Tierwelt

Jede Einzelne hat wichtige Aufgaben: Imker Holger Marx gibt Einblicke ins Leben von Wild- und Honigbienen

Viel Wissenswertes über Bienen erfahren Besucher bei Imker Holger Marx. FOTO: M
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Viel Wissenswertes über Bienen erfahren Besucher bei Imker Holger Marx.

Wenn sie mit dem typischen leisen Summen über den Frühstückstisch schwebt, sich aber doch für den blühenden Kirschbaum statt fürs Marmeladenbrot entscheidet, dann handelt es sich um das drittwichtigste Nutztier der Erde. Die Biene rangiert nach Rind und Schwein und noch vor dem Huhn, lehrt Holger Marx. 15 Eltern und Kinder statten dem Imker auf dem Gailenberg nach einem Spaziergang mit dem Naturschutzbund (NABU) einen Besuch ab.

Mühlheim – Der Gärtnermeister hat die Anlage am Waldrand vor eineinhalb Jahren übernommen, neben ihm hegen weitere Experten Bienenstöcke. „Für 500 Gramm Honig umkreisen sie dreimal die Erde“, lässt der Gastgeber selbst die Erwachsenen staunen. Seit 40 Jahren sammle er bereits Erfahrung mit den Schwarz-gelben und verbreitet gleich wieder Wissenswertes: Die Wildbiene lebt wie die meisten der Hautflügler alleine, darum heißt sie auch Solitärbiene.

Ganz anders die Honigbiene. Marx versammelt seine Zuhörer vor einem der Holzkästen auf Europaletten. 15 000 der Insekten leben darin, lehrt er, „vor zwei Monaten waren es gerade einmal 5000“. Zur Sommersonnenwende im Juni werden es sage und schreibe 70 000 Tiere sein. Jetzt im Mai lege die Königin rund 1000 Eier, im Juni doppelt so viele – am Tag. Danach sterben viele Exemplare, ein gesundes Volk überwintere mit etwa 5000 Brummern.

Bienen haben individuelle Aufgaben

Dabei gelte bei dieser Art der ganze Staat als ein Tier, unterrichtet der Vorsitzende des Offenbacher Imkervereins weiter. „Jede einzelne Biene hat ihre Aufgabe, die ganz wichtig ist.“ Die Alten sammeln exakt vier Stoffe: Nektar, Blütenpollen, Wasser und Kitt – Baumharz. Zusammen mit einem Sekret aus dem Kopf werden damit die Waben wie mit einer Haut ausgekleidet. Dieses Propolis sei in der Kosmetik sehr gefragt.

„Die kleineren Baubienen konstruieren mit ihren Mundwerkzeugen bis in den Juni runde Waben“, erläutert Marx. „Dann heizen andere Arbeiter die Unterkünfte mit ihrem Hinterleib auf, durch die Kristalle des Materials werden die Zellen aus Wachs sechseckig.“ Als nächstes reinigt eine „Putzkolonne“ die Aufzuchtstätten, erst nach ihnen legt die Königin Eier in die Waben. Und der Fachmann verbreitet noch mehr kaum bekannte Informationen: „Bienen können keine Farben erkennen, aber das UV-Licht der Blüte. Der Stempel leuchtet für sie wie ein Scheinwerfer. Und sie können riechen.“

Weiße Kleidung, um nicht mit Honigräuber verwechselt zu werden

Das Volk verständigt sich über Duftsignale und Schallwellen, lernt die Gruppe auf der Wiese, jeder Bewohner des Stocks weiß, was die anderen machen. Einige halten die Brut warm, bei exakt 38 Grad, indem sie in ihren winzigen Körpern Honig verbrennen. Andere füttern die Larven. Im Alter von ein paar Wochen geben sie Türsteher, bewachen den Eingang und vertreiben andere Insekten. Angst treibt sie in einen Verteidigungsmodus, wenn sie dunkle Gestalten ausmachen: „Mit dunkler Kleidung erinnert ihr sie an einen Bären, einen großen Honigräuber.“ Darum ist die Schutzausrüstung der Imker durchweg weiß.

Noch immer lauschen die kleinen und großen Freunde der Natur dem Bienen-Experten. Er gibt Wabenwände zum Anfassen und Riechen in die Runde. Die Fünftklässlerinnen Laura und Marie bedanken sich für die Führung und überreichen dem Imker einen selbstgestalteten Nistkasten für Sperlinge. Am kommenden Wochenende arbeitet die NABU-Gruppe wieder an Verbissschutz und Benjeshecke auf dem Baumpatenstück im Norden des Gailenbergs. (Von Michael Prochnow)

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