene Wohnbau GmbH das Instrument für geförderten Wohnraum sei. Zudem zeigte er Unverständnis über die Kritik der Opposition, schließlich habe man eins-zu-eins den einstimmig beschlossenen und eingeschlagenen Weg fortgesetzt. Er sehe in dem Projekt einen positiven Schritt für die Stadtentwicklung, betonte Tybussek.

Von Ronny Paul

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare