In Gedenken an die Auschwitz-Befreiung

Gegen jede Art von Extremismus

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Die Friedenseiche ist Ort des Gedenkens an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz.

Mühlheim - Im Judentum sind Feiertage und Gedenktage aus zwei Gründen wichtig: Sie sollen an die Geschehnisse der Vergangenheit erinnern, den Beteiligten ein Gesicht und einen Namen geben.

Zudem versucht man, die universelle Bedeutung der historischen Ereignisse zu erkennen, daraus zu lernen, sein Leben heute danach zu richten und letztendlich eine bessere Zukunft zu gestalten. Die Erläuterung von Felix Dreichner klingt einleuchtend und passt zum Anlass: Das Vorstandsmitglied der jüdischen Gemeinde Offenbach sprach auf Einladung des Mühlheimer DGB-Ortsverbands zum Gedenken an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz vor 70 Jahren.

Die Rede von Felix Dreichner, Jüdische Gemeinde Offenbach, im Wortlaut (pdf-Datei).

Der Gewerkschaftsvorsitzende Thomas Schmidt begrüßte in Dämmerung und Nieselregen vor Gedenkstein und Friedenseiche, die Ende der 70er Jahre vor der Willy-Brandt-Halle gesetzt worden ist. Am 27. Januar 1945 und in den letzten Monaten des Zweiten Weltkrieges wurden die wenigen noch lebenden Gefangenen aus den deutschen Konzentrations- und Vernichtungslagern von den Alliierten-Truppen befreit. „Der Begriff Auschwitz steht symbolhaft für brutale Unterdrückung und Verfolgung, Unmenschlichkeit und letztlich in perverser Weise perfekt organisierte Vernichtung von Menschen“, erklärte Dreichner.

Morde an Schülern in Toulouse verurteilt

Er verurteilte auch die Morde an drei Schülern und einen Vater vor einer jüdischen Schule in Toulouse. Danach habe es keine Proteste wie gerade nach dem Attentat in der Redaktion des französischen Satireblattes Charlie Hebdo gegeben. Der Gast appellierte: „Lassen sie uns in Bildung investieren, wir müssen unsere Vergangenheit kennen.“ Dazu forderte er auf, die Gedenkstätten zu besuchen und sich mit den Erinnerungen der Zeitzeugen vertraut zu machen. „Lassen sie uns Brücken bauen, bringen sie Schulklassen zu uns in die jüdische Gemeinde.“

Der Redner forderte neue Gesetze, „um dem wachsenden Antisemitismus, Rassismus und Extremismus entgegenzuwirken“. Politiker müssten den Kampf gegen internationalen Terror verstärken, Medien verantwortungsvoller bei der Bildung öffentlicher Meinung vorgehen. „Wir dürfen nicht schweigen, wenn unsere Freiheit angegriffen wird, wenn Menschen wegen ihrer Rasse oder ihres Glaubens angegriffen werden. Das sind wir den Opfern schuldig, das sind wir unserer Menschlichkeit schuldig, das sind wir unseren Kindern schuldig.“

M.

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