Klima und Corona

Kleingärtnerverein Mainblick kämpft mit verschiedenen Herausforderungen

Abstandsregeln, Hochwasser, Trockenheit und Schädlinge: Lothar Stägert, Vorsitzender des Kleingärtnervereins Mainblick, kennt die Sorgen der Hobbygärtner.
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Abstandsregeln, Hochwasser, Trockenheit und Schädlinge: Lothar Stägert, Vorsitzender des Kleingärtnervereins Mainblick, kennt die Sorgen der Hobbygärtner.

Was bringt die Hobbygärtner auf die Palme? Der Eichenprozessionsspinner! Die Raupe, die bei Berührung schwere Allergien auslösen kann, lauert auf den Bäumen rund um die Anlage des Kleingärtnervereins Mainblick.

Mühlheim – Auch das Coronavirus schränkt Aktivitäten der Hobbygärtner ein, berichtet Vorsitzender Lothar Stägert. In den vergangenen Jahren hatte die Stadt ein Unternehmen beauftragt, die Nester in den Eichenzweigen zu besprühen oder abzusaugen und die Tiere so unschädlich zu machen. Diesmal sollen die Mitglieder auf die Hilfe der Kommune verzichten, hörte Stägert aus dem Rathaus. Dabei fallen die Raupen schon in mehrere Gärten, müssten als Sondermüll entfernt werden. Der Vorstand bittet um Hilfe, möchte betroffene und engagierte Pächter nicht verlieren. Obgleich das Interesse an einer Parzelle aktuell stark gestiegen sei. Seit dem Corona-Ausbruch gingen bei ihm fast 20 Anfragen ein, „jeder will raus“, stellte der Vorsitzende fest. Drei Areale konnten bereits vergeben werden, zwei weitere sind „so gut wie weg“. Es kommen vorwiegend junge Leute mit Kindern, die sich während der Ausgangsbeschränkungen in kleinen Wohnungen aufhalten müssen. „Diese Familien sind zugleich die Zukunft des Vereins“, betont Stägert.

„Wir sind gehalten, die Gärten sozial verträglich, auch an sozial schwächere Bürger zu vergeben.“ Mit den meisten der „Neuen“ haben sie einen „guten Griff“ gemacht, viele „geben richtig Gas“ bei der Gestaltung ihres Geländes. Entsprechend des Werts für eine Parzelle, der von einer gewählten Kommission ermittelt wird, müssen die Nachfolger ihren Vorgänger einen Abschlag bezahlen. Die Stromkosten müsse die Vereinskasse vorfinanzieren, ein monatlicher Abschlag wird dann im Folgejahr eingefordert. Auch Feuerlöscher, Gas für die Heizung des Heims und Arbeiten im Sinne der Verkehrssicherungspflicht der Wege müssen die Pächter anteilig mittragen. Der Grillplatz wird verlegt, eine Brandschutzmauer errichtet – „die Steine sind schon da“, deutet Stägert auf die Ziegel, von denen jeder 26 Kilogramm wiegt. Auch zwei Rettungswege mit Ein- und Ausgang müssen eingerichtet werden. Bislang gab’s nur ein Tor, und das lag direkt am Grill.

Fehlen die Einnahmen aus Festen, rechnet der Vorsitzende vor, müssen die Nutzer der Anlage höhere Umlagen bezahlen. Corona sorge zudem dafür, dass viele Arbeiten nicht ausgeführt werden können. „Das Mauern ist schwer zu koordinieren, wenn du nur zu zweit und mit Abstand vorgehen kannst“, erläutert der erste Mann. „Streichen geht“, zeigt er auf die Wände in der Bar, auch Bänke und Tisch haben sie schon überholt. Zu den Maßnahmen, die verwirklicht werden mussten, zählt auch ein umweltgerechtes, sieben Kubikmeter fassendes Fäkalienbecken. „Allein dieses Projekt hat uns 6000 Euro gekostet. Dennoch, ihr Vatertagsfest lassen sie wegen der neuen Regeln ausfallen.

Neben dem Virus macht den Mühlheimern mit dem „grünen Daumen“ der Klimawandel zu schaffen. Wiederholt stand Hochwasser in den ersten drei Parzellen, die unter dem Niveau der Bundesstraße liegen. „Da sind Goldfische aus den Teichen über den Wegen geschwommen“, berichtet Stägert. Im Sommer kommt dann die Trockenheit, verursacht braune Rasenflächen und harte Böden. „Klar, Verluste gibt’s immer“, doch durch das veränderte Klima rechnet Lothar Stägert mit einer „Schädlingsflut: Es ist ja nichts erfroren“, stellt er fest und fürchtet Schnaken, Wespen, Maikäfer. „Und vor allem Blattläuse an den Bohnen. Was ist da schon Corona?“

VON MICHAEL PROCHNOW

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