Lämmerspieler Prinzenpaar startet „725. Kampagne“

+
Prinz Thorsten I. und Prinzessin Ute II. beim Kampagnen-Startschuss der Lämmerspieler Ortsvereine.

Mühlheim - Mit Schelle und Chef eröffneten die Lämmerspieler Ortsvereine ihre LOVe-Gala und präsentierten ihr „Prinzenpaar im Jubiläumsjahr“. Von Michael Prochnow

LOV-Vorsitzender Matthias Lingkost gab in der Halle der Turn- und Sportvereinigung (TSV) den Startschuss in die 725. närrische Kampagne des Orts. „Dieser Geburtstag wird woanders gar nicht wahrgenommen“, gestand er, „doch wenn es nichts zu feiern gibt, dann finden wir Lämmerspieler schon ‘was“.

Entsprechend verkleidet erinnerten Mitglieder der Lämmerspieler Ortsvereine (LOV) zum Kampagnen-Auftakt am Freitagabend in 100-Jahres-Schritten an die Geschichte. Bereits 500 Jahre vor Christus gab es an der Rodau eine Siedlung. Die Zeitrechnung mit Urkunde aber begann 1289, als Heinrich I. als Landrat von Hessen im Kloster Patershausen eine Schenkungsurkunde über „Limares“ unterschrieb.

In der Epoche um 1389, Landgraf Hermann II. von Hessen regierte, wurde das Dorf Limmersbrül genannt – und wäre beinahe englisch geworden. Seine Besitzer, die Herren von Eppstein, waren chronisch pleite und hatten die Siedlung an den König von England verpfändet, „zum Glück aber wieder ausgelöst“. Seit 1425 nannte sich die Gemeinde Limmesbure, gehörte dem Erzbischof von Mainz und wurde mit 19 anderen Ortschaften für 38 000 Rheinische Gulden verkauft – „heute sind wir freilich unbezahlbar“, hieß es.

Um 1515 litten die „Limmerburer“ unter den Bauernkriegen. Ausgedünnt auf 21 Hausbesitzer und 17 Leibeigene seien das „gerade mal genug für ein Auswärtsspiel“ gewesen. Seit 1576 tagte das Bauerngericht zweimal im Jahr am Ort. 1859 herrschten 31 Kriege in Europa, Plünderungen waren an der Tagesordnung - „heute schaffen das Politiker ganz allein!“, meinte das „Herminche, die Holde von Kaiser Wilhelm II.“

Alles zur Fastnacht in der Region lesen Sie hier

Später zogen, auf der Flucht, wieder einmal die Franzosen durch Lämmerspiel, dann kamen Preußen, Österreicher und Russen. Letztere hatten im „Engel“, dem heutigen Waitz, ihr Gericht eingerichtet, „soffen, und das Volk litt weiter“ - daher der Name, „die Russen“ für die Lämmerspieler!

Nach diesem Rückblick zogen die Regenten der 62. Kampagne ein. Prinz Thorsten I. und Ute II. mit Zofe Sandra und der Prinzengarde besetzten die TSV-Halle. Alex Franz, Sitzungspräsident des Carnevalvereins, und sein Vize Joe Becker erzählten die „wahre Geschichte“ des Paares. Thorsten I., Mundschenk des Elferrats, habe beim Zug „mal ganz oben stehen“ wollen. Zudem habe man dem Mediengestalter die „Frage aller Fragen“ beim Frühschoppen gestellt. Und Ute II., Leiterin des Damenballetts Ladykracher, brauchte erst einmal die Zustimmung von Tochter Julia.

Prinzenpaar-Gala der LOV 2013

Prinzenpaar-Gala der LOV

Thorsten Schuth arbeitet im bürgerlichen Leben in einer Druckvorstufe, „vergisst zuweilen Namen, nennt Leute dann Onkel oder Tante“, utzte Franz. Er liebt Radfahren, Schwimmen, Laufen, sogar Marathon und „extrem scharfe Tomatensauce“. Der Bieberer ist aktiv in mehreren Vereinen. Auch die Klein-Auheimerin Ute Flohrer gilt als Tausendsassa, bringt sich gerne ein, liest, sieht fern und geht gern auf Kreuzfahrt - nach der Kampagne sind die Seychellen das Ziel. „Einmal Prinzessin sein in Lämmerspiel, das bedeutet mir unendlich viel“, schmetterte die Hoheit anschließend im Konfettiregen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare