Karnevalistisches Urgestein regiert die Sonnau

Schlag für den grünen Roland

Mühlheim - Für die Sonnau ist seit Narrengedenken jedes Jahr ein besonderes. Ein normales würde jedem karnevalistischen Selbstverständnis ordentlich widersprechen. Die neue Kampagne setzt noch eine hübsche Runde Zahl obendrauf: Sie wird beherrscht vom 50. Ritter für den menschlichen Spaß. Es ist Roland Deiss.

Ein Schlag kann weh oder gut tun: Im Fall des 50. Ritters für den menschlichen Spaß, geschlagen vom Sonnau-Vorderen Karl-Christian-Schelzke, war es sicher letzteres.

Wer Neues schaffen will, muss sich oft von Liebgewonnenem trennen. „Ein Dietesheimer Mädchen aus gut beleumdeten Hause, dazu brillantes Aussehen, gepaart mit Mutterwitz und einer unglaublichen Ausstrahlung“, würdigte Sonnau-Vorderer Karl-Christian-Schelzke also die scheidende 49. Ritterin Anna-Maria Schwemmler. Der Vorsitzende der Tanzsport- und Karnevals-Gesellschaft nutzte wahre Worte, verbeugte sich vorm „nicht mehr zu verschönernden Aushängeschild der Sonnau in der zurückliegenden Kampagne“.

Trotzdem: Die Schöne musste raus aus dem samtenen Würden-Grün ihrer Amtszeit. So will‘s die Tradition, die die Sonnau aller Neuerfindung ihrer selbst zum Trotz nicht opfert. Ihr Nachfolger, der auf dem Plakat für die Jubiläumssitzung mit dem Prädikat „babbelnd“ ausgestattete 50. Ritter für den menschlichen Spaß, trumpfte im Bewerbungsrennen mit anderen Qualitäten auf.

Der Ende Oktober 1954 geborene Roland Deiss sei als Sternzeichen Skorpion leidenschaftlich, emotional, draufgängerisch und voller Tatkraft. Da sei es nur verständlich, dass die Menschen sich von ihm wie von einem Magneten angezogen, befand Schelzke.

Und da gibt’s ja auch noch mehr: Dass seine Tochter an einem Rosenmontag geboren wurde, führte Deiss einst zu seiner ersten Büttenrolle als Wöchner. Der Mann kultivierte sie über mehrere Jahre. Kein Wanderprediger, sondern ein Wanderredner sei das Urgestein der Fastnachtshochburg Mühlheim, dessen urwüchsiger Humor in den Sitzungen mehrerer Vereine begeistert.

Den Ritterschlag durch Schelzke beklatschte der Hofstaat der Sonnau mit dem Edlen Peter Hoffmann, Markgraf Stephan Mündelein, Edelmann Stephan Buschhaus, Landvogt Gerd Noll und Troubadour Andy Sommer. Aktive der KaKaM und der Altstädter, des LCV, MKV sowie Fastnachter der Dietesheimer Kolpingfamilie machten die Feier zum Verwandtschaftstreffen. Kunstfigur Robert, geführt von seinem Ziehvater und Bauchredner Andy Franz, begeisterte mit dem Hans Albers-Klassiker „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“. Musiker Robert Hößbacher sorgte für den allzeit passenden Tusch.

Dem grauen Alltag in gemeinsamen fröhlichen Stunden zu entfliehen, war das Ziel einiger lebensfroher Mannen, die im Dezember 1909 in der Gaststätte Frischkorn die Vergnügungsgesellschaft „Zur Au“ gründeten. Der Zusammenschluss mit dem Männerchor „Sonntagsverein Edelweiß“ war 1956 die Sternstunde der heutigen Sonnau, erinnerte Schelzke an die Entstehung der TKG.

Fastnacht bei der Feuerwehr Mühlheim

Eröffnet hatte er die Ritterkürung mit einer Schweigeminute im Gedenken an die Opfer der Pariser Terroranschläge in der Nacht zum Samstag. „In unserem Land ist die Würde des Menschen unantastbar. Hier werden Errungenschaften wie die Gleichberechtigung der Frau oder homosexueller Menschen nicht in Frage gestellt“, zitierte er Bundespräsident Joachim Gauck und wies auf die verbindenden Werte hin, zu der neben Solidarität und Toleranz auch die Brauchtumspflege, darunter die Fastnacht, zählt.

Mit dem Hinweis auf „freiwilligen Kostümzwang“ warb Schelzke für die Sonnau-Sitzung in der Willy-Brandt-Halle am Freitag, 20. November, 19.11 Uhr. (peba)

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