Kappenabend bei den Floriansjüngern

...weil von der Feuerwehr!

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Bauchfrei, Brusthaar? Momentaufnahme von der Kappenabend der Mühlheimer Feuerwehr.

Mühlheim - Oft klagen Fastnachter über Nachwuchsmangel. Für den Kappenabend der Freiwilligen Feuerwehr Mühlheim ist das am Samstag in der Halle der Sport-Union wie immer kein Thema. Schon seit Jahren tritt etwa die Jubiläumsgesangstruppe auf. Von Stefan Mangold 

Jung ist das Quintett mit Melanie Lauffenberger als einziger Frau aber immer noch. Und frech. Besonders, wenn es gegen Dietesheim geht. Dann stehen die identitätsstiftenden Frotzeleien an, die prinzipiell das Mit- und Gegeneinander von Nachbarorten begleiten. „1000 Jahre existiert, 1000 Jahre nichts passiert“, klingt der Rückblick auf das Jubiläumsjahr 2013 mainaufwärts. noch nach.

Auch Lämmerspiel kommt nicht unbemerkt davon, als Andreas Neun den Karl-Heinz Stier mimt und das Erzählcafé des Geschichtsvereins imitiert. Von 1977 ist die Rede, dem Jahr von Lämmerspiels Eingemeindung, „ein Glück, dass wenigstens Wald dazwischen liegt“. Zu einer Replik von Neun rekeln sich die Kerle von den „Lausbuben“ zu „Voulez Vous Coucher Avec Moi“ lasziv im Fummel auf den Stühlen. Welches historische Momentum den Anlass gibt, spielt für die Gaudi im knallvollen Saal keine Rolle.

Sitzungspräsident Jürgen Tietz gibt auch jenen Hoffnung, denen sich der Humor zur Fastnacht nicht von selbst erschließt: „Durch Hypnose kann geholfen werden.“ Bernd Hatzebruch behandelt Andreas Leonhard, der für den Charakter eines schwermütigen Dietesheimers steht. Dessen Gemütszustand wandelt sich abrupt. „Was isn tode Spanner, he? Richtisch, weg vom Fenster!“, deutet der Mann im Badesalz-Sound an, dass die Therapie fruchtet.

Fastnacht bei der Feuerwehr Mühlheim

Fastnacht bei der Feuerwehr Mühlheim

Eine Abordnung der Sonnau schaut vorbei. Auch im Tross: Karl-Christian Schelzke, Edler Peter Hoffmann und vor allem Ritterin Anne-Marie Schwemmler. Natürlich erscheint das Prinzenpaar, mit Christin I. und Sebastian I. - wobei nicht unbemerkt bleibt, dass Sebastian Kaiser in Dietesheim lebt, „aber einer von uns ist, weil von der Feuerwehr“. Das Paar lässt seine Gardetanzgruppe auf der Bühne zurück, die eine ausgefeilte Choreographie auf die Bretter legt.

Die bestens trainierte Formation der DJK hat gleich zu Beginn des Abends viel Schwung in die Sache gebracht. Ebenso wie später die Crazy Kids und die Jump-Dancers.

Christian Spahn und Wolf-Christian Bäsecke resümieren als Ex-Prinzen ihre Amtszeiten, erinnern sich an die bange Frage, was für eine die Prinzessin sein könnte: „Isse gebildet oder dumm, quatschtse oder schweigstse stumm?“ Die entscheidende Rolle spielen aber die Optik und die Angst, die Frau an der Seite wirke erst ab zwei Promille auf die Sinne. Fragen, mit denen sich das Kinderprinzenpaar aus Hannah II. und Nils I. noch nicht auseinandersetzen muss.

Anita Horcher gibt sich mit einem Sachverhalt ab, dem sich wenig Gutes abgewinnen lässt, dem Älterwerden. Horcher rät, sich statt der 63 nicht für 36 auszugeben, sondern gleich für 76. Das steigere die Chance auf positive Resonanz: „Gut gehalten, bekam ich gesagt...“ Rolf Horcher als Feuerwehrmausmeister warnt vor Unbilden im Puff auf St. Pauli. Gänzlich abgerippt, landen die Demels aus der Provinz, nur von Laken bedeckt, auf der Straße.

Zugmarschall Dr. Bernd Kugler trällert frisch „An Tagen wie diesen“. Und das Blasorchester vor der Bühne spielt vom ersten bis zum letzten Takt über Stunden konzentriert. Dazu wäre Rolf Horcher, diesmal als Proband für die Werbung einer hochprozentigen Essenz, wohl nicht in der Lage. Was Producer Harald Prilop an Text vorgibt, versemmelt der Mann garantiert.

Der Bauchredner Andreas Franz und sein Alter Ego, der 84-jährige Konrad, treten als eingespieltes Paar an. Der Mondschein beseelte Andreas sieht sich als Romantiker, Konrad als Realist. Wie die drei Worte am nächtlichen Gewässer lauten, die auf ewig einander binden sollen, weiß der Alte präzise: „Ich bin schwanger.“

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