Kirchturm-Komödianten verschieben „Hotel König“ auf das kommende Jahr

Warten auf Theater und Büfett

Im vergangenen Jahr saßen sie auf der Bühne noch dicht beinander, für dieses haben sie ihre Auftritte verschoben: die Dietesheimer Theatergruppe Kirchturm-Komödianten. Foto: Prochnow

Mühlheim – Spielen, verschieben, absagen? Auch die Dietesheimer Kirchturm-Komödianten haben lange diskutiert, ob sie an den vorgesehenen Terminen für ihre Auftritte im November festhalten sollen. VON MICHAEL PROCHNOW

„Streit auf Distanz, Liebesszenen mit Mundschutz?“ Das könnten sich die erfahrenen Laienschauspieler im Pfarrheim St. Sebastian beim besten Willen nicht vorstellen. Die Gruppe einigte sich also darauf, das „Hotel König“ ein Jahr später zu öffnen.

Okay, amouröse Momente sieht das Buch von Claudia Kanschat nicht vor, gesteht Regisseur Stefan Schwab. Es gehe vor allem um den Schutz des Publikums. Und das bestehe vor allem aus Angehörigen der Risikogruppe, pflichtet Stefan Heberer bei. „Wir dürften in den Pausen wegen der Corona-Regeln auch nichts verkaufen“, argumentiert der Mitgründer weiter für die getroffene Entscheidung. „Sekt, Bier, Limo, belegte Brötchen, viele kommen nur wegen des Büfetts“, scherzt er.

Das passt zum ausgewählten Stück: Marina König ist stinksauer. Sobald es im gemeinsamen Hotel viel Arbeit gibt, muss ihr Ehemann dringend zu seiner „Erbtante Mathilde“. Als Dank für seine Hilfe überschüttet diese ihren Neffen mit nutzlosen Geschenken, die er dann im Internet verkaufen muss. Das ruft eine Dame vom Gewerbeaufsichtsamt auf den Plan, weil die Einnahmen aus diesen Geschäften nicht versteuert sind. Doch nicht nur der Ehemann, auch die Besucherin, die kein Deutsch spricht, der italienische Kellner, eine resolute Köchin, ein attraktives Zimmermädchen und ein kaputter Aufzug rauben Marina König die Nerven.

Stefan Heberer und Thomas Schwab haben die Vorlage mit viel Lokalkolorit angereichert. So heißt die Unterkunft in den Vorstellungen an der Hanauer Straße „Hotel zum grünen See“ und der Kaale Bersch taucht auf. Abends geht’s auf die „Lämmerspieler Partymeile“, in die Pilsquelle. Aber auch die Dietesheimer Schänke und „Stapels Lisbeth“ vor den Toren Steinheims spielen eine Nebenrolle in dem Stück.

„Die Situation zwingt uns zur Absage“, sagt Heberer mit enttäuschtem Tonfall. „Auch für unsere Mitglieder ist dieser Schritt nicht prickelnd“, fügt er hinzu. „Wir hätten Mitte Mai mit den Proben anfangen müssen.“ Die Aktiven haben sich im Pfarrheim getroffen, „es wäre groß genug, um mit Abstand zu üben“, aber der Entschluss fürs Aus fiel einstimmig.

Die tröstende Perspektive lautet, „wir haben das 24. Stück parat und somit jetzt schon ein Programm fürs Jubiläumsjahr“. Die Kirchturm-Komödianten feiern 2021 ihr 25-jähriges Bestehen. Stefan Schwab und Trixi Breuer, die sich die Leitung teilen, sehen die Dinge entspannt. „Viele Stars und Sternchen sind auf- und untergegangen“, lassen sie die Zeit Revue passieren.

„Wir spielen an vier Abenden und haben vier verschiedene Arten von Publikum“, sagt Stefan Heberer. „Die einen lachen schon, wenn sie noch die Türklinke in der Hand haben, andere haben im ersten Akt kein einziges Mal die Mundwinkel verzogen.“ In jedem Fall gilt, „die Leute, die da sitzen, haben bezahlt, um uns zu sehen“, ergänzt Stefan Schwab, „und ich will, dass die Leute Spaß haben“.

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